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Guaidós schmerzhafte Rückkehr

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Wieder in Venezuela - Guaidós schmerzhafte Rückkehr

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Im Ausland sammelte Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó in den letzten Wochen viel internationale Unterstützung ein. Zu Hause aber erwartet ihn die brutale Realität.

Venezuelas Oppositionsführer Guaidó ist nach Caracas zurückgekehrt. Er war trotz eines Ausreiseverbotes nach Kolumbien, Europa und in die Vereinigten Staaten gereist.

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Weit und breit ist kein Polizist zu sehen, als Juan Guaidó das Flughafengebäude in Caracas verlässt. Der Oppositionsführer ist gerade von seiner erfolgreichen Auslandsreise zurückgekehrt. Schon am Flughafen erwartet Guaidó die erste böse Überraschung, eine Frau beschimpft ihn und bespritzt ihn mit einer Flüssigkeit. Obwohl am Flughafen Maiquetia im Normalfall Dutzende Sicherheitskräfte Dienst tun, greift niemand ein.

Weiter draußen wird es für den selbst ernannten Interimspräsidenten noch unangenehmer: Er wird umringt von einer Gruppe wütender Männer. Journalisten berichten später, Guaidó sei von Anhängern der sozialistischen Regierung von Präsident Nicolas Maduro geschlagen und bespuckt worden. Wieder greift niemand ein. Guaidó soll offenbar seine Macht- und Schutzlosigkeit demonstriert werden.

Mit Druck und Gewalt gegen Guaidó

Nur mit Mühe gelingt es Guaidós Helfern, die Angreifer in Schach zu halten. Das regierungskritische Portal "Tal Cual" berichtet am Abend, Juan Jose Marquez - ein Onkel Guaidós - werde vermisst. Guaidó twitterte entrüstet: "Wir machen Nicolas Maduro und Franco Quintero, Direktor der Sicherheit des Internationalen Flughafens von Maiquetia für seine körperliche Unversehrtheit verantwortlich. Wir fordern seine Freilassung."

Ob es sich bei der Attacke um einen Angriff von Wutbürgern handelte oder - wie es regierungskritische Medien vermuten - um einen gezielten Einschüchterungsversuch durch Maduro nahe "Colectivos", ist nun Gegenstand der Diskussion. Klar ist allerdings, dass für Guaidó die deutlich angenehmere Zeit im Ausland zu Ende gegangen ist und ihn die brutale Realität wieder eingeholt hat.

In den vergangenen Tagen sammelte Guaidó internationale Unterstützung: US-Präsident Donald Trump lud ihn zu seiner "Rede zur Lage der Nation" ein. Im Rahmen seiner Reise führte Guaidó Gespräche mit weiteren hochrangigen Politikern aus Europa und den USA.

Lage in Venezuela bleibt kritisch

Doch an der Ausgangslage in Venezuela hat sich dadurch erst einmal nichts geändert. In den letzten Monaten war es stiller geworden um Guaidó, dessen überraschende Wahl zum Parlamentspräsidenten vor gut einem Jahr der Opposition neue Dynamik verliehen hatte.

Guiadó rief sich wegen des umstrittenen Wahlsieges von Maduro bei den Präsidentschaftswahlen 2018 zum Interimspräsidenten aus. Tatsächlich erlaubt die Verfassung einen solchen Vorgang.

In der Nationalversammlung hat die rechtsgerichtete Opposition seit den Parlamentswahlen von Ende 2015 eigentlich eine klare Mehrheit, doch Maduro stellte das Parlament und damit den Wählerwillen seines Volkes kalt und ersetzte die Nationalversammlung de facto durch eine verfassungsgebende Versammlung mit eigenen Anhängern.

Millionen Menschen auf der Flucht

Die Folge war der Beginn eines Massenexodus, der bis heute anhält. Knapp fünf Millionen verzweifelte Venezolaner sollen das Land bereits verlassen haben, eine weitere Million soll bis zum Ende des Jahres hinzukommen, glauben Experten der UN. Es ist die größte humanitäre Katastrophe des laufenden Jahrhunderts in Lateinamerika.

Guaidós bisherige Pläne, Maduro zum Rücktritt oder zu Neuwahlen mit unabhängigen Beobachtern zu zwingen, schlugen allesamt fehl. Das hat auch seine innenpolitische Position geschwächt. Die Massenflucht ist auch damit zu erklären, dass viele Venezolaner nicht mehr an den Sturz des Regimes Maduros glauben, das sich laut Menschenrechtsorganisationen und Vereinten Nationen mit brutaler Repression wie außergerichtlichen Hinrichtungen und Folter an der Macht hält.

Guaidó beschwört Kampfgeist

Die Auslandsreise mit Rückendeckung aus Europa und den USA sollte Guaidó wieder auf die Beine helfen. "Es fehlt nicht mehr viel", sagte Guaidó vor Anhängern. "Ich rufe alle Sektoren auf, unser Recht auszuüben, einzufordern und zu mobilisieren", beschwörte er sein Lager geradezu. Man werde das Ziel nicht gratis erreichen. Seine Freunde im Ausland hätten zugesagt, den Druck auf das Regime in Caracas weiter zu erhöhen. Das Maduro-Regime wirft ihm deshalb vor, gegen das eigene Vaterland zu arbeiten.

Venezuelas Regierung sieht Guaidó zudem nicht mehr als Parlamentspräsident an. In einer Nacht- und Nebelaktion hatten regierungsnahe Abgeordnete am Tag der turnusmäßigen Neuwahl die Parlamentsmehrheit am Betreten des Gebäudes gehindert und flugs einen eigenen Kandidaten gewählt. Guaidó und die Opposition holten den Wahlgang unter freiem Himmel nach. Er erreichte im Gegensatz zum regierungsnahen und von Maduro prompt anerkannten Kandidaten Luis Parra die Mehrheit der Stimmen.

Für die Maduro-Regierung ist Guaidó seitdem praktisch fast nur noch ein ganz normaler Bürger. Und für einen solchen ist eine Rückkehr vom Flughafen in die gefährlichste Hauptstadt der Welt in einem in sich zusammen gebrochenen Staat ohnehin schon eine lebensgefährliche Aktion. Auch die katastrophale Sicherheitslage treibt die Menschen in Massen aus dem Land.

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