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Flugzeugabsturz bei Teheran - USA und Kanada gehen von Abschuss durch Rakete aus

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Nach dem Flugzeugabsturz bei Teheran gehen die USA, Kanada und Großbritannien von einem - möglicherweise versehentlichen - Abschuss durch eine Rakete aus. Der Iran bestreitet das.

Nach dem Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs bei Teheran geht auch Kanada von einem Abschuss durch den Iran aus. "Wir haben Geheimdienstinformationen von mehreren Quellen von unseren Alliierten und eigene Informationen. Diese Informationen deuten darauf hin, dass das Flugzeug von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde", sagte Ministerpräsident Justin Trudeau am Donnerstag in einer TV-Ansprache. Dies könne durchaus versehentlich geschehen sein.

Bei dem Vorfall inmitten des bewaffneten Konflikts zwischen dem Iran und den USA waren am Mittwoch mehr als 170 Menschen ums Leben gekommen - darunter 63 Kanadier. Vor Trudeaus Ansprache hatten US-Medien berichtet, dass die Boeing-Maschine von einer iranischen Flugabwehrrakete getroffen worden sein könnte. US-Regierungsbeamte hielten dies für hoch wahrscheinlich, berichtete der TV-Sender CBS und berief sich auf namentlich nicht genannte Quellen.

Medien: Iranisches Luftabwehrsystem könnte aktiv gewesen sein

Das Nachrichtenmagazin "Newsweek" berichtete unter Berufung auf zwei Pentagon-Mitarbeiter, dies sei wohl versehentlich geschehen. Die Annahme sei, dass das iranische Luftabwehrsystem aktiv gewesen sein könnte, nachdem am Mittwoch vom Iran aus Raketen auf US-Militärstützpunkte im Irak abgefeuert worden waren, berichtete "Newsweek".

Der Iran hatte zuvor Spekulationen über einen Abschuss bereits zurückgewiesen. CBS berichtete, US-Geheimdienste hätten Signale von einem Radar empfangen, das eingeschaltet worden sei. US-Satelliten hätten außerdem den Start von zwei Boden-Luft-Raketen kurz vor der Explosion des Flugzeugs entdeckt.

"New York Times" veröffentlicht Video

Die "New York Times" veröffentlichte am Donnerstag ein Video, das angeblich den Moment zeigt, in dem das Flugzeug getroffen wird. Die Zeitung hat nach eigenen Angaben die Echtheit des Materials geprüft. Demnach zeigt es das Flugzeug über dem Vorort Parand nahe Teherans Flughafen. Weitere Videos lägen ihnen vor, so die "New York Times" weiter. Diese bestätigten die Erkenntnisse aus dem veröffentlichten Material ebenfalls.

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Der Sender CNN meldete unter Berufung auf mehrere US-Behördenvertreter, man gehe zunehmend von einem versehentlichen Abschuss durch den Iran aus. Dieser "Arbeitstheorie" lägen die Analyse von Satelliten-, Radar- und anderen elektronischen Daten zugrunde, die routinemäßig vom Militär und den Geheimdiensten der USA gesammelt würden.

Trump: "Es ist eine tragische Angelegenheit"

US-Präsident Donald Trump heizte Mutmaßungen über die Absturzursache der Maschine unterdessen an. "Ich habe meinen Verdacht", sagte Trump am Donnerstag im Weißen Haus. "Ich will das nicht sagen, weil andere Menschen auch diesen Verdacht haben. Es ist eine tragische Angelegenheit." Trump sagte weiter: "Jemand könnte einen Fehler gemacht haben." Auf die Frage, ob die Maschine aus Versehen abgeschossen worden sein könnte, sagte er allerdings: "Das weiß ich wirklich nicht."

Der Iran reagierte umgehend: Die Behörden bekräftigten am Donnerstag, dass eine technische Ursache zu der Katastrophe geführt habe. "Wegen eines technischen Defekts hat die Maschine Feuer gefangen, und dies führte zum Absturz", sagte Verkehrs- und Transportminister Mohammed Eslami der Nachrichtenagentur Isna. Spekulationen über einen "verdächtigen" Absturz und Gerüchte über einen Abschuss der Boeing 737 oder eine Terroroperation seien alle falsch. Wie er zu diesen Erkenntnissen kam, sagte Eslami nicht.

Der Chef der zivilen Luftfahrtbehörde, Ali Abedsadeh, sagte Isna zufolge, bei der US-Darstellung handele es sich um "unlogische Gerüchte". "Wissenschaftlich gesehen ist es unmöglich, dass eine Rakete die ukrainische Maschine getroffen hat." Ein Regierungssprecher sagte später im staatlichen Fernsehen, Vertreter der Länder von Absturzopfern seien im Iran willkommen und Boeing solle sich an der Auswertung des Flugschreibers beteiligen. Das Außenministerium forderte Kanada laut der Agentur Irna auf, seine Informationen über den Absturz nach Teheran weiterzuleiten.

Ukraine schließt Raketenangriff nicht aus

Die Ukraine schließt hingegen einen Raketenangriff oder einen Terroranschlag als Ursache nicht aus. Kiew schickte eigene Experten in den Iran. Der Leiter der iranischen Luftfahrtbehörde bezeichnete einen Abschuss der Passagiermaschine als "wissenschaftlich unmöglich" und wies entsprechende Spekulationen als "unlogisch" zurück. "Die Behauptung, dass die Maschine von einem iranischen Raketenabwehrsystem getroffen worden sei, kann ganz und gar nicht stimmen, weil zur selben Zeit des Absturzes mehrere andere Maschinen im iranischen Luftraum unterwegs waren", sagte Ali Abedsadeh laut Nachrichtenagentur Fars. 

Im Iran gebe es zwischen der militärischen und zivilen Luftfahrtbehörde eine einwandfreie Koordination. Die Ermittler wollen nun den kurzen Flug rekonstruieren. In einem am Donnerstag veröffentlichten vorläufigen Bericht der iranischen Luftfahrtbehörde heißt es, die Maschine habe versucht, zurück zum Flughafen zu fliegen. Augenzeugen hätten berichtet, die Maschine habe gebrannt. Als sie am Boden aufschlug, sei sie explodiert - wohl weil das Flugzeug große Mengen Kerosin getankt hatte.

Experten hoffen auf Blackboxen

Die Experten erhoffen sich mehr Informationen durch die Auswertung der beiden Blackboxen mit den Flugdaten. Die Boxen enthalten die Flugdatenschreiber und einen Stimmenrekorder mit Aufnahmen der Gespräche im Cockpit. Diese sollten nach gründlichen Untersuchungen an die Ukraine übergeben werden, kündigte die Luftfahrtbehörde an. Die Geräte seien aber beschädigt worden. Kurz vor dem Absturz habe auch kein Funkkontakt mehr zu den Piloten bestanden.

Kiew zog vier Versionen in Betracht: Alexej Danilow vom ukrainischen Sicherheitsrat schrieb auf Facebook, es sei möglich, dass die Maschine von einer Rakete des russischen Typs "Tor" getroffen worden sei. Deshalb seien Experten an der Untersuchung beteiligt, die bereits 2014 beim Abschuss des malaysischen Fluges MH17 durch eine Flugabwehrrakete über der Ostukraine ermittelt hätten. Geprüft werden auch ein Zusammenstoß mit einem Flugobjekt wie etwa einer Drohne, ein Triebwerksschaden und ein Terroranschlag.

Tag der Trauer in der Ukraine

Die Ukrainer gedachten am Donnerstag der 176 Todesopfer. Präsident Wolodymyr Selenskyj rief einen Tag der Trauer aus. Die Fahnen wehten auf halbmast. In den Fernsehprogrammen und im Radio sollte auf Unterhaltungsformate verzichtet werden. Am Kiewer Flughafen Boryspil legten viele Menschen Blumen nieder. Dort hätte die Maschine eigentlich am Mittwochmorgen gegen 8.00 Uhr Ortszeit landen sollen.

Aufgrund des Konflikts im Nahen Osten sollen Flüge im irakischen Luftraum aus Sicht der europäischen Flugaufsicht (EASA) vermieden werden. Das sei eine Schutzmaßnahme, teilte die EASA auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Zudem haben den Angaben der EASA zufolge bereits manche europäischen Fluggesellschaften ihre Routen angepasst.

Die Lufthansa bestätigte dem ZDF, dass der Flug LH600 auf dem Weg von Frankfurt nach Teheran nach rund einer Stunde Flugzeit rein vorsorglich nach Frankfurt zurückkehrt sei. Hintergrund ist eine" veränderte Einschätzung der Sicherheitslage für den Luftraum rund um den Flughafen in Teheran".

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