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Britische Regierung : Johnson-Nachfolge: Zehn Bewerber, bis jetzt

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Nach dem Rücktritt von Premier Boris Johnson als Chef der Konservativen-Partei, werfen in London die ersten Torys ihren Hut um seine Nachfolge in den Ring. Wer ist dabei?

Nach der Rücktrittsankündigung von Premierminister Johnson streben einige seine Nachfolge an. Darunter Finanzminister Zahawi und der ehemalige Gesundheits- und Außenminister Hunt.

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Mehrere Politikerinnen und Politiker der konservativen Tory-Partei werden als mögliche Nachfolger des britischen Noch-Premiers Boris Johnson gehandelt. Zehn haben sich bereits beworben. Eine Übersicht:

Ex-Finanzminister Rishi Sunak

Bekanntester Kandidat ist bisher der frühere Finanzminister Rishi Sunak. Sunak trat am Dienstag zurück und erklärte, die Briten würden zu Recht eine "ordentliche, kompetente und ernsthafte" Regierungsarbeit erwarten. Lange galt Sunak als Favorit für eine Nachfolge Johnsons.

Er etablierte während der Corona-Pandemie ein Rettungsprogramm für die Wirtschaft - und sorgte damit für Aufsehen. Mehrere einflussreiche Tory-Politiker wie der frühere Generalsekretär Oliver Dowden sprachen sich für Sunak aus. Viele Briten halten die Unterstützung seines Ministeriums angesichts der explodierenden Lebenshaltungskosten aber für zu gering und die Steuern für zu hoch. Der 42-Jährige wurde zudem wie Johnson für Verstöße gegen Lockdown-Auflagen bestraft.

Rishi Sunak
Rishi Sunak
Quelle: Reuters

Ex-Gleichstellungsministerin Kemi Badenoch

Die frühere britische Gleichstellungsministerin Kemi Badenoch kandidiert ebenfalls für die Johnson-Nachfolge. In einem am Samstag veröffentlichten Artikel der Zeitung "The Times" forderte Badenoch "Veränderungen". Die britische Öffentlichkeit sei "erschöpft von Plattitüden und leerer Rhetorik", erklärte die 42-Jährige. "Ich kandidiere bei dieser Wahl, weil ich die Wahrheit sagen will."

Als Gleichstellungsministerin war Badenoch wegen Verzögerungen bei einem Verbot der Konversionstherapie in die Kritik geraten. Die Therapie zielt darauf ab, die sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsidentität eines Menschen zu ändern. Mitglieder des LGBT+-Beratungsgremiums der Regierung forderten, sie solle ihren Posten räumen für jemanden, der "mehr Herz für die Arbeit" habe.

Finanzminister Nadhim Zahawi

Nadhim Zahawi gab am Samstag seine Kandidatur bekannt. Er wolle das Land in ruhige Verhältnisse führen und die Wirtschaft stabilisieren, teilte Zahawi mit. Er kündigte Steuersenkungen und eine Erhöhung des Verteidigungsetats an.

Nadhim Zahawi
Nadhim Zahawi
Quelle: Reuters

Chef des Auswärtigen Amtes, Tom Tugendhat

Der 49-jährige ehemalige Armeeoffizier ist der Vorsitzende des einflussreichen Auswärtigen Ausschusses im Unterhaus. "Ich habe schon gedient - in den Streitkräften und jetzt im Parlament", schrieb Tugendhat im "Daily Telegraph". Nun wolle er seinem Land als Premierminister dienen und dazu eine "breite Koalition" für einen "Neustart" schmieden.

Tugendhat hatte schon vor Johnsons Rücktritt durchblicken lassen, dass er sich um die Nachfolge des Partei- und Regierungschefs bewerben würde. Profiliert hat er sich unter anderem mit einer harten Haltung gegenüber China und mit Kritik am Truppenabzug aus Afghanistan. Parteiintern steht ihm das Lager der Johnson-Anhänger kritisch gegenüber.

 Tom Tugendhat, konservativer Abgeordneter
Tom Tugendhat
Quelle: dpa

Ex-Außenminister Jeremy Hunt

Der 55-Jährige hält nicht damit hinter dem Berg, dass er seine Ambitionen auf den Einzug in die "Downing Street 10" nicht ganz aufgegeben hat. In einer partei-internen Stichwahl um den Vorsitz der Konservativen war Hunt Mitte 2019 Zweiter geworden, Johnson wurde automatisch Premierminister. Von Hunt würden Beobachter einen ernsteren Regierungsstil erwarten. Hunt war in den vergangenen zwei Jahren Vorsitzender des Gesundheitsausschusses - weit ab von der aktuellen Regierung.

Jeremy Hunt
Jeremy Hunt
Quelle: Reuters

Ex-Gesundheitsminister Sahid Javid

Auch Javid trat am Dienstag aus Protest gegen Johnsons Umgang mit dem Fall eines Tory-Mitglieds zurück, dem sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen wurde. Der ehemalige Banker Javid hatte vor der Leitung des Gesundheitsministeriums bereits mehrere Regierungsposten, 2020 war er als Finanzminister zurückgetreten. Der Sohn pakistanischer Einwanderer gilt als Bewunderer von Ex-Premierministerin Thatcher.

Sajid Javid
Sajid Javid
Quelle: Reuters

Generalstaatsanwältin Suella Braverman

Braverman brachte sich bereits am Mittwoch, also noch vor Johnsons Rücktritt, in Interviews für seine Nachfolge in Stellung. Die 42-jährige Brexit-Befürworterin ist in der Partei wegen ihrer Gegnerschaft zur EU beliebt, gilt aber als relativ aussichtslose Kandidatin. Braverman ist in der Tory-Fraktion eine der 28 sogenannten Spartaner, die den von Ex-Premierministerin Theresa May ausgehandelten Brexit-Deal bei allen drei Abstimmungen im Unterhaus durchfallen ließen. Sie galt lange als Johnson-Verbündete.

Suella Braverman erscheint zu einer Kabinettssitzung in der Downing Street
Suella Braverman
Quelle: Imago

Verkehrsminister Grant Shapps

Großbritanniens Verkehrsminister Grant Shapps hat als fünfter Bewerber seine Ambitionen erklärt. Am Samstag erklärte er, eine "nüchterne" Regierung anführen zu wollen. Shapps gilt als erfahrener Parlamentarier, der bereits dem Kabinett des früheren konservativen Premierministers David Cameron angehört hatte. Als Favorit für Johnsons Nachfolge wurde er aber nicht gehandelt.

Der britische Verkehrsminister Grant Shapps geht zu einem Kabinettsstermin in der Downing Street.
Grant Shapps
Quelle: epa

Staatsministerin für Außenhandel, Penny Mordaunt

2019 wurde sie die erste britische Verteidigungsministerin, derzeit ist die 49-Jährige Staatsministerin für Außenhandel. 2016 kämpfte sie für den Brexit. Die Reservistin der Royal Navy gilt als gute Rednerin. Einige sehen in ihr eine Kompromisskandidatin für den Vorsitz der zerstrittenen Torys.

Penny Mordaunt
Penny Mordaunt
Quelle: dpa

Außenministerin Liz Truss

Die 46-Jährige gilt als Liebling der konservativen Basis. In Johnsons Regierung war sie zunächst zwei Jahre lang Außenhandelsministerin, bevor die überzeugte Brexit-Befürworterin zur Außenministerin berufen wurde. Seit vergangenem Jahr vertritt sie zudem als Chef-Unterhändlerin in Brüssel britische Positionen. Ihr öffentliches Image pflegt Truss sorgfältig: Vergangenes Jahr ließ sie sich in einem Panzer ablichten, was an ein bekanntes Bild von Großbritanniens erster Premierministerin, Margaret Thatcher, erinnert.

Liz Truss
Liz Truss
Quelle: dpa

Jeder Bewerber braucht zunächst die Unterstützung von mindestens acht Tory-Abgeordneten. Dann folgt die Abstimmung in der Fraktion, bei der in jeder Wahlrunde die Kandidatin oder der Kandidat mit den wenigsten Stimmen ausscheidet - bis nur noch zwei übrig sind. Über den Sieger entscheiden die Parteimitglieder in einer Stichwahl. Im September soll die neue Parteichefin oder der neue Parteichef feststehen - sie oder er zieht dann auch in die Downing Street ein.

In einer längeren Dokumentation hat das auslandsjournal Boris Johnson beobachtet:

Sein Fall war so dramatisch und unvermeidlich wie sein Aufstieg. Boris Johnson war und bleibt ein Phänomen unter Europas Politikern mit seiner hemmungslosen tabubrechenden Art.

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