ZDFheute

Corona-Krise: Merkel bittet um Geduld

Sie sind hier:

Gipfel der EU-Länderchefs - Corona-Krise: Merkel bittet um Geduld

Datum:

Sechs Stunden tagten die EU-Länderchefs per Videokonferenz. Auf Finanzhilfen für angeschlagene Staaten wie Italien konnte man sich nicht einigen. Merkel bittet Deutsche um Geduld.

Auf einem Bildschirm sind Kanzlerin Angela Merkel und andere europäische Staats- und Regierungschefs zu sehen während ihrer Videokonferenz angesichts der Corona-Krise.
Per Videokonferenz versuchten die Staats- und Regierungschefs der EU Lösungen zu finden in der Corona-Krise. Erfolgreich waren sie dabei nur teilweise.
Quelle: dpa

Eigentlich hätte die Videokonferenz der 27 Staats- und Regierungschefs der EU nur zwei Stunden dauern sollen. Zu groß aber waren die Differenzen bei der Frage, wie sich die Staatengemeinschaft künftig gegen die Corona-Krise stemmen will. Vor allem die Unterstützung wirtschaftlich schwächerer Länder ist ein Knackpunkt.

Wir sind entschlossen, diese Herausforderung gemeinsam zu bewältigen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel

Das betonte Merkel bei einer telefonischen Pressekonferenz nach den Verhandlungen. Die Kanzlerin sprach von Solidarität, beherztem Vorgehen und lobte die Arbeit der EU-Kommission. Doch hinter den Kulissen gärt es gewaltig in der Eurozone.

Gemeinsam gegen die Ausbreitung des Virus vorgehen

Nach Angaben von EU-Ratspräsident Charles Michel ist man sich zumindest darin einig, gemeinsam gegen die Ausbreitung des Virus vorzugehen, Schutzausrüstung zusammen zu beschaffen und den Warenverkehr im Binnenmarkt trotz der Ausgangsbeschränkungen zu sichern.

Sehen Sie hier einen Beitrag über Forderungen von Italien an die EU

Italien ist das von Corona-Virus am stärksten betroffene Land, trotz mehrfacher Bitte an Europa kam kaum Hilfe. China dagegen bietet eine "Seidenstraße der Gesundheit" und Italien nimmt die Hilfe gerne an.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Allerdings konnte man sich auch nach sechsstündigen Verhandlungen nicht darauf einigen, mit welchen Finanzinstrumenten man besonders schwer angeschlagene Staaten wie Italien oder Spanien unter die Arme greift. Italien ist mit rund 7500 Corona-Toten das am schwersten von der Epidemie getroffene EU-Land.

Kanzlerin Merkel ist gegen Corona-Bonds

Während einige Staaten Corona-Bonds, also Gemeinschaftsanleihen, forderten, betonte Kanzlerin Merkel, dass der Euro-Hilfsmechanismus ESM das geeignete Mittel der Hilfe sei.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnte, dass der Corona-Ausbruch die entscheidenden Pfeiler der EU zerstören könne, wenn keine ausreichende Solidarität gezeigt werde.

Das Überleben des europäischen Projekts steht auf dem Spiel.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron

Auch Macron will wie acht andere EU-Länder Gemeinschaftsanleihen, die das Risiko von Krediten auf alle EU-Staaten verteilen. Deutschland, die Niederlande, Österreich und einige andere Staaten lehnen dies aber ab.

Merkel begründet die deutsche Ablehnung so: "Ich glaube, dass wir mit dem ESM ein Kriseninstrument haben, das uns viele Möglichkeiten eröffnet, die nicht die Grundprinzipien unsers gemeinsamen und jeweils verantwortlichen Handels infrage stellt."

In zwei Wochen sollen neue Vorschläge auf den Tisch kommen

In zwei Wochen soll der Gipfel wieder zusammenzukommen. Bis dahin sollten die Finanzminister Lösungen ausarbeiten. Sie erwarte Vorschläge, die "der einzigartigen Herausforderung" durch die Krise gerecht würden, so Merkel.

Ursula von der Leyen am 13.03.2020 in Brüssel

Limitierter Einfluss -
Wie die EU mit der Corona-Krise umgeht
 

Bei den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus hat die EU kaum Kompetenzen - die liegen bei den Mitgliedsstaaten. Wie kann sie dennoch Einfluss nehmen?

von Stefan Leifert, Brüssel

Die Grenzen dicht, der Binnenmarkt gelähmt, die Nerven aufgerieben: Die Corona-Krise wird für die EU zur Bewährungsprobe. Die Auswirkungen der Epidemie sind nach Einschätzung von Bundeskanzlerin Angela Merkel größer als die der internationalen Finanzkrise 2008.

Merkel sieht noch keine Lockerung der Maßnahmen

Für Merkel  ist es derzeit noch zu früh, um über eine Lockerung der wegen der Ausbreitung des Coronavirus verhängten Maßnahmen zu entscheiden. Es gebe immer noch einen Anstieg der Neuinfektionen.

Ich muss die Menschen in Deutschland wirklich um Geduld bitten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat, wenn die Zeit reif ist, eine enge Koordinierung unter den EU-Staaten bei der Rücknahme der Notfallmaßnahmen gefordert.  Die EU-Kommission  werde eine wissenschaftlich fundierte "Ausstiegsstrategie" entwickeln.

Saarbrücken: Beamte der Bundespolizei kontrollieren Autofahrer, die aus Frankreich nach Deutschland einreisen.

Corona-Krise -
Rückkehr der Schlagbäume?
 

In der Corona-Pandemie schließen EU-Staaten ihre Grenzen oder führen Kontrollen ein. Das dürfe nicht zum Dauerzustand werden, sagt der Jurist Daniel Thym.

von Julia Klaus

Ursula von der Leyen kristisiert europäischen Geist

Von der Leyen hatte zuvor den europäischen Geist im EU-Parlament hart kritisiert:

Als Europa wirklich füreinander da sein musste, haben zu viele zunächst nur an sich selbst gedacht.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

Und weiter: "Als Europa wirklich beweisen musste, dass wir keine  Schönwetterunion sind, weigerten sich zu viele zunächst, ihren Schirm zu teilen."  Inzwischen funktioniere die gegenseitige Hilfe wieder.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.