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"Massiver Strom von Menschen schwierig zu stoppen"

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Frontex warnt offenbar Politik - "Massiver Strom von Menschen schwierig zu stoppen"

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Die Grenzschutzagentur Frontex erwartet einem Bericht zufolge "Massenmigrationsströme" an den EU-Grenzen. Athen nimmt einen Monat lang keine Asylanträge mehr an.

Tausende Flüchtlinge an türkisch-griechischem Grenzübergang Pazarakule
Tausende Flüchtlinge wollen am türkisch-griechischen Grenzübergang Pazarakule in die EU.
Quelle: AP

Weitere Zuspitzung der angespannten Lage an der EU-Außengrenze: Die europäische Grenzschutzagentur Frontex erwartet in den kommenden Tagen "Massenmigrationsströme nach Griechenland". Das geht aus einem internen und vertraulichen "Situationsbericht zur griechisch-türkischen Grenze" für die politischen Entscheidungsträger der EU hervor, der der "Welt" vorliegt. "Es wird schwierig sein, den massiven Strom von Menschen, die sich auf die Reise gemacht haben, zu stoppen."

Migranten stehen an einem geschlossenen türkisch-griechischen Grenzübergang

Migrationsforscher Gerald Knaus -
"Flüchtlingskonvention steht auf dem Spiel"
 

Das neue Flüchtlingsdrama in der Ägäis zeigt die Zerissenheit der EU. Migrationsforscher Gerald Knaus fordert im ZDF ein zweites Abkommen.

Am Wochenende hatten Tausende Flüchtlinge und Migranten versucht, die türkische Westgrenze zu überqueren. Griechenland setzte unterdessen die Schutzvorkehrungen an den Grenzen auf die höchste Stufe, Patrouillen an Land und zu Wasser sollen im Nordosten des Landes verstärkt werden. Wie der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas sagt, werde sein Land einen Monat lang keine neuen Asylanträge mehr annehmen.

Wir erleben eine asymmetrische Bedrohung der Sicherheit unseres Landes.
Stelios Petsas, griechischer Regierungssprecher

Idlib: Militärische Eskalation

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Samstag seine seit langem bestehende Drohung wahr gemacht, Migranten und Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa nicht länger zurückzuhalten. Hintergrund der Entscheidung ist die militärische Eskalation in der syrischen Provinz Idlib, wegen der rund 950.000 Zivilisten Richtung Norden an die türkische Grenze vertrieben worden sind.

Karte: Flüchtlinge an der EU-Grenze zu Griechenland
Die Türkei öffnet ihre Grenzen zur EU.
Quelle: ZDF

Erdogans Sprecher Fahrettin Altun sagte, die Regierung konzentriere sich darauf, die Ankunft neuer Flüchtlinge aus Syrien vorzubereiten, anstatt Flüchtlinge aufzuhalten, die nach Europa weiterziehen wollten.

Europa und andere müssen harte Maßnahmen ergreifen, um dieser monumentalen Herausforderung zu begegnen.
Erdogan-Sprecher Fahrettin Altun

"Man kann von uns nicht erwarten, dass wir dies allein tun", sagte der Sprecher. In den vergangenen Tagen hätten mehr als 80.000 Migranten die Türkei in Richtung Europa verlassen. Das griechische Außenministerium nannte die Zahlen falsch und irreführend.

Lesbos: Völlig überfüllte Flüchtlingslager

Die griechischen Ägäis-Inseln meldeten bis Sonntagnachmittag die Ankunft von etwa 500 Menschen in Booten von der türkischen Küste. Dies ist mehr als üblich. In einer kleinen Bucht auf Lesbos hinderten aufgebrachte Einwohner mit einem Schlauchboot eingetroffene Migranten daran, an Land zu gehen. An anderen Stellen hielten sie Busse auf, die Migranten in das völlig überfüllte Hauptaufnahmelager der Insel bringen sollten.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock fordert die Europäer auf, Griechenland in der Flüchtlingskrise "nicht erneut im Regen stehen" zu lassen. Es müssten Versorgungsstrukturen geschaffen werden, damit sich 2015 nicht wiederhole.

Beitragslänge:
4 min
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Der bulgarische Ministerpräsident Boiko Borissow trifft am Montag den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu Gesprächen über die Lage an den EU-Außengrenzen. Borissow ist damit der erste Vertreter der Europäischen Union, der Erdogan nach der Öffnung der türkischen Grenzen zur EU für Flüchtlinge trifft. Er wolle mit dem türkischen Präsidenten über Beiträge zur "Beilegung der Krise in Syrien" und "über ein Einstellen des Migrationsdrucks in der Region" sprechen.

Zuspitzung an türkischer Außengrenze

Unterdessen telefonierte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Borissow. Thema des Gesprächs sei die Verschärfung der Lage an den Außengrenzen zur Türkei gewesen, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Beide seien übereingekommen, "dass in der gegebenen Situation zeitnahe politische Gespräche mit der Türkei nötig sind". Auch Bulgarien hat die Sicherheit an seiner Grenze zur Türkei verstärkt.

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