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Flüchtlinge in Griechenland - Die Wut vieler Insel-Griechen wächst

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Bürgerwehren, Angriffe auf Hilfskräfte und überschwänglicher Patriotismus. Die Flüchtlingskrise an der türkischen Grenze heizt in Griechenland die Stimmung gegen Migranten an.

Mitglieder der kommunistischen Gewerkschaft Pame demonstrieren gegen die Eröffnung weiterer Flüchtlingslager auf Lesbos am 27.02.2020
Mitglieder der kommunistischen Gewerkschaft Pame protestieren auf Lesbos gegen den Bau neuer Flüchtlingsheime.
Quelle: dpa

Der Streit um den Umgang mit den steigenden Flüchtlingszahlen im Osten Griechenlands eskaliert. Griechische Sicherheitskräfte und Bürgerwehren machen Jagd auf illegale Einwanderer, drängen Migranten mit Tränengas zurück in Richtung Türkei. Nachdem der türkische Präsident Erdogan die Grenze medienwirksam für geöffnet erklärt hatte, versuchen Tausende verzweifelt in den griechischen Grenzbezirk Evros zu gelangen.

Angesichts dieser Krise erlebt Griechenland eine Welle des Nationalismus. Unter den Hashtags #GreeceDefendsEurope oder #IStandWithGreece versammeln sich griechische Internetnutzer, um ihrem Frust über Flüchtlinge Luft zu machen. Gleichzeitig haben mehrere Hilfsorganisationen in Reaktion auf rechtsextremistische Angriffe ihre Arbeit auf der Insel Lesbos eingestellt.

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Die Stimmung auf den griechischen Inseln schon länger schlecht

Die öffentliche Meinung zu Flüchtlingen verschiebt sich in Griechenland schon seit Längerem. Vor allem auf den fünf Ägais-Inseln Lesbos, Samos, Chios, Leros und Kos fühlten sich Anwohner allein gelassen von ihrer Regierung wie von der Europäischen Union. "Auf den Inseln ist die Lage untragbar geworden", erklärt Henri-Giscard Bohnet, Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Athen.

Hoffnungen der betroffenen Gemeinden haben sich nicht bewahrheitet, dass die meisten Flüchtlinge, die auf den griechischen Inseln anlanden, schnell in andere Lager auf dem Festland oder sogar ganz weg aus Griechenland gebracht werden.

Enteignungen für neue Flüchtlingslager geplant

Stattdessen sollen auf den Inseln neue Einrichtungen gebaut werden. Um dafür Platz zu schaffen, plant die Regierung Anwohner zu enteignen. Dagegen protestieren Bewohner seit mehreren Monaten:

Diese Enteignungen schüren die Wut vieler Anwohner und inzwischen haben sich auch viele Bürgermeister ungeachtet ihrer Parteizugehörigkeit auf Seiten der Proteste und gegen die Pläne der Regierung positioniert.
Henri-Giscard Bohnet, Konrad-Adenauer-Stiftung

Die Sorge der Inselbewohner gilt auch dem Tourismus, einer ihrer wichtigsten Einnahmequellen. Die Flüchtlinge sollen darum möglichst versteckt, fernab der idyllischen Dörfer untergebracht werden. Der Regierung in Athen glauben sie nicht mehr, dass sie die noch für ihre Interessen einsteht. "Es ist ein Konflikt zwischen den urbanen Zentren und den Menschen in der Peripherie", so der Athener KAS-Direktor.

Hilfsorganisationen agieren nur noch vorsichtig

Die Organisationen, die sich um die Versorgung der Flüchtlinge auf den Inseln kümmern, hängen ihre Arbeit darum auch nicht an die große Glocke. Zu groß sei die Angst vor Anfeindung durch Anwohner. "Die NGOs haben ein sehr schlechtes Image. Die Menschen glauben, sie wollten sich nur bereichern", sagt Bohnet.

Inzwischen müssten neu angekommene Migranten sogar in den Hafenarealen verbleiben, da Anwohner die Straßen blockierten, sobald Menschen in die offiziellen Auffanglager verlegt werden sollen - die zudem bereits völlig überfüllt sind. "Diese Bürgerwehren bilden sich lokal, über die Inseln hinaus gibt es noch keine Vernetzung", so die Beobachtung des KAS-Experten. Die Proteste seien Zeichen der Verzweiflung und nicht zentral gesteuert.

Bohnet: "Schub an Patriotismus geht über Parteigrenzen hinweg"

Ob daraus eine neue rassistische, ausländerfeindliche politische Bewegung entstehen kann, ist noch nicht klar. "Bisher kann keine der Parteien die Ereignisse wirklich für sich instrumentalisieren", so Bohnet. Die rechtsextreme Goldene Morgenröte habe sich durch eine Reihe von Gerichtsprozessen in den Augen vieler Menschen selbst diskreditiert und könne aktuell kaum mobilisieren.

Teile der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia seien für ein härteres Vorgehen gegen Flüchtlinge und die Türkei, sagt Bohnet. Ein Grund dafür ist auch die historische Rivalität zwischen Griechenland und der Türkei, die von Nationalisten auf beiden Seiten immer wieder ausgenutzt wird.

"Wann immer die Türkei eine Maßnahme trifft, die Griechenland betrifft, ist das sofort die Topmeldung hier. Der Schub an Patriotismus und für mehr Grenzschutz geht gerade auch über Parteigrenzen hinweg." Die Wut vieler Griechen richtet sich also gleichermaßen gegen Flüchtlinge wie auch gegen den Nachbarn Türkei, den sie für die Eskalation verantwortlich machen.

Was sich bislang in der europäischen Flüchtlingspolitik getan hat:

Flüchtlinge an der türkisch-griechischen Grenze in der Nähe von Kastanies, Griechenland.

Nach Vorgehen der Türkei - Droht eine neue Flüchtlingskrise? 

Die Bilder erinnern an die Szenen vor fünf Jahren: Flüchtlinge, die versuchen, in die EU zu gelangen. Was hat sich seit 2015 geändert? Fragen und Antworten im Überblick.

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