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Klima-Deal der EU - Wie der Green-Deal unser Leben verändert

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"Dies ist Europas Man on the Moon-Projekt", schwärmte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Der Green Deal: Klimawandel bewältigen, Jobs und Wohlstand schaffen – geht das?

Wasserfluten, Waldbrände, Hitzewellen: Der Weltklimarat IPCC warnte kürzlich erneut vor einer weiteren Erderwärmung, wenn nicht umgehend der Ausstoß von Treibhausgasen verringert würde.

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Während im Bundestagswahlkampf Armin Laschet, Annalena Baerback und Olaf Scholz durch die Fluten stapfen und eine neue Klimapolitik als mehr oder weniger attraktive Option anbieten, stehen im Hintergrund längst alle Zeichen auf Grün.

Die EU hat das vor zwei Jahren vorgestellte Green-Deal- Projekt präzisiert, das Bundesverfassungsgericht hat die Bundesregierung zum Nachbessern ihres Klimaschutzgesetzes aufgefordert und die hat ihre Ziele umgehend verschärft: Bis 2030 müssen die entscheidenden Weichen gestellt werden, bis 2045 soll Deutschland klimaneutral sein – also nicht mehr CO2 emittieren als aus der Umwelt auch wieder aufgenommen werden kann.

Wie radikal der Wandel in wenigen Jahren sein wird, dürfte Wenigen klar sein. In Salzgitter emittiert das zweitgrößte Stahlwerk der Republik rund ein Prozent des deutschen CO2. Schon heute stehen hier modulare Elektrolyse-Anlagen, um ab 2025 aus Windenergie grünen Wasserstoff zu produzieren und Koks wie Kohle als Brennstoffe zu ersetzen.

Wird es dem Osten Europas gelingen, die von Brüssel gesteckten Klimaziele zu erreichen? Andreas Klinner reist mit dem e-Auto von Kleszczow nach Tallinn.

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Dafür müsse sich die Politik auf allen Ebenen bewegen, so Stahl-Chef Gunnar Groebler:

Es hilft mir nichts, wenn ich hier meine Anlage stehen habe, auf dem offenen Meer Offshore Windparks und die Leitung dazwischen fehlt.
Gunnar Groebler, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG

Die Klimawende brauche Investitionssicherheit: "Ich kann keinem Aktionär der Welt erklären: Wir geben jetzt mal 1,4 Milliarden Euro aus, was man am Ende des Tages rum kommt - mal sehen!"

Wind und Solarenergie bereits günstiger

"Das ist schon die Reise zum Mond", sagt auch Thomas Hahn, Deutschland-Chef von Holcim, einem der größten Zementhersteller der Welt. Zwei Drittel der Emissionen werden bei der Zementproduktion im chemischen Prozess frei gesetzt.

Das gesamte CO2 könnte bei Holcim ab 2027/28 aufgefangen und mit grünem Wasserstoff aus Windkraft zu Methanol als Grundstoff für Kerosin oder Kunststoffe zu wandeln. Green-Deal hieße: Ein ganz neues Geschäftsmodell. Dass die EU hier mit einer Taxonomie sogar Finanzinvestitionen steuern will, begrüßt Hahn: "Das ist ein ganz gutes Lenkungsinstrument."

Bis 2045 will Deutschland klimaneutral sein. Bei der CO2-Reduktion spielt Wasserstoff eine entscheidende Rolle. Neue Infrastrukturen und LKW auf Wasserstoff-Basis sind bereits in der Testphase.

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Wind und Solarenergie sind heute schon günstiger als fossile Energien, die allerdings noch etwa 75 Prozent unserer Primärenergie liefern. Ohne massiven Windanlagen-Ausbau keine Klimawende. "Wir kommen mit zwei Prozent der Fläche aus auf dem gesamten Weg zur Klima-Neutralität", sagt Rainer Baake, Direktor der Stiftung Klimaneutralität.

Aber die Verfahren zur Genehmigung dürften statt vieler Jahre nur noch ein paar Monate dauern. Baake glaubt: "Deutschland wird durch die Klimawende lebenswerter sein, viel ruhiger und zugleich viel effizienter."

Vogel-Nahrung durch saubere Energie

Noch aber gibt es oft Unmut gegen den Aufbau der Windkraft, gerade bei Natur- und Vogelschützern. Der Ornithologe Marc Reichenbach testet Windanlagen mit selbstlernenden Kamera-Systemen, die Rotmilan und Seeadler erkennen und den Rotor abschalten.

Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI)

BDI-Präsident Russwurm - Wie die Klimawende gelingen kann 

Eine klimaneutrale Industrie ist eine globale Aufgabe. Deutschland hat bald die Chance, dafür zu werben- und muss derweil auf drei Feldern aktiv werden. Ein Gastbeitrag.

von Siegfried Russwurm

Die größere Gefahr für Vögel seien ohnehin andere: "Millionen von Singvögeln sterben durch Hauskatzen", so Reichenbach, zudem seien "saubere Energie und bessere Biodiversität" erst die Voraussetzung, dass die Vögel Nahrung fänden. "Wir müssen beides tun, die Natur fördern und die erneuerbaren Energien fördern."

Neue Wohnformen statt Versiegelung

Nicht nur ökologisch, auch sozial seien die Mobilität und das Bauen von heute längst nicht mehr tragfähig, glaubt die Wohnsoziologin Christine Hannemann. Statt Eigenheim-Boom und Pendlerpauschale müssten Entsiegelung und neue Wohnformen auf den Plan.

Wir können uns den Flächenverbrauch nicht mehr leisten.
Wohnsoziologin Christine Hannemann

Dieser gehe auch am Bedarf vorbei: "Wir haben überwiegend Ein- und Zwei-Personen-Haushalte, gerade in Großstädten, wo die Einsamkeit von alten Menschen, aber auch die junger Frauen um die 30 zum Problem wird." Wohnen, Leben und Arbeiten verzahnen und damit lebenswerter machen, sei das Gebot der Stunde.

Es sei physikalisch eindeutig, dass CO2 die Temperatur des Planeten erhöhe, sagt Prof. Anders Levermann vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung vor der Veröffentlichung des neuen Berichts des Weltklimarats. Die Wetter-Extreme würden weiter zunehmen.

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Der Atmosphäre CO2 entziehen

In Berlin wollen sie auf dem stillgelegten Flughafen Tegel zeigen, wie das geht. Ohne Autos, mit fußläufiger Versorgung und auch mit viel CO2-Reduktion in einem Viertel, das als größtes Holzbauprojekt der Welt Maßstäbe setzen soll.

"Wenn wir das Klima retten wollen, dann müssen wir im großen Maßstab wieder CO2 der Atmosphäre entziehen", sagt der Projekt-Geschäftsführer Philipp Boutieller. "Bäume entziehen der Luft das CO2, lagern es im Holz ein. Wir verbauen es."

Im Wahlkampf 2021 wird debattiert wird, ob der Kohleausstieg bis 2030 oder 2038 zumutbar sei. Der Green Deal könnte dagegen Deutschland und Europa schon 2030 ganz anders aussehen lassen.

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