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Halbzeit in Glasgow - Klimakonferenz im "Tal des Todes"

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Die Atmosphäre sei gut, heißt es zur Halbzeit der Weltklimakonferenz aus der deutschen Delegation. Laut Beobachtern aber stecken die Verhandlungen noch im "Tal des Todes".

Rund 200 Staaten ringen in Glasgow, wie die Klimakrise eingedämmt werden kann. Es gibt zwar einige Absichtserklärungen. Die reichen aus Sicht von Klimaaktivisten aber nicht aus. Mit weltweiten Protestaktionen versuchen sie den Druck zu erhöhen.

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"Tal des Todes" - so nennt man die Durststrecke, in der ein zermürbendes Geschacher und Gepoker um Zugeständnisse und Kompromisse anfängt, erklärt Christoph Bals von Germanwatch. Als Beobachter ist Bals seit Jahrzehnten auf den COPs - Fachjargon für die Weltklimakonferenzen - mit dabei.

Nach einigen Tagen sieht man: Da gibt es doch erhebliche Unterschiede. Und dann fangen die ganzen taktischen und strategischen Spiele an.
Christoph Bals, Germanwatch

Die kommende Woche werde zeigen, ob Kompromisse aus dem sogenannten "Tal des Todes" auch wieder herausführen.

Bisher viel geschummelt bei Klimaberechnungen

Zu verhandeln gibt es nämlich noch viel. Längst ist der Klimavertrag von Paris in der Umsetzungsphase. Noch sind aber nicht alle Regeln festgezurrt. Da ist zum Beispiel - recht technisch - die Frage nach soliden internationalen Marktmechanismen. Da wird bisher viel geschummelt.

Hat ein Industrieland in einem Schwellen- oder Entwicklungsland ein Projekt - zum Beispiel ein Solarkraftwerk - finanziert, dann wurde es in der Vergangenheit gerne von beiden Ländern, also doppelt, in der Klimabilanz verbucht. Bei der letzten COP in Madrid war eine Einigung an Brasilien gescheitert.

COP26 in Glasgow
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Beschleunigter Klimaschutz, weniger Kohle: Nach zweiwöchigen Verhandlungen hat die UN-Klimakonferenz den "Glasgow-Klimapakt" beschlossen. Wie COP26 verlief - zum Nachlesen im Blog.

Druck auf Bremserländer wächst

Der Druck auf die "klassischen" Bremserländer wie auch Australien, endlich einzulenken, ist diesmal in Glasgow gewachsen. Eine Lösung ist damit in Sicht. Ein weiterer Punkt sind die Berichtszeiträume, innerhalb der die Staaten künftig ihre Erfolge oder Misserfolge bei der Senkung der Treibhausgase vorlegen müssen. Ob fünf oder zehn Jahre ist noch heiß umstritten.  

Aber: "Insgesamt wird sehr, sehr eifrig an Texten gearbeitet", sagt die deutsche Chefverhandlerin Nicole Wilke und meint damit, dass viele Kompromissvorschläge auf dem Tisch liegen.

Es ist spürbar, dass nach zwei Jahren auch der Wille bei allen da ist, dass wir einen Schritt vorankommen.
Nicole Wilke, Deutsche Chefverhandlerin

Vielleicht auch bei den Finanzhilfen für arme Länder. Ursprünglich hatten die Industrieländer 100 Milliarden Dollar jährlich ab 2020 zugesagt, geklappt hat das bisher nicht. Zumindest soll die Summe jetzt wohl ab 2023 erreicht werden. Und zwei Jahre später soll sie erhöht werden. Dann "muss das auch von der Qualität her besser werden", so Bals.

Kohlekraftwerk in den USA

UN-Klimakonferenz Glasgow - Der 100-Milliarden-Dollar-Deal 

Beim Geld fängt die Freundschaft an. 100 Milliarden Dollar pro Jahr ab 2020: Das war Entwicklungsländern für Klimaschutz zugesagt. Bisher sind es nur 80 Milliarden. Geht das gut?

von Volker Angres

Geld im globalen Süden gebraucht

Denn das Geld wird im globalen Süden nicht nur für mehr Klimaschutz, sondern auch für die Anpassung an die Folgen der Erderwärmung gebraucht. Oft sind es gerade die armen Länder, die von Stürmen, Überschwemmungen und Dürren heimgesucht werden. Am Montag ist "Adaption Day" auf der COP. An diesem Thementag könnte sich wieder "positiver Druck" aufbauen.

Ähnlich vielleicht wie letzte Woche schon beim Thema Kohle. 190 Staaten und Organisationen, darunter Deutschland, haben erklärt, innerhalb der 30-er und 40-er Jahre aus der Kohle auszusteigen. Und mindestens 25 Staaten und Finanzinstitutionen wollen ab 2022 Kohle, Öl und Gas im Ausland nicht mehr finanzieren. Zwei von mehreren Absichtserklärungen - abseits der eigentlichen Vertragsverhandlungen und damit nicht verbindlich.

Verpflichtungen statt ein "ungedeckter Scheck"

Allerdings könnten sie in konkret festgeschriebene Vereinbarungen münden. "Wir erwarten, dass am Ende der Konferenz ein Überprüfungsrahmen beschlossen wird", so Bals. Ein verpflichtender Mechanismus vielleicht, der sicherstellt, dass sich solche Ankündigungen nicht als "ungedeckter Scheck" entpuppen.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion

 Rauch steigt aus einer Fabrik auf, während ein mit Autos beladener LKW eine Brücke überquert.
Grafiken

ZDFheute-KlimaRadar - Daten zum Klimawandel im Überblick 

Seit Ende der 1980er Jahre verändert sich das Klima drastisch. Im KlimaRadar von ZDFheute finden Sie einen stets aktuellen Überblick über die wichtigsten Zahlen.

von Michael Hörz, Moritz Zajonz
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