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Fast 51 Millionen Menschen - Rekordzahl von Vertriebenen im eigenen Land

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Konflikte, Krisen und Katastrophen treiben Millionen Menschen in die Flucht - auch in ihrem eigenen Land. Die Zahl der Binnenflüchtlinge hat nun einen neuen Höchststand erreicht.

Vertriebene Syrer in Zentralsyrien. Archivbild
Vertriebene Syrer in Zentralsyrien. Archivbild
Quelle: Ammar Safarjalani/Xinhua/dpa

Die Zahl der Binnenflüchtlinge weltweit hat nach Angaben der Beobachtungsstelle für interne Vertreibung einen neuen Höchststand erreicht. Fast 51 Millionen Menschen seien Ende 2019 in ihrem eigenen Land auf der Flucht gewesen, teilte das Beobachtungszentrum (IDMC) mit. Knapp 46 Millionen seien auf der Flucht vor Gewalt und Konflikt.

Betroffen seien 61 Länder, darunter Syrien, Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo, Afghanistan und der Jemen. Mehr als fünf Millionen flohen vor Naturkatastrophen im eigenen Land.

Über 18 Millionen Kinder unter den Vertriebenen

Das Schicksal der Menschen, die zwar aus ihren Wohnorten vertrieben aber nicht über Grenzen geflüchtet seien, werde international zu wenig beachtet, meinte Jan Egeland, Chef der Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council, zu der die Beobachtungsstelle gehört: "Wir versagen alle dabei, die gefährdetsten Menschen der Welt zu schützen", sagte er.

Politiker, Generäle und Diplomaten müssen die Stillstände überwinden und nach Waffenruhen und Friedensgesprächen streben, nicht nach Waffen und Granaten.
Jan Egeland, Chef der Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council

Unter den Ende 2019 Vertriebenen waren nach Schätzungen 18,3 Millionen Kinder unter 14 Jahren. Drei Viertel der Menschen lebten in zehn Ländern: Die meisten in Syrien, Kolumbien, Kongo, Jemen und Afghanistan. Viele Menschen konnten zwar auch wieder in ihre Heimatorte zurück, aber 33,4 Millionen Menschen wurden im vergangenen Jahr neu vertrieben, so viele wie seit 2012 nicht mehr.

Fünf Millionen von Naturkatastrophen vertrieben

Erstmals zählte die Beobachtungsstelle auch diejenigen, die vor Naturkatastrophen geflohen und bis Ende des Jahres noch nicht zurückgekehrt waren: Betroffen waren 5,1 Millionen Menschen. Darunter waren viele durch Dürre in Afghanistan und Monsunregen in Indien Vertriebene.

Die Zivilgesellschaft müsse gestärkt werden, um die Menschen widerstandsfähiger gegen Gewalt und Konflikte zu machen. Dabei müsse auch manchmal in Kauf genommen werden, mit Akteuren zusammenzuarbeiten, die nicht demokratisch legitimiert sind, sagte die deutsche Direktorin für Strategie und Forschung, Bina Desai.

Aufbau von Schulen und Krankenhäusern

"Meist ergibt sich eine Chance durch eine politische Gelegenheit, etwa einen Regierungswechsel, wie in Äthiopien", sagte sie. Auch, wenn die Zahlen es noch nicht belegten, gebe es dort und in Ländern wie Somalia, Uganda oder Afghanistan vielversprechende Ansätze, um die Zahl von intern Vertriebenen zu reduzieren.

Manchmal wollten die Vertriebenen selbst lieber in ihrer neuen Heimat integriert werden, schreibt die Beobachtungsstelle. Der Teufelskreis von Krise, humanitärer Nothilfe und neuer Krise müsse durchbrochen werden, sagte Desai. Wichtiger als der parallele Aufbau von Bildungs- und Gesundheitsstrukturen für Vertriebene sei es, die vorhandenen Schulen, Krankenhäuser und die lokale Wirtschaft zu stärken.

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