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EKD: "Das wird nicht reichen"

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Flüchtlinge aus Griechenland - EKD: "Das wird nicht reichen"

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247 Kinder will die Bundesregierung aus den griechischen Flüchtlingslagern nach Deutschland holen. Das ist gut, sagt der EKD-Bevollmächtigte Martin Dutzmann - aber es reicht nicht.

Die überfüllten Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln müssen evakuiert werden. Das fordert Martin Dutzmann, Bevollmächtigter der Evangelischen Kirche in Deutschland.

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ZDFheute: Nach wochenlangem Hin und Her sollen jetzt Ende Juni 247 kranke Kinder aus Griechenland und 80 Bootsflüchtlinge nach Deutschland kommen. Hat Sie das überrascht?

Martin Dutzmann: Wir waren ebenso überrascht wie erfreut. Denn wir haben seit Wochen nach der Einreise der 47 Kinder im April gesagt, es muss weitergehen. Es geht jetzt weiter, insofern freuen wir uns über die Entscheidung. Es kommt aber ein Aber hinterher.

ZDFheute: Welches?

Dutzmann: Das Aber heißt: Angesichts der großen Zahlen von Geflüchteten in den Hotspots in Griechenland wird das nicht reichen. Da wird noch mehr notwendig sein.

ZDFheute: Die Bundesregierung hatte die Aufnahme von 500 der 1.600 Geflüchteten, die die ganze Europäische Union zugesagt hatte, versprochen. Im Lager Moria auf Lesbos sind aber 17.000, 18.000 Menschen unter den schlechtesten Bedingungen.

Dutzmann: In den griechischen Hotspots insgesamt leben zurzeit 30.000 Menschen. In Lagern, die für 6.000 Menschen ausgelegt sind. Also mehrere hundert Prozent zu viel. Diese Lager müssen evakuiert werden. Wir können von Glück sagen, dass die Covid-19-Pandemie die Lager noch nicht erreicht hat. Ich war Ende Februar dort und habe gesehen, in welcher Enge die Menschen leben. Menschen, die in besonderer Weise vulnerabel sind. Das kann so nicht bleiben.

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ZDFheute: Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass nun tatsächlich etwas passiert. Jeder weiß, wie schrecklich die Zustände dort sind. Die Bundesregierung weiß das, die EU auch.

Dutzmann: Aber was wir heute erleben, sind erste Zeichen, dass etwas geschieht. Insofern hoffen wir sehr, dass das weitergeht. Jedenfalls werden wir die Hoffnung nicht aufgeben.

ZDFheute: Wie sehr hat es Ihnen den Magen rumgedreht, dass seit Ihrem Besuch im Februar nichts passiert ist.

Dutzmann: Mir hat es zunächst einmal bei dem Besuch selbst den Magen rumgedreht.

Wie kann es sein, dass auf europäischem Boden Menschen, ja, man kann noch nicht einmal sagen untergebracht, sondern einfach gelassen werden.

Ich denke sehr viel daran. Weil ich Gesichter vor Augen haben, mit Menschen gesprochen habe, eine interessante Schulinitiative kennengelernt habe und mich frage, was daraus geworden ist. Das treibt mich schon sehr um.

ZDFheute: Haben Sie eine Antwort auf die Fragen gefunden?

Dutzmann: Nein.

ZDFheute: Am 1. Juli übernimmt Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft, die Reform des EU-Asylrechts soll ein Schwerpunkt sein. Was muss da passieren?

Dutzmann: Es muss sehr viel passieren. Die Menschen, die aus Seenot gerettet wurden, müssen gerecht auf die EU-Mitgliedstaaten verteilt werden, da muss es einen Mechanismus geben. Aber es muss auch sichergestellt werden, dass ein Mensch in einem europäischen Staat nicht anders als in einem anderen behandelt wird. Das ist etwas, was wir seit langer Zeit anmahnen. Da hoffen wir sehr auf die EU-Ratspräsidentschaft.

ZDFheute: Und die legalen Wege nach Europa sind keine mehr?

Dutzmann: Doch, selbstverständlich. Wir müssen verhindern, dass sich Menschen auf See oder in der Wüste in Lebensgefahr begeben, deswegen muss es legale Wege geben.

ZDFheute: Die EKD hat ja deswegen initiiert, ein eigenes Schiff zur Seenotrettung zu chartern, das nicht von der neuen Beschränkung aus dem Bundesverkehrsministerium betroffen ist. Wie weit sind Sie damit?

Dutzmann: Das Schiff liegt zurzeit in Spanien und wird überholt, damit es für Rettungszwecke tauglich ist. Das hat sich nun durch die Corona-Krise verzögert. Aber die Arbeiten sind wieder aufgenommen worden. Und wir gehen davon aus, dass das Schiff im Juli seinen Dienst aufnehmen wird.

Das Interview führte Kristina Hofmann.

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