ZDFheute

Die Rhetorik der AfD: Die Saat des Rassismus

Sie sind hier:

Nach dem Anschlag in Hanau - Die Rhetorik der AfD: Die Saat des Rassismus

Datum:

Wie viel Anteil hat die AfD-Rhetorik am Rechtsextremismus? Das Manifest des Attentäters von Hanau überschneidet sich an einigen Stellen mit AfD-Narrativen.

AfD
Nicht so plakativ wie diese Fähnchen, aber der AfD-Sprech findet sich auch im Manifest des Täters von Halle.
Quelle: Daniel Karmann/dpa

Die AfD-Führung ist derzeit bemüht, die Morde von Hanau als "Tat eines Geisteskranken" (Tino Chrupalla, Parteichef) darzustellen. "Weder rechter noch linker Terror"  (Jörg Meuthen, Parteichef) noch ein "politisches Ziel" (Alexander Gauland, Ehrenvorsitzender) sei daraus zu erkennen.

Vielmehr zeige das Verbrechen "schlimme, schreckliche Zustände in unserem Land" (Stephan Brandner, stellv. Parteichef) und dass sich der "Wahnsinn" in diesem Land immer mehr ausbreite (Björn Höcke, Landesvorsitzender Thüringen).

AfD: Schuld ist die Flüchtlingspolitik

Der Berliner Fraktionschef Georg Pazderski fragt gar: "Ist das wirklich noch das 2017 von der Merkel-CDU beschworene 'Deutschland in dem wir gut und gerne leben'?" Es wird versucht, den Eindruck zu erwecken, ausgrenzende und rassistische AfD-Rhetorik habe keinen Anteil am gesellschaftlichen Klima, in dem Taten wie in Hanau geschehen.

Schuld habe - zumindest indirekt -  stattdessen die Migrations- und Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Zynischerweise findet sich eben dieses Narrativ auch im Manifest des mutmaßlichen Attentäters von Hanau:

"Einerseits ist mein Volk mit dafür verantwortlich, dass wir die Menschheit als Ganzes emporgehoben haben, andererseits wiederum haben offenbar gewisse Personen aus meinem eigenen Land mit dazu beigetragen, dass wir nun Volksgruppen, Rassen oder Kulturen in unserer Mitte haben, die in jeglicher Hinsicht destruktiv sind."

Widerstand-Rufe bei Pegida-Demo

Zwei Tage vor dem Massaker rief der thüringische Landesvorsitzende Björn Höcke diese Sätze Pegida-Anhängern in Dresden zu: "Diese verbrauchten Parteien lösen unser Deutschland auf, wie ein Stück Seife unter einem lauwarmen Wasserstrahl. Drehen wir diesen Wasserstrahl jetzt gemeinsam ab, liebe Freunde."

Immer wieder im Laufe des Abends hallten "Widerstand, Widerstand"-Rufe über den Platz. Das Narrativ, das deutsche Volk würde aufgelöst von den Eliten, ist eines der prominentesten in der AfD.


Zwischen dem Täter von Hanau und der AfD gebe es eine „Gemeinsamkeit im Rassismus“, in der „Ungleichwertigkeits-Ideologie“, sagt der Soziologe Matthias Quent. Und: Rassismus-Betroffene hätten nicht nur Angst vor Gewalt, sondern auch vor der AfD.

Beitragslänge:
4 min
Datum:

Das Land und seine Tradition würde durch fremde Volksgruppen und Kulturen bedroht, düstere Szenarien werden beschworen, gegen die es sich zu wehren gelte, etwa von Höcke beim "Flügel"-Treffen 2018:

"Es ist nicht auszuschließen, dass in 50 Jahren fremde Völkerschaften durch unsere verlassenen Bibliotheken, Konzertsäle, Universitäten und Parlamentsgebäude streifen werden und sich die Frage stellen könnten, wie es möglich war, dass eine so hochstehende Kultur sich einfach aus ihnen hat hinwegfegen lassen."

Mehr zu Björn Höcke und den aktuellen Kurs der AfD sehen Sie im Video:

Noch vor ein paar Jahren haben sich viele in der AfD von Björn Höcke distanziert, er war ihnen zu rechts. Doch mittlerweile hat sein ultrarechter "Flügel" massiv an Macht innerhalb der Partei gewonnen.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Höcke: "Wohltemperierte Grausamkeiten"

Und so fordert Höcke in seinem Buch mehr als "ein paar Korrekturen und Reförmchen" stattdessen ein "großangelegtes Remigrationsprojekt", bei dem eine Politik der "wohltemperierten Grausamkeiten" wohl unvermeidbar sei, ebenso wie "menschliche Härten und unschöne Szenen". Der mutmaßliche Attentäter von Hanau schreibt in seinem Manifest:

"…dass die straffälligen Ausländer nur eine Seite der Medaille sind, denn auf der anderen Seite stehen Deutsche, welche entweder ignorant sind oder zu schwach oder zu dumm, um das Problem zu lösen, sprich alle wieder außer Landes zu schicken. Hier können historische Gründe eine Rolle spielen (…)."

Hanau-Täter streift AfD-Narrativ

Damit streift er nicht nur das in der AfD weitverbreitete "Schuld-Kult"-Narrativ, nachdem Deutschland angeblich aus einer falsch verstandenen historischen Verantwortung (insbesondere für den Holocaust) heute eine einwandererfreundliche Politik mache.

Bundeskanzlerin Merkel nannte Rassismus als das "Gift unserer Gesellschaft". Mehr dazu im Video:

Auch aus der Politik äußern sich viele zum Anschlag in Hanau. Bundeskanzlerin Merkel stellte die Tat in eine Reihe mit NSU und dem Mord an Walter Lübcke.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Er klingt mitunter auch ähnlich wie der innenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag, Gottfried Curio, der für eine angebliche "Umsiedlungs- und Zersetzungsmigration" primär die Regierenden im Kanzleramt verantwortlich macht, die darüber schwiegen und deshalb auf die "Anklagebank" gehörten.

"Passdeutsche": Überschneidung bei Rassismus

Die Beispiele für pauschale rassistische Herabwürdigung von Muslimen ließen sich fortführen. Ein Zitat von Fraktionschefin Alice Weidel, die im Bundestag von "Kopftuchmädchen, alimentierten Messermännern und sonstige Taugenichtsen" sprach, wäre als eines der bekannteren zu nennen.

Eine weitere Narrativ-Überschneidung ist das Differenzieren in quasi wahre Deutsche und "Passdeutsche", das sich im Manifest wiederfindet:

"Wobei ich anmerkte, dass nicht jeder der heute einen deutschen Pass besitzt reinrassig und wertvoll ist", schreibt der mutmaßliche Attentäter.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Protschka, Mitglied im Bundesvorstand seiner Partei, unterschied in der Vergangenheit schon auf Twitter: "Es war ein Kenianer, ein #Passbeschenkter, aber kein Deutscher" und die AfD-Bundestagsfraktion kritisierte auf Facebook: "Aus Passdeutschen werden kurzerhand Deutsche, um die Kriminalitätsstatistik zu entbunten."

Der Anschlag in Hanau ist politisch

Auch wenn das Manifest des mutmaßlichen Attentäters tatsächlich tief in eine geisteskranke Wahnwelt blicken lässt, so ist es eben die Wahnwelt eines Verschwörungstheoretikers, Rechtsextremen und Rassisten. Fragmente seines abartigen Rechtfertigungsschreibens finden sich auch in Narrativen, die in der AfD verbreitet sind.

Wer das Politische dieser Tat leugnet, verhöhnt so die Opfer. Die, deren Namen mittlerweile bekannt sind, hießen Ferhat, Gökhan, Mercedes, Hudson, Said, Sedat, Hamza.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Anschlag in Hanau im Liveticker:

Ein Demonstrationszug zieht durch die Hanauer Innenstadt, auf einem Banner steht "Rechter Terror - Null Toleranz", 22.02.20

Nach dem Anschlag - Tausende demonstrieren in Hanau

Hanau setzt ein Zeichen gegen rechts: Drei Tage nach dem Anschlag haben Tausende in der Stadt demonstriert. In emotionalen Reden wurde an die Toten erinnert. Mehr im Blog.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.