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Ein Affront von vielen

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Paris verärgert über Ankara - Ein Affront von vielen

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Der türkische Präsident Erdoğan hat Präsident Macron aufgefordert, seinen geistigen Zustand prüfen zu lassen. Nur ein Affront von vielen. Erdoğan verfolgt damit ganz eigene Ziele.

Emmanuel Macron und Recep Tayyip Erdogan. Archiv
Emmanuel Macron und Recep Tayyip Erdogan. Archiv
Quelle: Lefteris Pitarakis/AP/dpa

Als völlig inakzeptabel bezeichnete der Elysée die jüngsten Äußerungen Erdoğans. Maßlosigkeit und Grobheit seien keine Methode. Der türkische Präsident müsse schnellstens seinen Kurs ändern, der in jeder Hinsicht gefährlich sei.

Es ist eine weitere Verschärfung der Konfrontation zwischen Erdoğan und Macron, die schon seit Monaten in vielen internationalen Konflikten immer deutlicher zu Tage tritt. Der zunehmend aggressiven Außenpolitik Ankaras, die darauf abzielt türkische Interessen von Afrika bis Vorderasien auch militärisch durchzusetzen, will Paris entschlossener entgegenwirken.

Erdoğan sucht Konfrontation mit Frankreich

Frankreichs Führung ist zunehmend genervt vom polternden Gebaren des unberechenbaren türkischen Präsidenten, der sich gerne als muslimischer Champion in Szene setzt, die Probleme der NATO-Partner dabei aber bewusst übergeht. So gerieten Paris und Ankara in Libyen aneinander, wo Erdoğan und seine Partner aus Katar die Rumpfregierung in Tripolis mit Waffen und Söldnern unterstützt. Frankreich dagegen, mit den Emiraten, Ägypten und Russland, den Warlord Haftar.

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von Katrin Eigendorf
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Im Erdgasstreit im Mittelmeer verteidigt Frankreich ohne Wenn und Aber die Ansprüche Griechenlands und Zyperns gegen die Haltung Ankaras, wonach die Wirtschaftszonen im östlichen Mittelmeer, und damit die möglichen Gasvorkommen, neu aufgeteilt werden müssen. Paris entsandte eigens Kriegsschiffe.

Im jüngsten Krieg in Bergkarabach stützt Frankreich die armenische Position (mehr als eine halbe Million Franzosen haben armenische Wurzeln), während die Türkei das aserische Brudervolk militärisch unterstützt.

Macron Zielscheibe auch auf diplomatischer Ebene

Doch auch abseits der hellen Scheinwerfer stichelt Erdoğan immer wieder gegen Macron. So sandte er nach der Explosionskatastrophe in Beirut seinen Vizepräsidenten in den Libanon. Um klarzumachen, dass die Türkei keine politischen Veränderungen dort fordere. Das hatte Macron zwei Tage vorher in Beirut gefordert. So könne es nicht weitergehen im Libanon. Kolonialattitüden, hieß es in Ankara dazu.

Der französische Präsident Macron drängt die libanesische Führung bei einem Besuch erneut zu Reformen. Er erwarte innerhalb von sechs bis acht Wochen einen Plan von der Regierung.

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Um die Probleme des Libanon ging es dabei weniger. Wohl aber darum, Macron schlecht aussehen zu lassen. Auch nach dem Militärputsch in Mali war Ankaras Außenminister gleich in Bamako zu Besuch. Während Frankreich, dessen Soldaten in Mali im Kampf gegen islamistische Terroristen stehen, versuchen musste, erst einmal Stabilität herzustellen. Erdoğan verfolgt mit seinen Nadelstichen und Beleidigungen im Wesentlichen zwei Ziele.

Erdoğan will sich Führungsanspruch sichern

Zum Einen: Die eigenen Anhänger in der Türkei mobilisieren. Die schätzen es sehr, wenn ihr "Reis", ihr Führer, breitbeinig und ungehobelt anderen Staatsführern eine verpasst. Das lässt sie den Traum von osmanischer Größe weiter träumen.

Zum Anderen: Den Anspruch als Führer der sunnitischen Muslime weltweit untermauern. Und damit Saudi-Arabien, dem Wächter der muslimischen Heiligtümer in Mekka und Medina, den Rang abzulaufen. Deshalb die Kritik an Macrons Kampf gegen islamistischen Terror. Oder auch die Kritik an der Moscheerazzia in Berlin als rassistisch und islamfeindlich. Erdoğan als Kämpfer für die muslimische Sache.

Verärgerung Frankreichs wächst

Kritik an der Inhaftierung von einer Million muslimischer Uiguren in China hört man, anders als vor Jahren, hingegen kaum noch aus Ankara. Die Gefahr, es sich mit dem Wirtschaftspartner China zu verscherzen, ist offenbar zu groß.

Wirklich verärgert war man im Elysée-Palast aber schon vor den beleidigenden Äußerungen Erdoğans. Nämlich darüber, dass nach dem schockierenden Terroranschlag auf den Lehrer eine Reaktion aus Ankara ausblieb. Eine Beileidsbekundung des türkischen Präsidenten gab es nicht.

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