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Éric Zemmour - Polemiker will französischer Präsident werden

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Der rechtsextreme Publizist Éric Zemmour spielt mit den Ängsten der Franzosen und hofft, mit den Themen Immigration und Identität die Präsidentschaftswahlen gewinnen zu können.

Eric Zemmour am 30.11.2021 in Boulogne-Billancourt.
Éric Zemmour will französischer Präsident werden.
Quelle: AP

Er ist polemisch, provoziert gerne, seine erklärten Feinde sind muslimische Einwanderer. Éric Zemmour hat das Auftreten eines Donald Trumps. Sein Ziel: Präsident von Frankreich zu werden.

Seine Kandidatur verkündete der Meinungsjournalist in einem zehnminütigen Video, das er zeitgleich in mehreren sozialen Netzwerken veröffentlichte. Rund vier Monate vor dem ersten Wahlgang am 10. April sind damit fast alle Gegner des amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron aufgestellt.

Éric Zemmour inszeniert sich als General de Gaulle

In seinem Video inszeniert sich Zemmour als General de Gaulle des 21. Jahrhunderts, spricht seinen Text in ein altmodisches Mikrofon. Er will als einer wahrgenommen werden, der - so wie de Gaulle 1940 - sein Land zum Widerstand aufruft. Ein schräges Bild, denn Zemmour zielt auf die Muslime, gegen die sich Frankreich wehren müsse.

"Sie (die Franzosen) fühlen sich nicht mehr zuhause in Ihrem Land. Es ist, als ob Ihr Land Sie verlassen hätte. Sie kommen sich vor wie ein Ausländer in Ihrem eigenen Land", liest er von einem Blatt ab. Frankreich sei nicht mehr Frankreich, sagt er, spricht vom "Verschwinden unserer Zivilisation".

Obwohl Macron seine Kandidatur noch nicht offiziell erklärt hat, tourt er bereits durchs Land. Seine Auftritte wirken schon wie Wahlkampf: Wo steht Frankreich sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl und wer kandidiert für das Präsidentenamt?

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Europa als Gefahr für Frankreich

Zemmour wurde mehrfach wegen rassistischer Äußerungen verurteilt. Ein neues Verfahren läuft gegen ihn, weil er in einer Fernsehdebatte minderjährige Migranten als "Diebe, Mörder und Vergewaltiger" bezeichnet hatte.

Immigration sei nicht die Ursache des Problems, sagt er, aber sie verschlimmere alles. Es sei dringend nötig, Frankreich aus den Fängen der "Chimäre" EU zu befreien. "Wir müssen unsere Souveränität, die wir an die europäischen Technokraten abgegeben haben, zurückerobern", sagt er und verspricht, dass Frankreich dadurch wieder selbst über sein Schicksal entscheiden könne.

Große Versprechen, aber wenig Substanzielles

Ein konkretes Programm bleibt Zemmour schuldig. Bei einem Auftritt in Rouen im Oktober sagte er dem ZDF-Studio Paris, dass die Franzosen von ihm keine Details, sondern eine klare Linie erwarteten und dass er nicht anfangen wolle, seine Pläne Euro für Euro aufzudröseln.

Zum Thema Deutschland sagte Zemmour in Rouen:

Deutschland macht sich heimlich über die Franzosen lustig, wenn die das deutsch-französische Tandem ansprechen. Berlin arbeitet nur mit der französischen Diplomatie zusammen, um die Geheimnisse unserer Rüstungsindustrie auszuspionieren.

Emmanuel Macron sei der letzte Mensch auf Erden, so Zemmour, der noch nicht kapiert habe, dass Deutschland keine Lust auf die Zwangsehe mit Frankreich habe.

Zemmour spricht Wählerschaft von Le Pen an

Mit seinem Rechtsaußen-Kurs zielt Zemmour auf die Wählerschaft der rechtspopulistischen Marine Le Pen ab. Er ist deutlich radikaler als Le Pen wenn er etwa davon spricht, dass Frankreich sich nicht dominieren und kolonialisieren lasse.

In der zweiten Runde der Regionalwahlen in Frankreich ist die Partei der Rechtspopulistin Le Pen leer ausgegangen. Auch Präsident Macrons Partei hat keinen Sieg verbucht.

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Zemmour spricht jene Franzosen an, für die Le Pen mittlerweile zu "Mainstream" und gemäßigt geworden ist. In den jüngsten Umfragen landet er allerdings deutlich hinter Marine Le Pen.

Kann er mehr als nur provozieren?

Am Sonntag findet das erste Meeting des Kandidaten Zemmour in Paris statt. Ab jetzt muss der Journalist, der an der Elite-Uni Sciences Po studierte und für die Zeitung "Le Figaro" arbeitete, beweisen, dass er mehr kann als nur zu provozieren. Ob ihm das gelingt?

Letzte Woche sorgte er für Schlagzeilen, als er bei einem Auftritt in Marseille einer Frau, die ihm einen Stinkefinger zeigte, mit derselben Geste antwortete. Das sei "sehr unelegant" gewesen, schrieb er danach auf Twitter. Eines französischen Präsidenten würdig war es sicher nicht.

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