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Germanwings: Die Zeit heilt keine Wunden

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Absturz vor fünf Jahren - Germanwings: Die Zeit heilt keine Wunden

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"Nein, die Zeit heilt keine Wunden!", schreiben die Eltern von Eduardo B. Er starb beim Absturz des Germanwings-Jets vor fünf Jahren. Viele Hinterbliebene gehen bald vor Gericht.

"An so einem Gedenktag wollen die Menschen zusammenrücken", so Bodo Klimpel, Bürgermeister von Haltern am See, das dramatisch von dem Germanwings-Absturz 2015 betroffen ist. Wegen Corona würden nun Lichter in die Fenster gestellt.

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24. März 2015, 10:41 Uhr: Germanwings-Flug 4U9525 verschwindet vom Radar. Die Maschine ist auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf. An Bord sind 150 Menschen, die ihr Ziel nie erreichen werden. Denn das Flugzeug zerschellt in den südfranzösischen Alpen, nahe des Ortes La Vernet.

Rund eine Stunde später kommt die Eilmeldung, dass ein Flugzeug vermisst wird. Schnell ist klar: Technisch war die Maschine in Ordnung. Ebenso rasch reagiert man am Flughafen Düsseldorf. Notfallseelsorger nehmen die Angehörigen in Empfang, die ihre Lieben abholen wollen und führen sie in einen geschützten Raum.

Co-Pilot Andreas L. ließ das Flugzeug absichtlich abstürzen

Bald stellt sich heraus: Der Co-Pilot hatte den Absturz absichtlich herbeigeführt. Andreas L. kämpfte schon lange mit psychischen Problemen und war deswegen an jenem 24. März 2015 eigentlich arbeitsunfähig. Das hatte er seinem Arbeitgeber verschwiegen. Es folgte harsche, öffentliche  Kritik an den laschen Tauglichkeitsuntersuchungen für Piloten.

Flughafen Barcelona, 24. März 2015. 144 Passagiere treten ihren Germanwings-Flug an. Ihr Ziel: Düsseldorf.
Germanwings-Flug 4U9525 startete am 24.3.2015 in Barcelona. An Bord waren 150 Menschen aus 21 Nationen, davon 72 Deutsche und 53 Spanier.
Quelle: ZDF/Yoan Peillex

Darin liegt auch eine besondere Tragik für die Angehörigen. "Deren Schmerz ist aktuell wie eh und je", sagt Elmar Giemulla, der als Anwalt die Familien von 40 Todesopfern vertritt. Manche haben gelernt, mit dem Verlust zu leben, andere sind zerbrochen, finden in keinen normalen Alltag zurück. An dem heutigen fünften Jahrestag wird die Erinnerung noch einmal besonders aufleben.

Keine Germanwings-Gedenkfeier wegen Corona

Aber das Gedenken wird ein stilles sein. Bedingt durch die Corona-Pandemie wird Lufthansa, der Mutterkonzern von Germanwings, die Angehörigen dieses Jahr nicht nach Frankreich zu der jährlichen Gedenkfeier fliegen. "Wir werden in Gedanken bei den Angehörigen sein", schreibt der Konzern dazu.

16 Schülerinnen und Schüler des Joseph-König-Gymnasiums in Haltern waren damals mit ihren beiden Lehrerinnen auf dem Rückflug von einem Schüleraustausch. Die westfälische Stadt rückte deshalb besonders in den Fokus. Schulleiter Ulrich Wessel bedauert, dass wegen Corona die Gedenkfeier und der öffentliche Gottesdienst ausfallen.

Die Erinnerung hat einen festen Platz in unserem Schulalltag.
Ulrich Wessel, Schulleiter Joseph-König-Gymnasium

An der Gedenktafel der Schule werden neben den eigens gepflanzten 18 Kirschbäumen 18  Kerzen leuchten und Blumen niedergelegt - unter anderem von der Landesregierung.

Höhe der Schmerzensgelder: Prozess soll Klarheit bringen

Bis heute ist die Frage des Schmerzensgeldes nicht abschließend geklärt. Am 6. Mai soll dazu der Prozess vor dem Landgericht in Essen beginnen. Lufthansa hatte zwar sehr zügig gezahlt: 25.000 Euro für den vererbten Schmerz der Verstorbenen und jeweils 10.000 Euro an nahe Angehörige wie Vater und Mutter.

Doch Anwalt Giemulla möchte für seine Mandanten mehr erreichen. Der Schmerz sei ohnehin nicht zu lindern, sagt er. Reich werden wollten die Angehörigen nicht. Die doppelte Summe sei angemessen.

Lufthansa bedauert gegenüber dem ZDF, dass eine Einigung noch nicht in allen Fällen möglich war. Gleichzeitig betont der Konzern, dass Hilfen "über das gesetzlich verpflichtende Maß hinaus" geleistet wurden.

Wieviel Todesangst hatten die Passagiere?

Eine spezielle Frage wird im Prozess eine Rolle spielen: Wieviel Todesangst hatten die Passagiere vor dem Aufprall? Elmar Giemulla ist überzeugt, dass die Menschen beispielsweise durch den plötzlichen, drastischen Sinkflug um ihren baldigen Tod wussten. Lufthansa glaubt das nicht.

Jenseits des Gedenkens lässt der Prozess das Geschehene und den damit verbundenen Schmerz neu aufleben. "Aber die Familien wollen auch in ihrem Leid gesehen werden", sagt Giemulla. Das Urteil soll nach zwei Jahren gesprochen werden. Abschließen können - das werden die Hinterbliebenen wohl nie.

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