Medizinische Hilfe: Lauterbach plant 1.000 Gesundheitskioske

    Einfache medizinische Hilfe:Lauterbach plant 1.000 Gesundheitskioske

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    Gesundheitsminister Lauterbach will bundesweit 1.000 Gesundheitskioske eröffnen und damit ein niederschwelliges medizinisches Angebot schaffen. Vorbild ist ein Hamburger Kiosk.

    Gesundheitskiosk des Hamburger Stadtteils Billstedt
    Der Gesundheitskiosk des Hamburger Stadtteils Billstedt gilt als Vorbild für die geplanten 1.000 Kioske.
    Quelle: gesundheit-bh.de

    Mit einem bundesweiten Netz von Gesundheitskiosken will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die Versorgung in medizinisch schlechter aufgestellten und sozial benachteiligten Gebieten verbessern. Lauterbach stellte in Hamburg ein entsprechendes Konzept vor.

    Medizinische Versorgung unabhängig vom Geldbeutel

    Ziel der im Koalitionsvertrag vereinbarten Gesundheitskioske ist eine bessere niedrigschwellige Versorgung sowie eine verbesserte Prävention. Das Konzept sieht vor, dass die Anlaufstellen von Kommunen geschaffen werden; die Kosten dafür sollen weitestgehend die gesetzlichen Krankenkassen tragen (74,5 Prozent), aber auch die privaten Krankenversicherungen (5,5 Prozent) und die Kommunen (20 Prozent) sollen sich an der Finanzierung beteiligen.
    Lauterbach erklärte, in Deutschland dürfe weder der Geldbeutel noch der Wohnort über die Behandlung von Patientinnen und Patienten entscheiden. Gesundheitskioske könnten dabei einen entscheidenden Unterschied machen.

    Selbst in strukturell schwachen Gebieten sollen alle die Möglichkeit haben, schnell und kompetent in Gesundheitsfragen beraten zu werden und unbürokratisch Hilfe zu erhalten.

    Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister

    Gesundheitskiosk in Hamburg als Vorbild

    Der Gesundheitsminister präsentierte Eckpunkte für ein entsprechendes Gesetz beim Gesundheitskiosk des Hamburger Stadtteils Billstedt. Er ist seit 2018 als bundesweit erste Einrichtung eine wichtige Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten des Stadtviertels.

    Seit 2012 hatten sich Mediziner, Lokalpolitiker und Krankenkassen in den Hamburger Stadtteilen Billstedt und Horn zusammengetan, um mit dem Gesundheitskiosk ein niedrigschwelliges Angebot zu entwickeln. Seit 2018 gibt es das kostenlose Angebot.

    Im ersten Jahr wurden bereits mehr als 3.000 Beratungen geleistet. In den Stadtteilen versorgen im Schnitt 1,25 Ärzte 1.000 Einwohner. Das ist weniger als die Hälfte des Hamburger Durchschnitts mit 2,59 Ärzten je 1.000 Einwohner.

    Die Mitarbeiter sind examinierte Pflegekräfte, Kinder-, Alten- und Krankenpfleger. Sie sollen auf ärztliche Veranlassung in der jeweiligen Muttersprache
    • medizinische Routine-Untersuchungen wie Blutdruck- oder Blutzuckermessungen durchführen
    • Behandlungen in Arztpraxen und Krankenhäusern vermitteln
    • chronisch Kranke begleiten
    • in Gesundheitsfragen wie dem Abnehmen oder der Raucherentwöhnung beraten
    • Gesundheitskompetenz von Menschen in sozial benachteiligten Vierteln verbessern.
    Vernetzungen etwa mit Jugendämtern, Familienzentren, Integrationszentren oder Stadtteil-/ Quartiersmanagementbüros werden angestrebt.

    AOK fordert höhere Beteiligung der privaten Kassen

    Der AOK-Bundesverband begrüßte das neue Angebot grundsätzlich. Die Vorstandsvorsitzende Carola Reimann bezeichnete es jedoch angesichts der prekären Finanzsituation der Kassen als nicht machbar, dass die Gesundheitskioske überwiegend von der Gesetzlichen Krankenversicherung finanziert werden sollen.

    Eine Beteiligung der Kommunen von 20 Prozent, wie in den Eckpunkten vorgesehen, reicht nicht aus. Dass sich andere Sozialleistungsträger beteiligen, sollte zudem ebenfalls verbindlich festgelegt werden.

    Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende AOK-Bundesverband

    Unklar bleibe auch, warum der Anteil der Privaten Krankenversicherung auf 5,5 Prozent begrenzt sei. Reimann sieht zudem Probleme bei der Definition besonders benachteiligter Regionen. Dafür sollten objektivierbare Kriterien gefunden werden.
    Die vorgeschlagenen Gesundheitskioske seien eine genuine Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes "und sollten vollständig von Ländern und Kommunen finanziert werden", sagte der Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherung Florian Reuther.
    Quelle: KNA, dpa, AFP

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