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Nach Thüringen wählt Hamburg - Alles nicht so einfach

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Eine Woche vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg konkurrieren die Koalitionspartner SPD und Grüne. Die Kandidaten von FDP und CDU bekommen den Thüringen-Effekt zu spüren.

In Hamburg wird demnächst die Bürgerschaft gewählt. SPD und Grüne liegen laut Prognosen vorne. Welche Folgen haben Thüringen und der Rücktritt von Kramp-Karrenbauer für die Wahl an der Elbe?

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Ach, es könnte so harmonisch sein an der Elbe. Und so einfach. Rot-grün könnte einfach weitermachen. Die Elbphilharmonie steht und ist ein Tourismusmagnet. 10.000 neue Wohnungen pro Jahr versprochen, Versprechen gehalten. Mit dem Start der Elbvertiefung den Hafen gestärkt, das wirtschaftliche Herz der Stadt. Die Uni ist jetzt Exzellenzuniversität. Es werden neue Lehrer eingestellt, neue Schulen gebaut, neue Bus- und U-Bahnlinien eingerichtet.

Hamburg von vorne regieren

Ach, es könnte so einfach sein. Wäre da nicht der plötzliche Machtanspruch des Juniorpartners. Erste Frau, erste Grüne, erste Wahl plakatiert Katharina Fegebank. Und will einfach mal die Machtverhältnisse in der seit fünf Jahren regierenden rot-grünen Koalition umkehren. "Unser Ziel ist, am Ende vorne zu sein und auch die Stadt von vorne zu regieren." Allerdings sind die Hochzeiten in den Umfragen, in denen die Grünen mit der SPD gleichauflagen, vorbei. Der Rückstand auf die Sozialdemokraten beträgt laut Politbarometer vom Freitag mehr als zehn Prozentpunkte.

Hamburg: Wahlplakate der Burgerschaftswahl 2020

Vor der Bürgerschaftswahl -
Das sind die Kandidaten für Hamburg
 

Noch rund eine Woche bis zur Wahl in Hamburg. Wer sich in das Amt des Ersten Bürgermeisters wählen lassen möchte und wofür die Kandidaten stehen: ein Überblick.

Und so einfach ließe sich der Amtsinhaber ohnehin nicht vom Thron stoßen. Peter Tschentscher, erst seit zwei Jahren Erster Bürgermeister der Hansestadt - und das auch nur, weil Vorgänger Olaf Scholz als Finanzminister und Vizekanzler nach Berlin wechselte -, hat Gefallen an seinem Amt gefunden. Und will es behalten. Nach Werten unter 30 Prozent im Januar zeigt die Formkurve eindeutig nach oben.

Man muss auch können

Der als ruhig und besonnen geltende 54-jährige hat sich viel Sympathie und Anerkennung erarbeitet. Und zeigt Kampfgeist. Mantraartig wirbt er mit sozialdemokratischen Erfolgen, den 10.000 neuen Wohnungen pro Jahr etwa, oder dem massiven Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs. Und teilt mit deutlichen Worten auch gegen den Koalitionspartner aus: "Man muss nicht nur wollen, man muss auch können."

"Dieses Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Grünen und SPD, was am Anfang so spannend aussah, hat sich ein bisschen aufgelöst", so Ralf Zimmermann von Siefart, ZDF-Studioleiter in Hamburg.

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Können wollten auch CDU und FDP: nämlich mitregieren. In einer Deutschlandkoalition etwa mit der SPD. Doch Sie ahnen: so einfach ist das nicht. Nicht nach Thüringen. Zerstörte Wahlplakate, Pöbeleien im Straßenwahlkampf, Absturz in den Umfragen - vor allem die FDP bekommt die Folgen des Tabubruchs von Erfurt zu spüren.

Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels, die laut Politbarometer nun gar um den Wiedereinzug in die Bürgerschaft fürchten muss, ist sichtlich frustriert:

Das Thema Thüringen ist für mich eine Vollkatastrophe gewesen.
FDP-Sitzenkandidatin Anna von Treuenfels

Nicht viel einfacher die Situation für die Hamburger CDU. Im Gegenteil. Auch ihr Spitzenkandidat Marcus Weinberg muss sich auf den Marktplätzen vorwerfen lassen, dass seine Partei in Thüringen "mit Faschisten paktiert" habe. Bitter für den 52-jährigen, der als Mann liberaler und ausgleichender Positionen gilt. Und auch der Führungs- und Richtungsstreit in der Bundespartei sorgt nicht nur an der Spree, sondern auch an der Elbe für Unruhe. "Solche Irrungen und Wirrungen wenige Tage vor einer Wahl" seien nicht hilfreich, beklagt Weinberg. Tatsächlich liegt die CDU aktuell sogar noch unter dem historisch schlechten Wahlergebnis von 2015 von 15,9 Prozent.

Kein Ramelow-Bonus

Dass nun Die Linke und die AfD in Hamburg so einfach aus den Turbulenzen der Anderen Profit in Form von Prozenten schlagen, scheint eher unwahrscheinlich. Ein "Ramelow-Solidaritätsbonus" für die Linkspartei und ihre Spitzenkandidatin Cansu Özdemir ist laut Politbarometer bislang zumindest nicht erkennbar. Da liegt die Linkspartei bei acht Prozent. Und auch Dirk Nockemann, Spitzenkandidat der AfD, fällt es offensichtlich schwer, die Wähler davon zu überzeugen, dass er eine Alternative für Hamburg ist. Mit sieben Prozent ist der ehemalige Innensenator deutlich von der anvisierten Zweistelligkeit entfernt.

Und so spricht eine Woche vor der Wahl Vieles für eine Fortsetzung von Rot-Grün. Es könnte aber doch noch einmal spannend werden. Laut Medienberichten hat die Hamburger SPD unter Olaf Scholz auf Steuerrückzahlungen einer Privatbank im Zusammenhang mit sogenannten Cum-Ex-Geschäften verzichtet. Der Schaden demnach: 47 Millionen Euro. Tschentscher, damals Finanzsenator, weist die Vorwürfe zurück. Dass er aus der Nummer ungeschoren rauskommt, ist allerdings nicht sicher.

Sicher ist nur eines: sie hat im Wahlkampf gelitten, die Harmonie an der Elbe. Und das macht es eben nicht einfacher.

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