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Warum Wahlforscher die AfD zunächst unter fünf Prozent sahen

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Umfrage, Prognose, Hochrechnung - Warum Wahlforscher die AfD zunächst unter fünf Prozent sahen

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Die AfD wird in Hamburg voraussichtlich in die Bürgerschaft einziehen. Die Prognose nach Schließung der Wahllokale sah die Partei noch unter der Fünf-Prozent-Hürde. Wie kommt das?

Ein Hamburger Wähler steckt seinen Stimmszettel in eine Wahlurne
In Hamburg wurde am Sonntag eine neue Bürgerschaft gewählt.
Quelle: dpa

Sonntag, 18 Uhr. Die Freude bei der SPD, den Grünen und den Linken ist groß. Nicht nur wegen des Abschneidens der eigenen Partei. Die ZDF-Prognose nach Schließung der Wahllokale sieht die AfD nämlich bei nur 4,8 Prozent der Stimmen, die ARD-Prognose bei 4,7 Prozent. Würde es dabei bleiben, hätte die rechtspopulistische Partei den Einzug in die Hamburger Bürgerschaft verpasst. Doch die Prognosen bestätigen sich nicht. Die Hochrechnungen am späten Abend sehen die AfD bereits über der Fünf-Prozent-Hürde, ebenso wie das vorläufige Ergebnis der Vorabauszählung am Montag. Wie ist das zu erklären?

"Die Prognose um 18 Uhr beruht ausschließlich auf der Umfrage vor den Wahllokalen und basiert somit auf freiwilligen Angaben der Urnenwähler", erklärt Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen, die für das ZDF Prognosen und Hochrechnungen erstellt. Zudem lägen zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Erkenntnisse für die Briefwahl vor.

Balkengrafik des vorläufigen Endergebnisses

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"Normalerweise haben wir für die 19-Uhr-heute-Sendung eine belastbare Hochrechnung, bei der auch eine nennenswerte Zahl ausgezählter Ergebnisse in den Wahllokalen vorliegt", sagt Jung. "Aufgrund des komplizierten Wahlrechts in Hamburg mit fünf Stimmen, Kumulieren und Panaschieren dauert die Auszählung in den Wahllokalen aber viel länger, so dass selbst bei den Hochrechnungen gegen 20 Uhr noch nicht ausreichend ausgezählte Stimmbezirke vorgelegen haben."

Korrekturen bei rechten Parteien

Die Abweichung von 0,5 Prozentpunkten zwischen der 18-Uhr-Prognose und der in der Nacht veröffentlichten Vorabauszählung des Landeswahlleiters sei "statistisch gesehen vollkommen in Ordnung". Deshalb habe die Forschungsgruppe bei der Prognose und allen Hochrechnungen darauf hingewiesen, dass ein Prognosewert von 4,8 oder 5 Prozent noch lange nichts darüber aussagen kann, ob es für die jeweilige Partei reicht oder nicht.

Begriffe am Wahlabend

Hinzu kommt noch ein weiteres Phänomen: "Traditionell gibt es eine unterdurchschnittliche Bekenntnisbereitschaft bei Anhängern rechter Parteien", erklärt Jung. Sprich: Nicht jeder, der AfD wählt, kreuzt sie auch auf dem Stimmzettel der Wahlforscher an. Deshalb sei es notwendig, dies durch entsprechende Erfahrungswerte zu korrigieren. "Dadurch wurde bei den letzten Wahlen das AfD-Ergebnis bei der Prognose gut getroffen", unterstreicht der Wahlforscher.

"Offensichtlich haben die Ereignisse in Hanau zu einem noch stärkeren Rückgang der Bekenntnisbereitschaft dieser Wähler geführt, was einen geringfügig höheren Korrekturbedarf erfordert hätte. Allerdings reden wir hier von etwa 0,5 Prozentpunkten."

Die wichtigsten Zahlen und Infos zur Wahl in Hamburg finden Sie hier:

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