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Präsident Moise erschossen - Haiti: In den Fängen der Kriminalität

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Im ärmsten Land der westlichen Hemisphäre wird Präsident Jovenel Moise erschossen. Der erschreckende Höhepunkt einer langen Entwicklung.

Haitis Präsident Jovenel Moise spricht bei einer Pressekonferenz
Haitis Präsident Jovenel Moise wurde Opfer eines Mordanschlags. Archivfoto
Quelle: reuters

Vieles ist noch Spekulation rund um den Mordanschlag auf Haitis Präsident Jovenel Moise. Bezahlte Auftragsmörder, womöglich nicht aus Haiti, sollen in der Nacht zum Mittwoch in die Residenz des Präsidenten eingedrungen sein und das Staatsoberhaupt erschossen haben.

Tatsache ist: Das ärmste Land der westlichen Hemisphäre hat seit längerer Zeit gravierende Probleme. Moise stand im Zentrum einer tiefen innenpolitischen Krise. Seine Kritiker warfen ihm vor, seine Amtszeit eigenmächtig verlängert zu haben. Ende Februar lief seine Präsidentschaft nach Lesart der Opposition aus, Moise bestand aber auf einer fünfjährigen Amtsperiode. Proteste, die teilweise tödlich endeten, begleiteten die Krise.

Moise, der haitianische Präsident, wurde von unbekannten Angreifern getötet. Sein Amt übernimmt jetzt Ministerpräsident Joseph, obwohl er eigentlich bereits abgesetzt wurde.

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Tote bei "Racheaktion" der Polizei

Erst vor wenigen Tagen sorgte ein Polizei-Massaker für Entsetzen. Ende Juni starben bei einer mutmaßlichen "Racheaktion" der Polizei mindestens 15 Menschen in der Hauptstadt Port-au-Prince. Die Polizisten wollten offenbar die Tötung eines Kollegen rächen. Unter den Todesopfern des Massakers befanden sich auch Aktivisten und Journalisten.

Moise nutzte dies zu einem Appell an den Rest der Welt: "Das Land befindet sich seit 18 Jahren in einem Inferno der Gewalt. Ein höllischer Kreislauf der Unsicherheit. Und dieser Zyklus zwingt uns in eine Situation, in der wir ständig gezwungen sind, das Feuer zu löschen", sagte Moise und fügte gerichtet an bewaffnete Banden hinzu, die im Land ihr Unwesen treiben: "Das Leben eines Banditen ist sehr kurz."

Haiti als Transitland für Drogenlieferungen

Allerdings stand auch Moise im Zentrum von Korruptionsvorwürfen. Seine Regierung soll im sogenannten Petrocaribe-Skandal tief die Kasse gegriffen haben. "Petrocaribe" ist ein Abkommen über subventionierte Erdöllieferungen aus Venezuela an einige Karibikstaaten, zu denen auch Haiti zählt.

In der Amtszeit von Moise begann auch die organisierte Kriminalität zu wachsen. Der schwache Staat gilt als ideales Transitland für Drogenlieferungen. Gewalt und Kriminalität nahmen in jüngster Zeit bedrohlich zu.

Studentenproteste in Haitis Hauptstadt

Im Frühjahr wurden sieben Geistliche der katholischen Kirche entführt. Fünf Priester und zwei Ordensfrauen, darunter zwei französische Staatsbürger bangten um ihr Leben. Die Kirche trat sogar vorübergehend in einen Streik, um gegen die wachsende Zahl von Express-Entführungen zu demonstrieren.

Wochen zuvor waren Studenten der Staatlichen Universität in der Hauptstadt Port-au-Prince auf die Straße gegangen, um gegen den Mord des Universitätsdozenten Me Monferrier Dorval zu demonstrieren. Dorval war vor seinem Haus nahe der Residenz von Staatspräsident Moise ermordet worden.

In Haiti forderten hunderte Demonstranten den vorzeitigen Rücktritt von Präsident Moise. Bei den Protesten wurden mehrere Menschen verletzt.

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UN: Kriminalität bei völliger Straflosigkeit

Es gab im Vorfeld mahnende Stimmen: Die Kirche warnte angesichts der desaströsen wirtschaftlichen Lage durch Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Wirbelstürme, die Pandemie, aber auch durch eine korrupte Politik-Elite vor einer "sozialen Explosion". Das UN-Menschenrechtskommissariat stellte jüngst fest: Entführungen wegen Lösegeld, Angriffe krimineller Banden gegen rivalisierende Nachbarschaften und weit verbreitete Unsicherheit in einem Umfeld fast völliger Straflosigkeit hätten zugenommen.

Was das bedeutet, zeigte der Fall der ermordeten Studentin Evelyne Sincere (23) vor einem halben Jahr. Die 23-Jährige war entführt worden. Ihre Geiselnehmer forderten als Lösegeld 100.000 US-Dollar, die die Familie aber nicht zahlen konnte. Tage später wurde die Leiche der jungen Frau auf einer Müllhalde gefunden. Sie wies Spuren einer brutalen Vergewaltigung und Folter auf. Aus Protest stellte der Sender "Radio Caraibes"  für mehrere Stunden sein Programm ab.

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