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"Deutschland ist ein Brennpunkt in Europa"

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Femizide - "Deutschland ist ein Brennpunkt in Europa"

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Während in der Türkei seit Wochen gegen Männergewalt protestiert wird, kommt es in Berlin erst heute zu einem größeren Protest. Dabei sind Femizide auch in Deutschland Alltag.

Archiv: Femen Demonstration in Paris, Frankreich, am 10.07.2020
Egal ob in Warschau, Istanbul oder wie hier in Paris: Europaweit gibt es Proteste gegen häusliche Gewalt. Und in Deutschland?
Quelle: imago

Es sind grausame Ereignisse, mit denen sich Kristina Wolff täglich beschäftigt. "Erstochen", "Vom Partner geschlagen und gewürgt", "Vom Ehemann schwerst misshandelt" schreibt sie auf schwarz-gelb gefärbte Kacheln, die sie auf Instagram veröffentlicht.

Deutschlandweit 125 getötete Frauen hat Wolff dieses Jahr schon gezählt. Die Informationen dazu bekommt sie aus Zeitungsartikeln oder Polizeimeldungen. Sie tut das, weil sie zeigen will: Wir haben ein Problem mit Gewalt gegen Frauen in Deutschland.

Femizide werden nicht vollständig von Kriminalstatistik erfasst

Laut der aktuellsten Auswertung des Bundeskriminalamts wurden im Jahr 2018 mehr als 114.000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt, Bedrohungen oder Nötigungen durch ihren Partner oder Ex-Partner. 122 Frauen wurden in dem Jahr von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet.

Die Zahlen sind erdrückend und dennoch ist Wolff der Ansicht, dass sie nicht die ganze Dimension abbilden. "Die Kriminalstatistik erfasst nicht die Femizide, die deutsche Staatsbürger im Ausland begehen und berücksichtigt auch nicht die Motivation, das Tatwerkzeug oder die Kinder, die betroffen sind", sagt Wolff. Deshalb arbeitet sie an einer eigenen Datenbank über Gewalt gegen Frauen.

Ein Mann erhebt die Faust gegen ein auf einem Sofa kauerndes Mädchen (Symbolbild).

Nicht nur in Corona-Zeiten -
Die tägliche Gewalt gegen Frauen und Kinder
 

Ein Drittel aller Frauen macht in ihrem Leben Erfahrungen mit häuslicher Gewalt, die Corona-Krise hat das Problem verschärft. Dunja Hayali hat in Hamburg ein Frauenhaus besucht.

von Dunja Hayali

Gewalt an Frauen: Kaum Demos auf deutschen Straßen

Während in Polen und der Türkei seit Wochen gegen Gewalt an Frauen protestiert wird, ist es auf deutschen Straßen vergleichsweise ruhig geblieben. Zu einer von Wolff angemeldeten Demonstration in Berlin am Samstag wollen etwa 75 Teilnehmerinnen kommen.

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Dabei gibt es auch hierzulande Kritik an der Umseztung der Istanbul-Konvention, die häusliche Gewalt bekämpfen soll. Sie laufe "extrem schleppend", sagt Vanessa Bell von der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes.

Franziska Giffey (SPD) hat zwar als zuständige Ministerin Kampagnen, wie "Stärker als Gewalt" ins Leben gerufen und investiert in den Bau oder die Renovierung von Frauenhäusern. Doch wurden noch nicht alle Verpflichtungen die aus dem Istanbul-Abkommen hervorgehen umgesetzt.

Die Istanbul-Konvention

Demo soll Druck auf Politik erhöhen

Mit der Demonstration wollen die Teilnehmerinnen den Druck auf die Politik erhöhen. "Deutschland ist ein Brennpunkt in Europa, was Gewalt gegen Frauen angeht", sagt Wolff mit Blick auf die Fallzahlen. Doch es sei eben leichter, mit dem erhobenen Zeigefinger auf andere zu zeigen, als vor seiner eigenen Haustür zu kehren, sagt sie.

Einen Grund für die fehlende Aufmerksamkeit hierzulande sehen Frauenrechtlerinnen darin, dass die Tatmotive der Männer oft individualisiert werden. "Wir müssen diese Morde endlich als das strukturelle Problem erkennen, das sie sind", sagt Vanessa Bell. "Doch davor verschließen viele gerne die Augen."

Kristina Wolff möchte Augen öffnen. Sie hat neben dem Instagram-Kanal im vergangenen Jahr auch eine Petition gestartet, die die zuständigen Bundesministerinnen Lambrecht und Giffey dazu auffordert, die Istanbul-Konvention konsequenter umzusetzen. Mehr als 84.800 Menschen haben sie bisher unterschrieben. Ein Enddatum der Petition gibt es nicht. "Der Erfolg wäre das Ende", sagt Wolff.

Gewalt gegen Frauen in Türkei -
Gewalt gegen Frauen in Türkei
 

Die Frauenrechtlerin Fidan Ataselim prangert im ZDFheute-Interview die weit verbreitete Gewalt gegen Frauen in der Türkei an und fordert eine strengere Auslegung der Gesetze.

Videolänge:
2 min
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