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Nach der Flutkatastrophe - Wie der Wiederaufbau im Ahrtal vorangeht

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Sechs Wochen nach der Katastrophe wird an der Ahr geräumt, repariert und renoviert. Aus dem Fluthilfefonds sollen Milliarden an Privatleute, Unternehmen und Kommunen fließen.

In einem bewegenden Gottesdienst im Aachener Dom wurde heute der Opfer der verheerenden Flutkatastrophe gedacht. Bundespräsident Steinmeier sprach den Hinterbliebenen sein tiefes Beileid aus. Und mahnte Entschlossenheit an im Kampf gegen den Klimawandel.

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Bürgermeister Jürgen Schwarzmann steht in Hönningen an der Ahr und betrachtet die Bauarbeiten an der Uferbefestigung. Die weggespülte Straße soll hier wieder entstehen.

Rund 750.000 Euro veranschlagt der CDU-Kommunalpolitiker dafür, für einige hundert Meter. Geld, das zum Großteil aus dem Fluthilfefonds von Bund und Ländern kommen soll. Wann, ist noch ungewiss.

Die stark beschädigte Umgehungsstrasse in Hönningen
Der Wiederaufbau der stark beschädigten Umgehungsstraße in Hönningen soll aus dem Fluthilfefonds finanziert werden.
Quelle: imago

Sie hätten noch Glück gehabt, sagt Schwarzmann. Zwar sind 110 Häuser beschädigt, eine Brücke, Sportplatz, Kindergarten und Uferpromenade kaputt – aber niemand kam körperlich zu Schaden. Mit viel ehrenamtlicher Hilfe wurde die Infrastruktur hier wieder notdürftig hergestellt. Jetzt sollte der Wiederaufbau vernünftig geplant werden, findet Jürgen Schwarzmann:

Es ist ganz wichtig, dass man dieses kleinteilige Denken ablegt. Wir fangen ja ganz neu an. Da kann nicht jede Gemeinde oder Gebietskörperschaft nur an sich denken. Wir müssen das als Gesamtes sehen.
Jürgen Schwarzmann, Bürgermeister in Hönningen

Der Bundestag hat 30 Milliarden Euro für die Flutregionen beschlossen. Im schwer zerstörten Ahrtal warten die Menschen dringend auf diese Hilfe. Hier werden neue Konzepte gesucht, um künftig besser mit der Hochwassergefahr zu leben.

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Winzer muss alles neu aufbauen

Dernau, einige Kilometer flussabwärts, hat es schlimmer erwischt. Viel schlimmer. Die bekannte Weinbaugemeinde beklagt viele Tote. Und immense Zerstörung. Rund 90 Prozent aller Häuser sind hier von der Flut beschädigt worden. Auch der Winzerhof der Familie Gilles. Weinkeller, Lagerhalle, Gaststätte, Pensionszimmer – "alles abgesoffen", wie Betriebsleiter Benno Gilles es ausdrückt. Meterhoch bis in den zweiten Stock stand die braune Brühe.

Zurzeit wohnt er mit seiner Frau in einer Ferienwohnung von Bekannten, zwangsweise ausquartiert, wie so viele andere im Ahrtal auch. Sein Anwesen, seit Generationen im Familienbesitz, will er wieder aufbauen: "Aufgeben ist keine Option", sagt der 56jährige Winzermeister, "wenn die Gesundheit mitspielt." Frühestens Anfang des kommenden Jahres rechnet Gilles mit seinem Wiedereinzug, aber nur, wenn alles perfekt läuft.

Müllproblem im Ahrtal.

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Notbrücken errichtet, Häuser abgerissen

Nicht alle sind so positiv eingestellt. Hans-Georg Marner kennt Menschen, die das alles nicht noch einmal miterleben wollen. "Die kehren Dernau endgültig den Rücken", weiß der Ortsansässige.

Einen Überblick zu bekommen über den Stand der Arbeiten im 85 Flusskilometer langen Tal ist nicht einfach. Stark beschädigte Häuser sind mittlerweile abgerissen, viele der meterhohen, mit Öl verseuchten und Schlamm überzogenen Müllberge abtransportiert und Notbrücken errichtet. Kosten allein dieser Arbeiten in Rheinland-Pfalz: eine halbe Milliarde Euro.

Bezogen auf das gesamte Ahrtal lägen die Schäden im "mittleren einstelligen Milliardenbereich", so Andreas Geron, Bürgermeister in Sinzig, zu den Flutschäden.

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Unklarheit über die Verteilung der Hilfsgelder

Noch immer sind Bundeswehr, Deutsches Rotes Kreuz, Technisches Hilfswerk und andere Organisationen mit vielen hunderten Helfern im Einsatz. Die Betroffenen hoffen nun auf schnelle finanzielle Unterstützung aus dem Fluthilfefonds.

Entscheidende Frage: Wer bekommt wie viel? Noch nicht klar, heißt es dazu aus dem rheinland-pfälzischen Innenministerium, man arbeite aber unter Hochdruck an Vorschriften zur Aufbauhilfe. Bislang sind vom Land rund 40 Millionen Euro Soforthilfen geflossen: an Privathaushalte und Unternehmen.

Hochwasserkatastrophen gibt es immer wieder – zuletzt im Ahrtal und an der Erft. Doch die Wahrscheinlichkeit für solche Naturkatstrophen steigt. Das liegt auch am Klimawandel.

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Forderung: Ressourcen in vorsorgende Maßnahmen stecken

Lothar Schrott kennt das Ahrtal als Privatmann von vielen Wanderungen – jetzt ist der Geologie-Professor und Katastrophenforscher der Uni Bonn mit Studierenden hier, um die Ursachen der verheerenden Flutkatastrophe zu erkunden. Seiner Expertise nach müssten die Behörden am Oberlauf des Flusses zukünftig über Überflutungsflächen und Regenrückhaltebecken nachdenken und am Unterlauf vermehrt Hochwasserschutz installieren.

Ganz wichtig für den Wissenschaftler: Ein schlüssiges Gesamtkonzept für den Wiederaufbau muss her, nicht nur schnell, sondern auch nachhaltig. "Man muss aus den Fehlern lernen. Das Ahrtal der Zukunft könnte ein Pilotprojekt sein, wie man idealerweise vorsorgende Maßnahmen in der Fläche umsetzt", betont Professor Schrott, "um das Ahrtal wieder lebens- und liebenswert zu machen." Das aber wird wohl noch sehr lange ein Wunschtraum bleiben.

Christopher Heinze ist Reporter im ZDF-Landesstudio Rheinland-Pfalz.

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