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Elend in Syrien - Flüchtlinge: "Wir leben am Abgrund"

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Kälte, Hunger und Krankheiten setzen den Menschen in Flüchtlingslagern im Nordwesten Syriens zu. ZDFheute hat mit Geflüchteten über ihren täglichen Überlebenskampf gesprochen.

Amal Khair Allah
Amal Khair Allah hat fast alles verloren: Mit ihren drei kleinen Kindern kämmpft sie in einem dünnen Zelt gegen den syrischen Winter.
Quelle: Ahmed Qure - Ihsan

Amal Khair Allah hat in zehn Jahren Krieg fast alles verloren: ihr Hab und Gut, ihre Heimat, ihren Mann. Geblieben sind der jungen Syrerin drei kleine Kinder; die letzten Funken Hoffnung in ihrem Leben, wie sie sagt.

Draußen Eiseskälte, im Zelt bleibt der Ofen aus

Sie leben in einem der vielen Flüchtlingslager im Nordwesten Syriens. Vor der Eiseskälte schützt sie nur eine dünne Zeltplane. Im Blechofen brennt kein Feuer. Heizmaterial ist Mangelware. Ebenso wie ausreichend warme Kleidung und Nahrung.

Wenn die Kinder krank werden, kann ich ihnen keine Medizin kaufen, kann sie zu keinem Arzt bringen. Sobald die Sonne untergeht, liegen wir eng aneinander geschmiegt im Dunkeln. Wir haben nicht einmal eine Kerze.
Amal Khair Allah

Kein sicherer Zufluchtsort, nirgends

Amal Khair Allah teilt ihr Schicksal mit Millionen syrischer Binnenflüchtlinge. Wegen immer wieder aufflammender Kämpfe mussten viele von ihnen bereits mehrfach vermeintlich sichere Zufluchtsorte wieder verlassen.

"Die humanitäre Lage in Syrien ist weiterhin katastrophal - 11,1 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Über neun Millionen Menschen wissen nicht, wie sie sich ernähren sollen", heißt es in einem aktuellen Bericht der Welthungerhilfe.

Elendscamps überall auf freiem Feld

Die Deutschen leisten gemeinsam mit ihrer syrischen Partnerorganisation Ihsan Nothilfe im Nordwesten Syriens; sie unterstützen fast 40.000 Geflüchtete unter anderem mit Gutscheinen für Nahrung, Kleidung und Heizmaterial. "Allerdings reicht die Hilfe bei weitem nicht aus", sagt Konstantin Witschel, Programmkoordinator der Welthungerhilfe, im ZDFheute-Interview.

Denn allein seit Dezember 2019 sind eine Million Menschen aufgrund von Kämpfen ins Grenzgebiet zur Türkei geflüchtet. Mitarbeiter der Hilfsorganisationen beschreiben die Camps im Nordwesten Syriens als "hoffnungslos überfüllt". Überall befänden sich auch auf freiem Feld Elendscamps.

Hassan Akkad lebt in London, Rami Araban in Bonn. Beide sind aus Syrien geflohen und haben sich ein neues Leben aufgebaut. In der Corona-Krise setzen sie sich für ihre Mitmenschen ein, während Verwandte und Freunde in Syrien kaum Hoffnung auf Hilfe haben.

Beitragslänge:
4 min
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Lebensmittelpreise in Syrien sind explodiert

Für unzählige Geflüchtete seien die Lebensumstände "anhaltend katastrophal", so Witschel. Ein Ende des Konflikts in Syrien ist auch nach zehn Jahren nicht absehbar. Verschlimmert wird die Lage durch eine schwere Wirtschaftskrise.

[Das gesamte Interview mit Konstantin Witschel lesen Sie hier.]

Die syrische Lira hat extrem an Wert verloren. Die Lebensmittelpreise haben sich innerhalb von sechs Monaten in etwa verdoppelt. Ein Laib Brot ist für viele Geflüchtete beinahe unbezahlbar geworden. Gleiches gilt für Hygieneartikel und Brennstoff zum Kochen.

Familienvater: "Wir leben am Abgrund"

Der Familienvater Abdo Al-Shari sucht verzweifelt nach einem "Brotjob", wie er sagt: "Aber es gibt nichts. Wir leben am Abgrund." Für ihn sei es herzzerreißend, wenn ihn seine kleine Tochter manchmal um ein Stück Schokolade bitte und er nicht einmal wisse, wie er sie mit Brot versorgen könne.

Abdo Al-Shahri mit seiner Tochter
Sie bittet um Schokolade und er hat nicht einmal Brot für sie: Abdo Al-Shahri mit seiner Tochter.
Quelle: Ahmed Qure - Ihsan

Gleichzeitig fühlt Al-Shari ein wenig Glück im Unglück: Immerhin erhält seine Familie Nothilfe. "Andere Heimatvertriebene haben gar nichts und laufen völlig elend herum", sagt Al-Shari.

Sein größter Wunsch:

Dass wir an einem freien Ort leben können. Dass wir warme, saubere Kleidung haben, wir uns satt essen und die Kinder wieder zur Schule gehen können.
Abdo Al-Shari

Die Jugend hofft, die Alten schweigen über ihren Schmerz

Taha Khaled ist mit seiner Familie seit sieben Jahren auf der Flucht. Gerade, so sagt er, habe er die neunte Klasse abgeschlossen. Der junge Mann träumt davon, Krankenpfleger zu werden. "Und später vielleicht sogar Medizin studieren und Arzt werden - an dieser Hoffnung halte ich mich aufrecht", sagt Khaled.

Nora Mahnoud mit ihren Kindern
Auch Nora Mahnoud muss ihre große Familie alleine durchbringen.
Quelle: Ahmed Qure - Ihsan

Einen Arzt könnte Nora Mahnoud heute schon sehr gut gebrauchen, erzählt die mehrfache Mutter und Großmutter. Der Rücken tut ihr höllisch weh. Von dem Schmerz in ihrer Brust spricht sie nicht. Ihr Mann ist im Krieg umgekommen.

Wenn Mahnoud einen Wunsch hätte, so sagt sie:

Dann einfach in Frieden zu leben, die ganze Familie wiedervereint. Noch sind wir getrennt, durch die Flucht in alle Winde verstreut.
Nora Mahnoud
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