ZDFheute

"Good to have you here"

Sie sind hier:

Fridays for Future bei Merkel - "Good to have you here"

Datum:

Nicht so einfach so ein Gespräch mit Angela Merkel. Nett sei sie gewesen, freundlich, sagen die vier Umweltaktivisten. Und sonst? Sonst bleibt vermutlich alles, wie es ist.

Die Bundeskanzlerin empfängt Greta Thunberg (zweite von links) mit Mitstreiterinnen im Kanzleramt.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

"Wir sind dankbar für die Möglichkeit und die Zeit, mit ihr sprechen zu  können. Aber es ist klar: Wir haben unterschiedliche Perspektiven", sagt Luisa Neubauer. 90 Minuten haben sie, Greta Thunberg und die beiden Belgierinnen Anuna de Wever und Adélaïde Charlier von der Klimabewegung Fridays for Future mit Kanzlerin Angela Merkel gesprochen. In der Pressekonferenz mitten in der prallen Sonne vor einer schwarzen Wand sollen sie danach erklären, wie es war. Das scheint nicht so einfach.

"Wir brauchen Taten, nicht nur große Worte"

Die Journalisten müssen immer wieder nachbohren, ob es mehr als der offizielle Anlass war: Die Übergabe eines offenen Briefes mit Forderungen zum besseren Klimaschutz. Beide Seiten hätten sich zugehört, sagen die Frauen. "Wir wollen Führungspersönlichkeiten, die aus ihrer Komfortzone herauskommen", sagt Thunberg. Die den Mut haben, sagt Wever, "Entscheidungen anzugehen".

Merkel habe ihnen das zugesichert, sagen sie. Das Mercosur-Abkommen zum Beispiel wolle sie so, wie es jetzt vorliegt, nicht unterzeichnen. Sie wolle sich während der EU-Ratspräsidentschaft für den Klimaschutz einzusetzen.

Ob ihnen das reicht? "Wir brauchen Taten, nicht nur große Worte", sagt Neubauer. So lange die Klimakrise nicht als echte Krise begriffen werde, so Thunberg, sei man in einer Art Endlosschleife. Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, jeder gebe dem anderen die Schuld:

Wenn dieser Teufelskreis nicht durchbrochen wird, schaffen wir es nicht.
Greta Thunberg

Corona bremst Fridays for Future

Dass die Zeiten für Klimaaktivisten schwieriger geworden sind, ist schon vor dem Besuch zu spüren. Im Vergleich zu früher stehen viel weniger Fridays-for-Future-Demonstranten vor dem Kanzleramt, als die Frauen zu ihrem Termin bei Merkel gehen. Wie immer auch mit selbstgemalten Plakaten: "Wäre die Erde eine Bank, ihr hättet sie längst gerettet" oder "Klimaschutz ist systemrelevant" steht darauf. Doch wenige machen keinen Krach, und das ist ein Problem.

Greta-Thunberg

Nachrichten | Thema -
Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg
 

Wer ist die Klimaschutzaktivistin? Wo begann ihr Protest und was macht sie heute?

Corona hat auch Fridays for Future gebremst. Keine regelmäßigen Demonstrationen weltweit heißt auch: weniger Aufmerksamkeit, weniger Druck auf die, die sie zu anderen Entscheidungen drängen wollen. Die Idee, Streiks ins Digitale zu verlegen und die Corona-Krise zu einer Art digitalen Nachhilfe der älteren Generation zu nutzen, ist verpufft.

Hauptsache schöne Bilder?

Und dann spielt die Pandemie der Entscheider-Seite noch in die Hände: Die Industrie im Lockdown, weniger Reisen und Flüge verbessern die Treibhauswerte. Die Forderung, auf die Wissenschaft zu hören, wird zumindest in der Corona-Pandemie mehr eingehalten als früher. Und in Zeiten drohender Rezession und Arbeitslosigkeit, scheinen die Rufe nach einer sanften Transformation der Wirtschaft eher gehört zu werden.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Die Politik bemüht sich derweil um schöne Bilder mit den Umweltaktivisten. Als Neubauer und Wever neulich bei EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen waren, gab es ein Selfie mit Maske. Kanzlerin Merkel ließ jetzt ein Video verbreiten, indem sie die vier Frauen im großen Besprechungssaal des Kanzleramtes empfängt - "good to have you here" - und ihnen irgendetwas zur EU-Ratspräsidentschaft vorliest.

Erster Streik nach langer Zwangspause

Man kann dies natürlich auch alles anders lesen. Am Samstag ist der Erdüberlastungstag, also der Tag, an dem die Menschheit alle Ressourcen verbraucht hat, die ihr für das gesamte Jahr zur Verfügung gestanden hätten. Nach dem neuesten Klimaschutzbericht der Bundesregierung liegt der Ausstoß von Treibhausgasen um 35,7 Prozent niedriger als 1990. Das Ziel von 40 Prozent für 2020 ist damit aber immer noch nicht erreicht. Und wie die EU bis 2050 klimaneutral werden will, ist auch immer noch nicht klar.

Genau zwei Jahre ist es her, dass sich Greta Thunberg mit einem Pappschild "Schulstreik fürs Klima" vor das Parlament in Stockholm setzte. Seitdem haben sich weltweit nicht nur Hundertausende Schüler angeschlossen: Es gibt Parents for Future, Students for Future, Scientist for Future. Ignorieren lässt sich die Bewegung nicht mehr. Eigentlich, sagt Thunberg, könnten sie heute feiern:

Wir sind nicht die Art Leute, die ihre Zeit mit Feiern verbringen.
Greta Thunberg

Am 25. September ruft Fridays for Future wieder zum globalen Klimastreik auf. Da, wo es trotz Corona geht und mit Abstand natürlich, sagt Neubauer. Aber "die Klimakrise hat ja nicht aufgehört".

Rekordhitze, Überflutungen, Dürre: normale Wetterphänomene oder bereits die Folgen des Klimawandels? Die Dokumentation mit Harald Lesch fasst den Stand der weltweiten Klimaforschung zusammen.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.