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Baerbock oder Habeck - Grüne K-Frage: Es kann nur eine geben - oder?

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Die Grünen wollen nach Ostern verkünden, wer für sie Kurs aufs Kanzleramt nimmt. Das Momentum spricht für Annalena Baerbock - und viel mehr noch: ein grünes Totschlag-Argument.

Annalena Baerbock und Robert Habeck a, 19.03.2021 in Berlin
Annalena Baerbock und Robert Habeck
Quelle: epa

Es gab Zeiten bei den Grünen, da war das Wort "Hinterzimmer" ein Synonym für das Dunkle und Böse in der Politik: hinter verschlossenen Türen ausgekungelte Entscheidungen, ein übles Altherrenverständnis von Politik, helmut-kohlig, ungrün, igitt.

Die Zeiten haben sich geändert. Im Hinterzimmer fällt nun die Entscheidung, wer die Grünen dieses Jahr ins Kanzleramt führen soll. Wenn sie nicht längst gefallen ist, wovon nicht wenige ausgehen.

Doch die Zahl derer, die im Hinterzimmer live dabei sind, ist klein, selbst viele Bundestagsabgeordnete der Grünen versichern glaubhaft, dass sie weder wissen, wer es wird, noch wann genau die Entscheidung verkündet wird.

Daniel Pontzen hat einen eigenen Kriterienkatalog zur K-Frage entwickelt.

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Aktuelle Lage der Grünen "Luxusproblem"

Und so wartet die Partei, das politische Berlin, das Land darauf, dass sich die Tür endlich einen Spalt öffnet und jemand die frohe Botschaft hinaushaucht. "Hinterzimmer deluxe" nennt das, durchaus wohlwollend, ein Fraktionsmitglied der Grünen.

Der gefühlte Luxus speist sich aus der wohl berechtigten Hoffnung, dass am Ende alle Grünen profitieren könnten: Weil das Wahlvolk solch demonstrative Geschlossenheit gern belohnt - und umgekehrt innerparteiliche Grabenkämpfe abstraft.

Insofern bezeichnen - semantisch konsequent - derart viele Grüne die aktuelle Lage als "Luxusproblem", dass es ein bisschen wie abgesprochen klingt, nach interner Sprachregelung, zumal alle ebenfalls fast wortgleich äußern, dass die Annalena und der Robert das schon gut entscheiden werden, gemeinsam.

Gute Umfragewerte, hohe Wahlergebnisse: Die Grünen sind derzeit kaum zu stoppen und greifen nun im Superwahljahr nach der Macht im Bund.

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Baerbock will Kanzlerkandidatin werden

Das wiederum leitet über zum zweiten Teil des Wortes "Luxusproblem": dass es, bei allem Luxus, am Ende eine Person nicht wird. Bemerkenswert, was genau hierzu jüngst "Der Spiegel" berichtete: dass Annalena Baerbock dies als "Stich ins Herz" empfinden würde. Damit lieferte sie im Grunde, etwas verklausuliert, schon die Antwort auf die Frage, wer‘s am Ende wird.

Verpackt in eine Art Textaufgabe, die sich mit ein bisschen politischem Dreisatz lösen lässt: Es nicht zu werden, würde Baerbock weh tun. Also: Sie will es werden. Und wenn sie es werden will, wird sie es auch - das hatte Habeck jüngst versprochen.

Das Geschlecht ist kein Totschlag-Argument

Vielleicht war es auch nur ein Verwirrspiel, vielleicht findet Baerbock Stiche ins Herz in Wahrheit gar nicht so schlimm, vielleicht wird sie generös Habeck den Vortritt lassen, doch noch.

Aber: Muss sie nicht eigentlich wollen? Wäre es nicht Verrat am geschlechtlichen Aufstiegsversprechen der Grünen, wenn nun, bei der entscheidenden Frage, beim Endgame, beim wichtigsten Posten, die Frau zurückzöge?

Nein, das Geschlecht sei kein Totschlag-Argument, beeilen sich die Grünen zu versichern. "Wir haben wahnsinnig viele Frauen in Führungspositionen, in wichtigen Funktionen", sagt etwa Britta Haßelmann. Doch gerade sie steht gleichsam als Symbol für die Unvereinbarkeit eines Kanzlerkandidaten Habeck mit dem eigenen Anspruch.

136 Seiten, Pläne um die Wirtschaft und die Sozialsysteme umzubauen: Eine „grüne Vitaminbombe“, um eine sozialökologische Marktwirtschaft durchzusetzen, oberstes Ziel dabei: Erneuerbare Energien sollen stärker ausgebaut werden.

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Habeck als dritter Herr ins Kanzler-Rennen?

Als nach den jüngsten Landtagswahlen das ZDF wie üblich zur TV-Runde die GeneralsekretärInnen lud, schickten die Grünen stattdessen ihre Parlamentarische Geschäftsführerin. Weil sonst nur Männer in der Runde gesessen hätten - was man als inakzeptabel empfand. Was, wenn nun also exakt diese Grünen in das Rennen ums Kanzleramt nach Scholz und (voraussichtlich) Laschet oder Söder einen dritten Herrn entsenden würden?

"Tja, als CDU-Politikerin würde ich mich darüber freuen - weil sie dann unglaubwürdig werden", sagt die CDU-Abgeordnete Elisabeth Motschmann. Und gibt damit das Gefühl vieler nicht nur in ihrer Partei wieder. Und, in der Tat: Es wäre und bliebe ein Widerspruch, egal wie kunstvoll sich die Grünen argumentativ verrenken würden. Ganz sicher ist auch das im Hinterzimmer besprochen worden. Oder wird noch besprochen, über Ostern. Noch aber: ist die Tür zu.

Daniel Pontzen ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.
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@DanielPontzen

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