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FDP lässt Lindner nochmal davonkommen

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Parteitag in Berlin - FDP lässt Lindner nochmal davonkommen

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Beim Parteitag in Berlin hat FDP-Chef Christian Lindner die neue programmatische Ausrichtung skizziert. Der Generalsekretär, den er dafür braucht, wurde gleich mitgewählt.

Auf dem Bundesparteitag kündigte Partei-Chef Lindner an, die Liberalen wieder in die Regierung führen zu wollen. Zudem wurde Volker Wissing zum neuen Generalsekretär gewählt.

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Gleich vorweg: Christian Lindner wurde nicht gegrillt. Man hätte es vermuten können. Da war dieser eine Fehler zu viel. Erst das Nein zu Jamaika, dann ein zu spätes Nein zu einem AfD-gewählten Ministerpräsidenten Kemmerich in Thüringen und dann auch noch das Nein zu Linda Teuteberg. Die Art und Weise wie Lindner seine Kurzzeit-Generalsekretärin abberief, stieß vielen in der Partei übel auf. Wer in den Umfragen von knapp zehn auf gefährliche fünf Prozent abstürzt, wer um Sitze im Bundestag bangt, ja, um die schiere Existenz, der mag gut ein Jahr vor der Bundestagswahl reinen Tisch machen wollen.

Lindner legt den Finger in die Jamaika-Wunde

Am Ende seiner fast einstündigen Rede beim 71. Bundesparteitag der FDP in Berlin legt Lindner den Finger in die Wunde - in die eigene: Jamaika. "Das ewige Jamaika." Da ist es einen Moment mucksmäuschenstill im Berliner Estrel Congress Center. Wenn die Partei abrechnen wollte, dann jetzt. Ob man 2017 noch einmal wiederholen würde? "Ja", sagt Lindner, "aber anders". Die ersten klatschen. Linder unterbricht: "Moment, ihr wisst ja noch nicht wie." Diesmal, fährt er fort, würde er zunächst die Punkte aufzählen, wo man über Kreuz läge. Und erst nach Denkpause und Diskussion entscheiden.

Sehen Sie hier die ganze Rede von Parteichef Christian Lindner.

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Lindner ist demütig, er gesteht einen Fehler ein, das kommt bei den 560 Delegierten gut an. Als er dann auch Linda Teuteberg anspricht, seine Entscheidung erklärt und sie unter Applaus als starken Teil des Teams lobt, da ist klar: Grillen fällt aus - Lindner sitzt fest im Sattel. Die FDP braucht den Steuermann, sie hat sonst keinen.

Die aus dem Amt gedrängte Generalsekretärin Teuteberg will sich weiter in der Bundespolitik engagieren.

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Das Signal Volker Wissing

Und doch, der Wunsch der FDP, dass neben dem omnipräsenten Lindner künftig weitere Köpfe das Gesicht der FDP prägen, ist unüberhörbar. Lindner muss beides: mehr Mannschaft liefern und Platz machen auf der Bühne. Das will er auch, berichtet ein Delegierter, man sehe das auch an Volker Wissing.

Womit man bei einem der vielen Signale wäre, die dieser Parteitag aussenden will. Da wäre das Signal: Wir wagen Normalität trotz Corona. Abstand, Mundschutz, Einbahnstraßen, Desinfektion, übertragene Stimmrechte. Keine Gäste, keine Aussteller. Es geht.

Und da ist eben das Signal Volker Wissing. Wirtschaftsminister in Rheinland-Pfalz in einer rot-grün-gelbe Koalition. Er steht für vieles: Wirtschaftskompetenz, Angriffslust, Ampel. Lindner will ihn als Generalsekretär. In seiner Vorstellungsrede hebt er ab auf Gründergeist und "Wirtschaftswunder". Das ganz große Rad. Dass man dafür nicht zwingend die Union brauche, machte er schon vorher klar. Mit soliden knapp 83 Prozent wird er gewählt. Noch so ein Signal: Größere Zustimmung muss sich die Parteispitze erst verdienen.

Corona als Chance - Corona als Hürde

Dort macht Christian Lindner nochmal klar, womit er bei der nächsten Bundestagswahl "auf Sieg" spielen will: Arbeitsplätze, Bildung, Aufstiegsversprechen - Lindner macht die FDP programmatisch breiter. Tenor: Jeder, der leistungswillig ist, soll gleiche Start-Chancen haben. Insolvenzen, Konjunkturpaket, Eingriffe in Freiheitsrechte - überall könnten Liberale zudem neue Akzente setzen. Corona als Chance.

Die FDP strebt nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr eine Regierungsbeteiligung an. Wie die Partei Wähler für sich gewinnen will, erklärt ZDF-Korrespondent Ralph Schumacher.

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Allein, das auch heute gefeierte Kernthema der FDP, die Selbstbestimmtheit des freien Individuums, fällt zurzeit nicht auf fruchtbaren Boden. Die Menschen wollen derzeit den Staat, der sagt, was zu tun ist. Das muss auch Lindner eingestehen. Corona als Hürde. Und noch eines kann Lindner nicht richtig kalkulieren: Ob ihm auch die Wähler die Fehler der Vergangenheit verziehen haben, und ihn mit jener neuen FDP verbinden, die sich da heute in Berlin präsentiert hat. Neue Gesichter - sicher kein Fehler.

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