Darum geht es bei der Sondersitzung der EU-Energieminister

    FAQ

    Hohe Energiepreise:Darum geht es beim EU-Energieminister-Treffen

    von Marie Müller
    09.09.2022 | 08:22
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    In Brüssel treffen sich heute die Energieminister der EU-Mitgliedsstaaten. Worüber sie beraten und welche Entscheidungen fallen könnten - ein Überblick.

    Warum treffen sich die Energieminister in Brüssel?

    Die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten stehen aufgrund der gestiegenen Energiepreise unter enormem Druck. Bürger*innen und wichtige Industriezweige ächzen unter den aktuellen Preisentwicklungen. Die Energieminister kommen deswegen zu einer Sondersitzung zusammen und beraten über mögliche Entlastungen.
    Der Preisanstieg hängt mit dem Krieg in der Ukraine, dem Ausfall von Atomkraftwerken und dem heißen Sommer zusammen. Dabei steht ein Mechanismus im Mittelpunkt, den Fachleute 'Merit Order' nennen und der den Strommarkt der EU regelt.

    Warum bestimmt das Gas den Strompreis?

    Als 'Merit Order' bezeichnet man die Reihenfolge, in der Kraftwerke ihren Strom an der Strombörse anbieten. Zunächst wird der Strom gehandelt, der besonders günstig ist. Das ist oft der, der von Solar- oder Windkraftwerken produziert wird. Wird mehr benötigt, wird auch der Strom anderer, teurerer Erzeuger gehandelt. Dazu zählen zum Beispiel Braunkohle-, Öl- oder Gaskraftwerke.
    Der zuletzt aufgenommene Stromerzeuger bestimmt den Preis. Weil seit Beginn des Kriegs die Erdgaspreise stark steigen, sind das aktuell die Gaskraftwerke. Da der Strombedarf momentan groß ist, kommen sie oft zum Zug und ziehen den Strompreis so nach oben.
    Strompreis
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    Was hat der Strombedarf mit heißen Sommern zu tun?

    Als Folge der Trockenheit in den letzten Monaten kämpfen viele europäische Staaten mit Niedrigwasser ihrer Flüsse. Auf diese sind sie aber zur Stromproduktion angewiesen. In Frankreich fallen aufgrund von Reparaturen und fehlendem Kühlwasser 29 der 56 Atomreaktoren aus. In Deutschland stockt der Kohletransport wegen des niedrigen Pegelstandes des Rheins.
    Und auch in Österreich produzieren die Wasserkraftwerke aktuell zehn Prozent weniger Strom im Vergleich zum Jahresdurchschnitt. Entsprechend herrscht ein erhöhter Strombedarf aus anderen Energiequellen – so auch aus teurem Erdgas.

    Warum ist das Erdgas seit dem Krieg in der Ukraine so teuer geworden?

    Als Reaktion auf den brutalen Angriffskrieg in der Ukraine verhängte die EU zahlreiche Sanktionen gegen Russland. Infolgedessen kam es von russischer Seite immer wieder zu Drosselungen und Lieferstopps, zuletzt Ende August bei der Gaspipeline Nord Stream 1. Die Ausfälle stellen die europäischen Länder vor ein Problem, da sie sowohl in der Stromerzeugung als auch beim Heizen bisher auf Gas aus Russland angewiesen sind.
    Weil jederzeit mit einem Wegfall zu rechnen ist, ist die Lage am Gasmarkt entsprechend instabil. "Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen Situation, weil Russland sich als unzuverlässiger Lieferant erweist und durch sein Verhalten unsere Energiemärkte manipuliert", sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch.
    Reduzierte Liefermengen verbunden mit großer Unsicherheit treiben die Gaspreise in die Höhe.

    Mit welchen Beschlüssen der Energieminister ist zu rechnen?

    Vor dem Treffen zirkulieren zahlreiche Vorschläge - aus den Reihen der Mitgliedsstaaten, aber vor allem von der EU-Kommission, deren Präsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch einen Fünf-Punkte-Plan vorgestellt hatte. Als relativ sicher gilt, dass sich die Minister auf eine neue Einsparanstrengung beim Stromverbrauch einigen.
    Aber schon bei der Frage, wie konkret und verpflichtend diese werden, beginnt die Uneinigkeit. Denkbar ist auch, dass sich die Minister auf eine europaweit koordinierte Abschöpfung der so genannten "Zufallsgewinne" einigen. Diese entstehen vor allem bei Stromproduzenten, die auf erneuerbare Energien setzen.
    Am umstrittensten ist der Vorschlag eines Preisdeckels explizit auf russisches Gas. Russlands Präsident Wladimir Putin hat bereits angekündigt, bei einem solchen Schritt die Energielieferungen nach Europa ganz zu stoppen.

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