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Nach dem Ende der Ära Merkel - Frauen, Macht und Politik

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Was bleibt nach 16 Jahren Angela Merkel? Gelten in den Schaltzentralen der Macht immer noch andere Spielregeln für Frauen? Spurensuche in Finnland, Italien, dem Kosovo und den USA.

Warum sind Frauen in der Regierung noch immer eine Ausnahme? Dieser Frage ist ZDF-Journalistin Antje Pieper für das "auslandsjournal" nachgegangen.

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9 min
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Ich komme kaum hinterher. Mit einem Wahnsinnstempo läuft Li Andersson durch Helsinki. Die finnische Bildungsministerin eilt von Termin zu Termin und versucht mir ganz nebenbei das Erfolgsrezept Finnlands in puncto Chancengleichheit zu erklären.

Die Regierung hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Fünf Frauen sind hier ganz oben an der Macht - alle Koalitionsparteien der finnischen Regierung haben eine Chefin an der Spitze. Vier von ihnen sind Mitte 30.

Finnland: Vorreiter in Sachen Frauenrechte

Fernsehteams aus aller Welt kamen angereist. Der Trubel hat Li Andersson nicht gestört, aber: "Niemand hat uns irgendetwas über unsere Politik gefragt."

Der Fokus lag immer auf dem Geschlecht und viel weniger auf den Leitlinien der Regierung.
Li Andersson, Bildungsministerin Finnland

An den Ergebnissen ihrer Politik will die Ministerin gemessen werden. Leider aber sei das für Frauen nicht selbstverständlich. Sie müssten lernen, sich Gehör zu verschaffen.

Li Andersson, Bildungsministerin Finnlands im Gespräch mit Antje Pieper
Die finnische Bildungsministerin Li Andersson im Gespräch mit Antje Pieper
Quelle: ZDF

Italien: Sexismus unter Berlusconi salonfähig

Sie hätte härter lernen und arbeiten müssen als Männer, um zu beweisen, was sie kann, erzählt mir auch Mara Carfagna. Die Juristin ist Ministerin für Süditalien und territorialen Zusammenhalt und mir als ehemaliger Rom-Korrespondentin keine Unbekannte.

Unter Silvio Berlusconi ist sie in die Politik gekommen. Karriere an der Seite eines Mannes, der über die Grenzen Italiens hinaus für Sexismus und Frauenfeindlichkeit bekannt ist. "Jetzt gibt es dort endlich Leute, die gut angezogen sind und nicht stinken", antwortete er einst auf die Kritik, dass er viele Filmsternchen zu Abgeordneten machte.

Mara Carfagna distanziert sich im Interview von solchen Aussagen. Und muss gerade wegen solcher abfälligen Sätze immer wieder darum kämpfen, wegen ihrer unbestrittenen Erfolge wahrgenommen zu werden und nicht nur wegen ihrer Vergangenheit als Model.

Ich habe Sexismus-Attacken in eine Stärke umgewandelt. Heute fühle ich mich stärker, selbstsicherer.
Mara Carfagna, Ministerin für Süditalien und territorialen Zusammenhalt

Italien und Finnland - zwei Beispiele für Frauen in der Politik, die nicht unterschiedlicher sein könnten.

Kosovo: Die Frau an der Spitze

Die ungewöhnlichste Begegnung hatte ich bei meiner Reise im Kosovo. Der Krieg hat das Land geprägt - und damit Männer.

Überall in Pristina fallen mir die Statuen von UCK-Kämpfern auf, die Ende der 1990er Jahre für die Unabhängigkeit von Serbien gekämpft haben. Acht von ihnen wird vor dem Sondertribunal in Den Haag der Prozess gemacht, darunter auch der ehemalige Präsident. 

Vjosa Osmani, Präsidentin der Republik Kosovo im Gespräch mit Antje Pieper
Im Gespräch mit Vjosa Osmani, Präsidentin der Republik Kosovo, im Präsidentenpalast.
Quelle: ZDF

An der Spitze des Landes steht jetzt eine Frau: Vjosa Osmani, 39 Jahre alt, in den USA ausgebildete Rechtsprofessorin. Immer wieder wurde sie von Männern angefeindet. "Bedauerlicherweise: ja", erzählt sie mir im Interview im Präsidentenpalast. Aber Osmani hat eine einfache Regel:

Wann immer ich daran denke aufzugeben, denke ich an die kleinen Mädchen, die zuschauen und hoffen, dass ich das nicht tue.
Vjosa Osmani, Präsidentin der Republik Kosovo

"Denn wenn ich aufgebe heißt das auch, dass ich all die Hürden und Probleme ihnen überlasse", sagt Osmani.

USA: Hass auf Social Media ist das Thema

Wie mit Hillary Clinton umgegangen wurde, ist einer der Gründe, warum sich Maya Contreras politisch engagiert. Das bereite ihr immer noch Schmerzen, erzählt mir die demokratische Kandidatin für den Kongress in New York.

Auf die erste weibliche Vize-Präsidentin sind sie allerdings alle mächtig stolz. Nach dem Amtsende von Angela Merkel wird sie zur mächtigsten Frau der Welt.

Unser Land hat sich wirklich schwer getan, in der Politik Platz für andere Identitäten, für Frauen, zu schaffen.
Maya Contreras, kandidiert für den Kongress 2022

Vier Länder habe ich bereist, bin Frauen begegnet, die ganz oben angekommen sind und die noch immer kämpfen: gegen Vorurteile, dagegen, dass für sie oft andere Regeln gelten als für Männer. Frauen an der Macht - noch immer keine Selbstverständlichkeit.

Sehen Sie hier die gesamte Doku (28 Minuten):

Frauen können alles – das haben 16 Jahre Angela Merkel gezeigt. Doch immer noch gelten für die Geschlechter unterschiedliche Spielregeln.

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