Ukrainische Offensive: Russland droht eine Niederlage

    Offensive in Cherson und Charkiw:Russland droht eine empfindliche Niederlage

    von Christian Mölling, András Rácz
    09.09.2022 | 21:38
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    Die ukrainische Gegenoffensive im Norden und Süden des Landes kommt voran. In der Region Cherson konnten Gebiete zurückerobert werden. Das gefährdet russische Verteidigungslinien.

    ukrainische Offensive bei Cherson: Ukrainer, der eine Flagge in einem rückeroberten Ort hisst
    Bei ihrer Gegenoffensive nahe Cherson und Isjum kann die Ukraine mehrere Ortschaften zurückerobern.
    Quelle: ikTok/ta_za_sho00 via Reuters

    Die ukrainischen Gegenoffensiven in mehreren Landesteilen laufen weiter. Begonnen haben sie am 29. August - und inzwischen macht die Ukraine allmählich Geländegewinne.

    So ist die Lage an den Frontabschnitten im Süden

    Ein Schwerpunkt ist dabei die Region Cherson im Süden. Im nordwestlichen Teil dieser Region gelang es den ukrainischen Streitkräften, die Stadt Wyssokolpilya zurückzuerobern, indem sie eine russische Elite-Luftlandeeinheit besiegten, die die Stadt verteidigte. Mehrere andere kleinere Siedlungen wurden ebenfalls befreit. Hier waren die russische Artillerie und Luftwaffe nicht in der Lage, ihre Kameraden am Boden zu unterstützen, was auch von russischen Quellen eingeräumt wird.
    Die Front im Süden der Ukraine ist umkämpft. Anne Brühl war mit der ukrainischen Armee unterwegs und hat Soldaten getroffen deren Stellung in der Nacht von Russen beschossen wurde.09.09.2022 | 29:34 min
    Im mittleren Abschnitt der Front gelang es der Ukraine, ihren zuvor eroberten Brückenkopf am Fluss Inhulets auszubauen. Allerdings geriet die Offensive im Anschluss ins Stocken. Die russischen Streitkräfte mussten einige Siedlungen aufgeben, konnten die Frontlinie aber stabilisieren.
    Im südlichen Abschnitt gelang es den Ukrainern ebenfalls, eine Reihe von Siedlungen und beträchtliches Territorium zurückzugewinnen, aber auch hier ist die Frontlinie stabil.

    Russland musste Fake-Referendum in Cherson verschieben

    Das wohl wichtigste Zwischenergebnis der Offensive bei Cherson ist die Verschiebung des für den 11. September angesetzten Referendums über den Anschluss der Region an Russland. Obwohl noch kein neuer Termin bekannt gegeben wurde, ist der 4. November, der Tag der russischen Einheit, eine wahrscheinliche Alternative, sollte sich die Sicherheitslage bis dahin stabilisiert haben.
    Indem Russland daran gehindert wurde, seine Kontrolle über die Region Cherson durch ein manipuliertes Referendum zu legitimieren, hat die ukrainische Gegenoffensive einen strategischen wichtigen politischen Erfolg erzielt, auch wenn die militärischen Gewinne noch begrenzt sind.
    Ukraine-Karte
    Karte der Ukraine mit Charkiw im Norden und Cherson im Süden vor Beginn der jüngsten Gegenoffensive.
    Quelle: ZDF

    Ukrainische Vorstöße destabilisieren russische Verteidigungslinien

    Am 6. September startete die Ukraine ihre Gegenoffensive in der Region Charkiw in Richtung Isjum. Dabei nutzte die ukrainische Militärführung aus, dass Russland zuvor beträchtliche Kräfte aus dieser Region in die Nähe von Cherson im Süden des Landes verlegt hatte. Daher wurden einige Abschnitte der Front nur von schwachen Einheiten der russischen Nationalgarde (Rosgwardija) verteidigt.
    Die Frontentwicklung bei Cherson in den letzten Tagen
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    Der Angriff durchbrach schnell die russischen Linien, und die ukrainischen Panzer- und Panzergrenadiertruppen konnten zügig nach Osten vorrücken. Zwei Tage später befreiten sie mit der Stadt Balakliya, die vor dem Krieg etwa 30.000 Einwohner hatte, bereits eine bedeutende Siedlung. Bis einschließlich Freitag ist es den ukrainischen Streitkräften gelungen, mehr als 40 Kilometer tief in die von Russland besetzten Gebiete vorzustoßen und mehr als 200 Quadratkilometer Land zurückzugewinnen.
    Das wahrscheinliche Ziel dieses Manövers besteht darin, die von Kupjansk nach Borowa und weiter nach Süden führenden Straßen zu erreichen und zu blockieren. Sie dienen als Kommunikationslinien für die russischen Streitkräfte, die in Isjum und im nördlichen Teil des Donbass-Frontabschnitts kämpfen.
    Sollte dies gelingen, könnten die russischen Truppen in der Region Isjum unter Druck geraten. Es finden schwere Kämpfe statt. Den russischen Streitkräften ist es bisher nicht gelungen, die Frontlinie zu stabilisieren. Sie versuchen jedoch, den ukrainischen Vormarsch durch konzentrierten Artilleriebeschuss und Luftangriffe zu verlangsamen.



    Ukrainischer Erfolg wird wohl begrenzt bleiben

    In Anbetracht der Nähe zur russischen Grenze und der damit verbundenen kurzen Nachschublinien für die russischen Streitkräfte erscheint es unwahrscheinlich, dass die Ukraine diese lokale Offensive zu einer strategischen Wende ausbauen kann.
    Doch selbst wenn es nur gelingt, den Druck auf den belagerten Donbass zu verringern und die russischen Truppen, die die Region Charkiw besetzen, zu destabilisieren, ist dies bereits ein bedeutender Erfolg.
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