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Superreiche in "Londongrad" : Macht London ernst mit Oligarchen-Sanktionen?

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Großbritannien hat die Sanktionen gegen Russland weiter verschärft - auch gegen Oligarchen. Doch wie ernst ist es Johnson mit den Sanktionen?

Schweiz, Fribourg: Der russische Oligarch Roman Abramowitsch kommt zum Freiburger Zivilgericht. Archivbild
Wie beeindruckt sind russische Oligarchen wie Roman Abramowitsch von den Sanktionen?
Quelle: dpa

Es ist das zweitgrößte bewohnbare Gebäude Londons, wenn man mal von Hochhäusern absieht, nach dem Buckingham Palast: Witanhurst, ein 25-Schlafzimmer-Anwesen mit einem geschätzten Wert von über 360 Millionen Euro. Es gehört dem russischen Düngemittel-Magnaten Andrei Gurjew.

Zumindest wird davon ausgegangen. Ganz sicher ist dies nicht. Wie so vieles, was Londons russische Oligarchen so treiben und besitzen.

Russlands Superreiche investieren im Stadtteil Highgate

Witanhurst befindet sich im lauschigen Nordlondoner Stadtteil Highgate. Dort steht ebenfalls das vom russischem Milliardär Michail Fridman bewohnte Athlone House. Der Investmentbanker hatte es 2016 für 78 Millionen Euro erstanden und mittlerweile angeblich für weitere 35 Millionen renovieren lassen.

In dem Stadtteil befindet sich auch das denkmalgeschützte Beechwood House, das Alisher Usmanov, ehemaliger Investor des Londoner Fußballclubs FC Arsenal, 2008 vom damals regierenden Emir von Katar abgekauft hatte.

Da kann man Londons klassische Nobelviertel Kensington und Knightsbridge getrost vergessen - es ist in Highgate, wo Russlands Superreiche wirklich ganz tief in die Tasche gegriffen haben. Und zwar in unmittelbarer Nachbarschaft zum Grab von Karl Marx auf dem dortigen Friedhof.

Und dem des vom russischen Geheimdienst mit hochradioaktivem Polonium vergifteten ehemaligen Agenten Alexander Litwinenko. So manches an der Geschichte mit den russischen Oligarchen in London ist an Ironie schlicht nicht zu überbieten.

Johnsons Sanktionen

Als der britische Premier Boris Johnson vergangene Woche schärfere Sanktionen gegen rund einhundert russische Banken, Unternehmen und Oligarchen ankündigte, tat er dies mit der bei ihm markentypischen Großspurigkeit. "Oligarchen in London", so Johnson, "werden sich nirgendwo verstecken können". Dabei tun sie genau das seit Jahrzehnten. Sich und ihr Geld. Am hellichten Tag, vor aller Augen.

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Teil des Problems ist die Verbandelung russischer Millionen mit der britischen Politik und der Londoner Finanzwirtschaft. Da gibt die Ehefrau des ehemaligen stellvertretenden russischen Finanzministers bei einer Spendensammelaktion der konservativen Partei schon mal 190.000 Euro aus für ein Tennismatch mit David Cameron und Boris Johnson. Oder 160.000 Euro für ein Abendessen mit Theresa May.

Russische Unternehmen an Londoner Börse

Da sind 20 russische Unternehmen mit einem Gesamtmarktwert von über 480 Milliarden Euro an der Londoner Börse notiert. Und in den Edelkanzleien der Hauptstadt stehen die teuersten und cleversten Anwälte bereit, um Oligarchen vor Anschuldigungen jedweder Art zu schützen.

Auch die gut funktionierenden Sparten Immobilienvermittlung und Marketing machen reichen Russen das Leben leichter und verdienen seit vielen Jahren kräftig mit.

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Immerhin: Einige dem Kreml nahestehende Oligarchen sind inzwischen mit dem Einfrieren von Vermögenswerten und Reisebeschränkungen belegt worden. Darunter zwei Bankenchefs, zwei im Gasgeschäft tätige Milliardäre, ein ehemaliger Schwiegersohn Wladimir Putins und der Boss eines Luftfahrtunternehmens.

Einige Oligarchen bisher nicht abgestraft

Bemerkenswert aber ist, wer nicht abgestraft wurde. Beispielsweise 33 von 35 Personen, die der russische Oppositionelle Alexei Nawalny auf einer Liste Putin-Getreuer zusammengefasst hat, die im Verdacht der Geldwäsche, Korruption und Menschenrechtsverletzungen stehen.

Bisher davongekommen sind auch der Besitzer des Londoner Premier League Vereins FC Chelsea Roman Abramowitsch, der Highgate-Villa-Besitzer Usmanov, der nach Verkauf seiner Anteile am FC Arsenal nun in großem Stil in den Bau eines neuen Stadions für den Liverpooler Erstligaclub Everton investiert und der als Aluminiumkönig bekannte Unternehmer Oleg Deripaska.

Abramowitsch-Tochter: Nicht Russlands Krieg

Deripaska und Athlone House-Besitzer Fridman sind die beiden einzigen in London ansässigen Oligarchen, die sich gegen die Invasion der Ukraine ausgesprochen haben. Im Falle Abramowitschs hat das die Tochter übernommen. Auf Instagram bezeichnete Sofia Abramowitsch den Überfall auf die Ukraine als Putins, nicht Russlands Krieg.

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Vater Roman dagegen schweigt hartnäckig. Das Manöver, die 'Verantwortung und Fürsorge' für seinen Fußballverein 'an die Treuhänder der wohltätigen Chelsea-Stiftung' abzugeben, scheinen ebenso undurchsichtig wie das Gerücht, er könne im Ukraine-Konflikt als Vermittler auftreten.

Einem, der sich schon lange von Putin losgesagt hat und dafür mit einer langen Gefängnishaft büßen musste, dem einstigen Ölmagnat Michail Chodorkowski, gewinnen die Anstrengungen Abramowitschs nur ein müdes Lächeln ab. Der und andere Oligarchen versuchten jetzt lediglich verzweifelt, sich mit beiden Seiten gut zu stellen.

Yacin Hehrlein ist Korrespondent im ZDF-Studio London.

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