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Facebook auf PR-Reise - Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

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Zu viel Desinformation. Zu viel Hatespeech. Undurchsichtige Algorithmen. Viel Kritik, gegen die sich Facebook nun stärker wehrt. Zu Recht?

Seit Jahren steht Facebook immer wieder in der Kritik. Das Soziale Netzwerk unternehme zu wenig gegen Hassrede und Falschinformationen. Bei einem anderen Kritikpunkt will Facebook jetzt einlenken: Nutzer sollen mehr Kontrolle über ihren Newsfeed bekommen.

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Facebook ist böse. Facebook lässt nach wie vor zu, dass Desinformation über das Netzwerk verbreitet wird. Facebook tut nicht genug gegen Hatespeech. Facebooks Algorithmen manipulieren uns.

Facebook versinkt in Kritik

Das sind - in verkürzter Kurzform - die wichtigsten Kritikpunkte, die immer wieder gegen das weltgrößte Internetnetzwerk vorgebracht werden. (Und da will ich mich selbst gar nicht ausnehmen. Auch ich habe Facebook häufig für seinen Umgang mit Hatespeech und Desinformation gescholten.

Und es gibt gute Gründe für die Kritik. Facebook hat in den vergangenen Jahren häufig zu spät reagiert, sei es auf gezielte russische Desinformationskampagnen vor der US-Wahl 2016 oder auf die zunehmende Verbreitung von QAnon-Verschwörungserzählungen.

Nick Clegg
Interview

Chef-Lobbyist Nick Clegg - Warum Facebook den Newsfeed neu erfindet 

Facebook verspricht mehr Kontrolle über den eigenen Newsfeed. Warum? Ein Gespräch über Nutzererwartungen, politischen Druck und die gesellschaftliche Rolle des Sozialen Netzwerks.

PR-Offensive des Online-Netzwerks

Es kommt nicht häufig vor, dass führende Facebook-Manager deutschen Medien Interviews geben. Nick Clegg, Facebooks Vice President of Global Affairs (vulgo: Cheflobbyist), hat sich am Mittwochabend unseren Fragen gestellt.

Der Grund ist eine PR-Offensive, die der Social-Media-Riese aus Kalifornien gerade startet, um mit aus seiner Sicht unberechtigter Kritik aufzuräumen:

Polarisierung durch Algorithmen?

Clegg meint: Stimmt nicht. "Viele Studien zeigen, dass Social Media nicht Treiber gesellschaftlicher Polarisierung ist. In den USA z.B. hat Polarisierung schon zugenommen, da gab es noch gar keine Sozialen Medien“, so Clegg im Interview. Und da hat er einen Punkt.

Clegg meint: Stimmt auch nicht. "Nur 0,08 Prozent aller Inhalte sind Hate Speech.“ - Naja, die Zahl basiert auf Facebook-eigenen Hochrechnungen. Aktivisten, die auch in den dunklen Ecken von Facebook recherchieren, berichten anderes.

In Vorbereitung auf das Interview mit Clegg habe ich mit einem Vertreter von "@Die_Insider“ telefoniert. Die Gruppe schleust Accounts in geschlossene radikale Facebook-Gruppen ein, um zu sehen, wie dort diskutiert wird. Insbesondere mit der Corona-Pandemie habe Hate Speech wieder „stark zugenommen“, berichtet der Aktivist, der lieber anonym bleiben möchte.

Das Problem bleibt also bestehen, auch wenn Facebook in der Tat in den vergangenen Jahren begonnen hat, aktiver gegen Hassrede vorzugehen und mehr Einblicke und Daten liefert.

Der Protest gegen den Umgang von Facebook mit Hassbotschaften und Fakenews hat offenbar gewirkt: Künftig werden Beiträge rigoroser gelöscht.

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Mehr Nuancen im Diskurs

Viele Streitpunkte rund um Facebook und andere Plattformen sind kompliziert. Und, wie mir Matthias C. Kettemann vom Leibniz-Institut für Medienforschung erzählt hat, hat sich daraus eine ganze Kritikbranche entwickelt. "Die Kritiker haben ein gutes Business Modell daraus gemacht, gegen das Business Modell der Plattformen zu schreiben“, sagt Kettemann. Mehr Nuancen täten den Debatten also gut.

Was nicht heißt, Facebook und Co. aus der Verantwortung zu entlassen. Noch einmal Kettemann: "Die Plattformen sind nicht per se böse. Aber zu lange haben sie zugelassen, dass ihre Entscheidungen, die sie meist aus finanziellen Interessen heraus treffen, negative Folgen für die Gesellschaft haben.“

Stephan Mündges ist Redakteur im ZDF heute journal und berichtet seit mehreren Jahren über Facebook. Er twittert unter @muendges

Tweet von Donald Trump

Facebook, Twitter und Trump - Warum der Mut der Plattformen zu spät kommt 

Nach dem Chaos in Washington sperren Facebook und Twitter die Konten des abgewählten Präsidenten Donald Trump. Warum das zu spät kommt - eine Analyse.

von Stephan Mündges
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