Sie sind hier:

Nach Corona-Ausbruch - Heil: Tönnies soll für Schäden haften

Datum:

Die Firma Tönnies soll die Kosten für den Corona-Ausbruch in ihrem Werk selbst tragen. Das fordert Arbeitsminister Heil. Grünen-Fraktionschef Hofreiter geht noch weiter.

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies soll geprüft werden, ob der Konzern für Schäden haften kann. Arbeitsminister Heil will nun Fehlentwicklungen in der Branche beseitigen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Die Debatte um eine bessere Tierhaltung und ein Ende des Preiskampfes bei vielen Lebensmitteln nimmt Fahrt auf. Nach dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies haben mehrere Politiker scharfe Kritik an dem Unternehmen und der Fleischindustrie allgemein geübt und ein hartes Umdenken in der Schlachtbranche gefordert.

Heil: Tönnies soll für Schäden haften

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sagte im "Bild"-Talk, sein Vertrauen in die Firma Tönnies sei "gleich Null". Nach Ansicht von Heil wird Tönnies für durch den Coronavirus-Ausbruch im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück entstandene Schäden haften müssen. "Es muss eine zivilrechtliche Haftung des Unternehmens geben".

Wer durch Regelverstöße die Verbreitung des Coronavirus auslöst, muss dafür auch haften.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil

Corona sei "wie ein Brennglas", sagte Heil. "Das heißt, wir sehen Dinge, die vorher schon nicht in Ordnung waren, jetzt sehr, sehr deutlich. Die Ausbeutung von Menschen aus Mittel- und Osteuropa, die da offensichtlich stattgefunden hat, wird jetzt in der Pandemie ein allgemeines Gesundheitsrisiko mit erheblichem Schaden."

Fleisch in der Supermarkt-Theke. Archivbild

Nach Corona-Ausbruch bei Tönnies - Was ist das "Grundübel" der Fleischindustrie? 

Für Bundesarbeitsminister Heil sind die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie das "Grundübel" der Branche. Doch sie sind nicht das einzige Problem.

von Jan Schneider

Tönnies: Konzern steht in voller Verantwortung

Der Chef des Fleischkonzerns, Clemens Tönnies, hatte sich öffentlich für den Ausbruch des Erregers unter Mitarbeitern seines Betriebs entschuldigt. Der Konzern stehe in "voller Verantwortung", sagte er. In seiner Fleischfabrik im westfälischen Rheda-Wiedenbrück waren mehr als 1.300 Arbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter appellierte an den Unternehmenschef, die durch den Virus-Ausbruch entstandenen Kosten aus seinem Privatvermögen zu bestreiten. Wenn Tönnies seine Entschuldigung ernst meine, "würde er die Kosten aus seinem Privatvermögen tilgen - nicht aus dem Firmen-Vermögen", sagte Hofreiter im "Bild"-Talk.

Walter-Borjans: Fleischpreise erhöhen

Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans hat die Arbeitsbedingungen in der Schlachtbranche ebenfalls scharf kritisiert und höhere Fleischpreise gerechtfertigt. "Die Fleischindustrie hat ein System aufgebaut, in dem Arbeitskräfte wie Glieder einer Lieferkette behandelt werden: Alles muss möglichst billig sein", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

"Fleisch ist ein Produkt, das mit hohem Einsatz an Energie und anderen Rohstoffen entsteht. Wert und Preis stehen oft in einem krassen Missverhältnis", sagte Walter-Borjans.

Der Fall Tönnies zeigt, wie wenig Beachtung der Frage geschenkt wird, wie Nahrung - immerhin unsere wichtigste Lebensgrundlage - produziert wird.
Norbert Walter-Borjans, SPD-Vorsitzender

Die Politik habe die Aufgabe, gute Arbeitsbedingungen und artgerechte Tierhaltung zu gewährleisten. "Natürlich verteuert das die Produkte", sagte Walter-Borjans. "Deshalb gehört zur Lösung dazu, dass Klein- und Mittelverdienende mehr Geld in der Tasche haben - durch faire Löhne und ein gerechtes Steuersystem."

Die Weltbevölkerung wächst - und mit ihr der Druck, billige Nahrungsmittel bereitzustellen. Unerbittliche Produktivität in der industrialisierten Landwirtschaft ist die Folge.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.