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Im Schnitt mehr als acht Monate - Bericht: Strafverfahren dauern immer länger

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Verfahren vor Strafgerichten in Deutschland ziehen sich einem Medienbericht zufolge immer länger hin. Ein Grund: Die Menge der auszuwertenden Daten sei enorm gestiegen.

Lange Verfahren vor Gericht sind keine Seltenheit.
Lange Verfahren vor Gericht sind auch strukturellen Ursachen geschuldet.
Quelle: Stefan Sauer/dpa/Archivbild

Gerichtsverfahren vor deutschen Strafgerichten dauern einem Medienbericht zufolge so lange wie nie zuvor. So sei bei Landgerichten die durchschnittliche Laufzeit erstinstanzlicher Strafverfahren im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchstwert von 8,1 Monaten gestiegen - 1,8 Monate mehr als noch 2010, berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe unter Berufung auf den Deutschen Richterbund.

Strukturelle Probleme: Enorme Datenmengen und zu wenig Personal

Die Strafgerichte und Staatsanwaltschaften arbeiteten "am Limit", sagte der Bundesgeschäftsführer des Richterbundes, Sven Rebehn, den Funke-Zeitungen. Bei den Amtsgerichten verlängerte sich die Verfahrensdauer demnach von 3,8 auf 4,6 Monate im selben Zeitraum.

Bemerkenswert ist dabei, dass die Zahl der erledigten Verfahren im gleichen Zeitraum von rund 790.000 auf 610.000 gesunken ist - obwohl die Zahl der Richter stieg.

Für lange Verfahren gebe es vor allem zwei strukturelle Ursachen:

Zum einen werden Strafverfahren immer aufwendiger, weil Straftaten komplexe Auslandsbezüge aufweisen und die auszuwertenden Datenmengen in der digitalen Welt dramatisch zunehmen, während es vielfach noch an innovativen Werkzeugen für computergestützte Datenauswertungen fehlt.
Sven Rebehn, Bundesgeschäftsführer Deutscher Richterbund

Zum anderen gebe es zu wenig Personal bei der Strafjustiz. Die Coronavirus-Pandemie sei hingegen keine ausreichende Erklärung. Bei der Verlängerung der Verfahrenszeiten handele es sich um einen mittelfristigen Trend, erklärte der Interessenvertreter der Richter und Staatsanwälte gegenüber den Zeitungen.

Nur jedes 13. Strafverfahren führt zum Prozess

Der Richterbund wies den Zeitungen zufolge auch darauf hin, dass die meisten Strafverfahren gar nicht vor Richtern landen. Nur 388.000 der rund fünf Millionen Verfahren bei den Staatsanwaltschaften mündeten 2020 in einer Anklage - der niedrigste Stand seit 20 Jahren.

Gerade einmal jedes 13. Strafverfahren führt somit zu einem Prozess. Jedes vierte Verfahren wird hingegen ohne Auflage beziehungsweise wegen Geringfügigkeit eingestellt. Der Richterbund wertet diese Entwicklung ebenfalls als Indiz für die hohe Belastung der Staatsanwälte.

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