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FAQ

Ab Schuljahr 2025/2026 - Ganztagsbetreuung an Grundschulen per Gesetz?

Datum:

Für Grundschulkinder soll ab 2025 ein Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung kommen. Das fordern Familien- und Bildungsministerium im Bund in einem Gesetzentwurf. Ein Überblick:

Ein Schulmäppchen liegt in einem Klassenraum mit betreuten Kindern auf dem Tisch
An die Kita-Kinderbetreuung soll sich eine Ganztagsbetreuung in der Grundschule anschließen.
Quelle: dpa

Kinder, die ab dem Schuljahr 2025/2026 in Deutschland eingeschult werden, sollen in den ersten vier Schuljahren einen Rechtsanspruch auf eine ganztägige Betreuung bekommen. Das geht aus einem gemeinsamen Entwurf für ein "Ganztagsförderungsgesetz" von Bundesfamilien- und Bundesbildungsministerium hervor, der ZDFheute vorliegt.

Heute Vormittag soll das Vorhaben im Bundeskabinett auf den Weg gebracht werden. Nach den bisherigen Plänen soll der Rechtsanspruch stufenweise ab 2025 eingeführt werden. Dazu braucht es aber eine Einigung zwischen Bund und Ländern.

Was sieht das Ganztagsförderungsgesetz vor?

Grundschulkinder, die ab dem Schuljahr 2025/2026 die erste Klassenstufe besuchen, sollen Anspruch auf mindestens acht Stunden Betreuung - einschließlich Schule - an Wochentagen "bis zum Beginn der fünften Klassenstufe" bekommen.

  • Ganztagsangebote soll es auch während der Ferien geben
  • Erlaubt sein sollen im ganzen Jahr maximal vier Wochen Schließzeit

Laut Gesetzentwurf wünschen sich 74 Prozent aller Eltern ein an den Unterricht anschließendes Bildungs- und Betreuungsangebot.

Was sind die Vorteile einer Ganztagsbetreuung?

Nach Ansicht beider Ministerien ist die Schaffung eines bundesweiten Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung an den rund 15.000 Grundschulen in Deutschland aus mehreren Gründen nötig:

  • bessere Teilhabe-Chancen von Kindern
  • individuelle Förderung über die Unterrichtszeit hinaus
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Gleichberechtigung von Frauen und Männern
  • Fachkräftesicherung für Arbeitgeber

Schüler*innen könnten über die Unterrichtszeit hinaus individuell gefördert werden und somit der Bildungserfolg unabhängiger von der sozialen Herkunft gemacht werden. Und: Vor allem Mütter steckten beruflich noch immer zu oft zurück, schreibt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) auf ihrer Facebookseite:

Wenn Kinder in Schulen ganztags betreut und gefördert werden, bringt das auch die Gleichstellung von Frauen und Männern und eine partnerschaftliche Familienpolitik voran.
Franziska Giffey, Bundesfamilienministerin

Wie viel Geld soll in die Ganztagsbetreuung fließen?

Bereits zugesagt hat die Bundesregierung 3,5 Milliarden Euro für Investitionen an den Schulen und eine laufende Beteiligung an den Betriebskosten. Im Gesetzentwurf werden für die Betriebskosten ab 2026 jährlich dreistellige Millionenbeträge von Bundesseite genannt.

Trotzdem: "Über die Kostenteilung zwischen Bund und Ländern haben wir nach wie vor keine Einigung - noch nicht. Wir arbeiten intensiv daran", so Giffey. Union und SPD hatten die Schaffung eines Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. Über die Umsetzung wird aber bis heute mit den Bundesländern gestritten.

In welchen Bundesländern gilt bereits ein Rechtsanspruch?

In einigen Bundesländern wie Brandenburg, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen, besteht bereits ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Dabei gibt es unterschiedliche Betreuungsangebote für Grundschulkinder - entweder vormittags in der Schule und nachmittags im Hort oder in einer Ganztagsschule.

In anderen Ländern müsste aber für die Aufstockung von Betreuungsplätzen noch viel in Räumlichkeiten investiert werden. Zudem wird mit laufenden jährlichen Betriebskosten von bis zu vier Milliarden Euro gerechnet. Und es werden zusätzliche Erzieher*innen an Grundschulen gebraucht - mehr als 33.000, wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt.

Welche Kritik am Gesetz gibt es?

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, spricht im Gespräch mit ZDFheute von einem "begrüßenswerten Gesetzesziel", äußert aber Zweifel an der Umsetzung. "Es besteht bei uns die Sorge, dass aufgrund des großen Personalmangels in diesem Bereich die notwendigen Zusatzkräfte nicht gefunden und rekrutiert werden können."

In der Folge besteht die Gefahr, dass der gesetzliche Anspruch nicht befriedigt werden kann und dies bei den Betroffenen zu einem weiteren Vertrauensverlust in die Politik führt.
Heinz-Peter Meidinger, Deutscher Lehrerverband

Außerdem komme "der qualitative Aspekt einer möglichst hochwertigen Betreuung zu kurz bzw. es fehlt eine klare Orientierung an Qualitätskriterien."

Ein Jahr Pandemie - ein Jahr immer wieder Homeschooling. Videounterricht ist laut einer Studie aber für viele Schüler nicht effektiv.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Der Grundschulverband begrüßt den geplanten Ausbau der Ganztagsangebote. Zu ZDFheute sagt der Vorsitzende Edgar Bohn:

Dies ist der richtige Schritt auf dem Weg zu mehr Chancengerechtigkeit.
Edgar Bohn, Vorsitzender des Grundschulverbands

Damit dieser Schritt gelinge, "müssen Unterricht und ergänzende Angebote einem gemeinsam getragenen Konzept zugrunde liegen", stellt Bohn weiter fest. "Lehrkräfte und weiteres Personal bilden ein multiprofessionelles Team, das dieses Konzept lebt und verwirklicht." Dabei müsse auf "durchgehend hohe Qualität der pädagogischen Arbeit" geachtet werden.

Wann soll das "Ganztagsförderungsgesetz" beschlossen werden?

Ob es mit dem Vorhaben bis zum Ende der Regierungszeit der großen Koalition noch etwas wird, ist weiter offen. Nach dem Kabinett müsste das Gesetz noch durch Bundestag und Bundesrat. Die Zustimmung der Länderkammer ist wegen des Streits über die Finanzierung aber ungewiss. Bis zur Bundestagswahl im Herbst wird die Zeit immer knapper.

Der Autorin auf Twitter folgen: kathi_diana7

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