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FAQ

Das Arsenal von Hamas und Co. - Diese Raketen sind auf Israel gerichtet

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Seit Dienstag gilt in Israel fast durchgehend Luftalarm. Mindestens 13.000 Raketen sollen militante Gruppen in Gaza haben. Woher kommen die Raketen und wie verteidigt sich Israel?

In der Nacht kam es erneut zu Luftangriffen zwischen Israel und Palästina, betroffen das Gebiet von Aschkelon bis Tel Aviv. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Tote und Verletzte.

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Mehr als 1.000 Raketen haben militante Gruppen aus dem Gazastreifen bislang auf Israel abgefeuert. Dabei reichten sie erstmals bis ins Stadtzentrum von Tel Aviv, ins 30 Kilometer weiter nördliche Netanja und nach Jerusalem. Bislang starben in Israel fünf Menschen durch diesen Beschuss.

Was sind das für Raketen?

Die beiden großen militanten Organisationen im Gazastreifen, Hamas und die mit ihr teils kooperierende, teils unabhängig agierende Gruppe Islamischer Dschihad (PIJ), haben ein sehr umfangreiches Arsenal angehäuft. Dazu kommen viele kleinere Gruppen.

ZDFheute hat mit Fabian Hinz, Analyst für Sicherheitspolitik mit Schwerpunkt Raketen im Nahen Osten, gesprochen. Er hat unter anderem beim "International Institute for Strategic Studies" über Raketentechnologie im Nahen Osten publiziert:

Es war bekannt, dass verschiedene Gruppierungen ihr Raketenarsenal massiv ausgebaut haben und auch, dass die Zahl der ihnen zu Verfügung stehenden Raketen in den Tausendern liegt, wurde von israelischen Quellen mehrfach bestätigt.
Fabian Hinz, Analyst für Sicherheitspolitik

"Was jedoch überrascht, ist zum einen der Wille, den Raketenbeschuss innerhalb von kurzer Zeit so massiv zu eskalieren und zum anderen die Fähigkeit zum gleichzeitigen Abschuss von massiven Salven inklusive auf Fernziele wie Tel Aviv", so Hinz zu ZDFheute.

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Die "Jerusalem Post" berichtet unter Berufung auf Geheimdienstinformationen von mindestens 13.000 Raketen im Vorrat beider Gruppen. Darunter sind mehr als ein Dutzend verschiedener Modelle – von vergleichsweise kleinen Qassam-Raketen mit einer Reichweite, die vor allem Städte wie Sderot entlang der Grenze bedrohen, bis hin zu Modellen wie M302/Khaibar-1 oder A-120, die weite Teile des Landes erreichen können. Sie alle kamen in den vergangenen Stunden zum Einsatz.

Bettina Marx (Heinrich-Böll-Stiftung, Ramallah) berichtet über unzufriedene palästinensische Jugendliche. Der Konflikt mit Israel werde andauern, die Hamas mache mit dem Raketenbeschuss deutlich, "dass sie nicht an einem Waffenstillstand interessiert …

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Woher stammen diese Raketen?

Der Raketen-Nachschub in Gaza steht auf zwei Standbeinen – und bei beiden spielt Iran eine wichtige Rolle: Schmuggel aus dem Ausland und lokaler Raketenbau.

"Lange Zeit verlief der Schmuggel über das damals freundliche sudanesische Regime von Omar al-Bashir. Vom Iran oder von Syrien aus wurden die Raketen in den Sudan gebracht", so Hinz. "Von dort aus mithilfe privater Schmuggler über den Landweg durch Ägypten und den Sinai und schließlich durch die Tunnel nach Gaza geschmuggelt."

Inzwischen habe sich der Sudan jedoch von Iran abgewendet. Zudem sei diese Option relativ gefährlich und teuer. Den Seeweg blockiere Israel.

"Der deutliche Schwerpunkt liegt in den letzten Jahren auf der lokalen Produktion von Raketen", sagt Hinz. Sie sei inzwischen so weit fortgeschritten, dass auch Tel Aviv erreicht werden könne.

Es ist Irans explizite Strategie, seine Verbündeten zur Produktion eigener Raketen zu ertüchtigen und die dafür nötige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.
Fabian Hinz, Analyst für Sicherheitspolitik

Die Badr-3-Rakete von PIJ etwa sei im Iran entwickelt und getestet worden, sagt Hinz. "Allerdings mit dem Ziel, sie schließlich in Gaza produzieren zu lassen."

Welche Strategie verfolgt der Raketenbeschuss?

Laut Hinz sei die Koordination von Hamas und PIJ bei den aktuellen Angriffen sehr eng. "Die klare Strategie besteht im Versuch, Israels Abwehrsystem Iron Dome zu überwältigen. Iron Dome hat sich bislang als enorm effizient zur Abwehr von Kurzstreckenraketen erwiesen. (…) Bei massiven Angriffen, wie wir sie jetzt sehen, kann Iron Dome an seine Grenzen kommen."

"Wir sehen jetzt schon eine Anzahl von Raketeneinschlägen, Verletzten und Verwundeten, die es so in kleineren Eskalationsrunden nicht gegeben hat", betont Hinz.

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Wie funktioniert das Abwehrsystem Iron Dome?

Seit 2010 schützt Israel bewohnte Gebiete mit dem Iron Dome genannten Raketenabwehrsystem. Es besteht aus mehreren Einheiten, jedes inklusive Radar und Leitstelle, die den Himmel überwachen und berechnen, wo eine abgefeuerte Rakete einschlagen wird.

Falls Menschen gefährdet sind, steigen Abfangraketen auf – jede davon etwa 50.000 Euro teuer. Die Erfolgsquote soll laut den Herstellerfirmen Rafael und Raytheon bei 90 Prozent liegen. Unabhängig überprüfbare Angaben gibt es dazu aber nicht. Was ebenfalls schützt: Sehr viele Gebäude in Israel haben besondere bauliche Maßnahmen gegen Raketenbeschuss - bis hin zu Bunkern.

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Reichen Luftschläge Israels, um diese Bedrohung zu stoppen?

Laut dem Generalstabschef der israelischen Streitkräfte, Aviv Kochavi, wurden bislang mehr als 500 Luftschläge gegen Ziele im Gazastreifen ausgeführt. Mindestens 35 Menschen starben durch israelische Bombardierungen in Gaza. Ob das die Fähigkeiten, Raketen abzufeuern begrenzt hat, ist noch nicht klar. Am Mittwoch ging der Beschuss weiter.

"Prinzipiell ist es schwierig, der Bedrohung durch Raketenangriffe allein durch Luftangriffe Herr zu werden", sagt Hinz.

Selbst wenn es der IDF gelingen sollte, große Teile des Raketenarsenals und der Produktionsinfrastruktur zu zerstören, können diese nach Ende des Konflikts wohl relativ schnell wieder aufgebaut werden.
Fabian Hinz, Analyst für Sicherheitspolitik

Bislang ruhig geblieben ist es an der Nordgrenze Israels. Im Libanon verfügt die Hisbollah ebenfalls über Raketen, die sie in zurückliegenden Konflikten gegen zivile Ziele in Israel einsetzte. "Schätzungen gehen davon aus, dass die Hisbollah bis zu 150.000 Raketen besitzt, von denen viele, im Gegensatz zu den Systemen in Gaza, über deutlich schwerere Sprengköpfe, größere Reichweiten und teils über Präzisionssteuerung verfügen", sagt Hinz.

Ein heißer Konflikt zwischen beiden Seiten könnte so massive Konsequenzen haben, dass man sehr vorsichtig sei, um Scharmützel nicht zum offenen Krieg eskalieren zu lassen.

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von Nils Metzger
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