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Fünf Stunden vom ersten Schuss bis zum Zugriff

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Hanau im Innenausschuss - Fünf Stunden vom ersten Schuss bis zum Zugriff

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Tobias R. gab 52 Schuss ab, ging sehr strategisch vor und wurde kurz vor der Tat von einem Ordnungsbeamten angesprochen. Im Innenausschuss wurden Details zum Anschlag offengelegt.

Archiv: Blumen liegen in der Nähe des Tatorts in der Innenstadt von Hanau am 20.02.2020.
Der Innenausschuss des Bundestages kommt zu einer Sondersitzung zum rassistischen Anschlag in Hanau zusammen.
Quelle: DPA

Auch wenn die Polizisten relativ schnell am ersten Tatort in Hanau eintrafen, wirft der Einsatz der hessischen Polizei noch einige Fragen auf. Diese wurden heute im Bundesinnenausschuss diskutiert.

Tobias R. ist bei seinem Anschlag im hessischen Hanau trotz seiner psychischen Erkrankung sehr kalkuliert und kaltblütig vorgegangen. Wie die Mitglieder des Innenausschusses des Bundestages am Donnerstag berichteten, war er etwa eine Stunde vor Abgabe des ersten Schusses in der Nähe des ersten Tatorts von einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes angesprochen worden, weil sein Auto auf einem Behindertenparkplatz stand. Er habe nicht aggressiv reagiert und sein Fahrzeug umgeparkt, erfuhren die Sitzungsteilnehmer demnach von Generalbundesanwalt Peter Frank.

Tobias R. ging sehr strategisch beim Anschlag vor

Hinweise über mögliche Mitwisser oder Unterstützer gebe es bislang nicht, berichteten die Abgeordneten weiter. Allerdings warteten die Ermittler noch auf Auskünfte des FBI zu möglichen Kontakten von Tobias R. während einer Reise in die USA im November 2018.

Den Angaben zufolge erschoss Tobias R. am Mittwoch vergangener Woche in Hanau innerhalb von rund zwölf Minuten neun Menschen. Er suchte offensichtlich gezielt Menschen mit ausländischen Wurzeln als Opfer aus und erkundschaftete vor seiner Tat die Shisha-Bars, in denen er später seinen Anschlag verübte. Er sei "sehr strategisch und planvoll vorgegangen", sagte Konstantin von Notz von den Grünen.

So war der Ablauf in Hanau

  • Die Abgeordneten berichteten unter Berufung auf Frank, der Attentäter habe um 21:58 Uhr zuerst einen Menschen auf der Straße erschossen. Dann sei er geflohen und habe unterwegs einen zweiten Menschen getötet, bevor er weiter zur Bar Midnight fuhr und dort vier Schüsse durch die Tür abgab. Unterdessen gingen die ersten Notrufe bei der Polizei ein.
  • Um 22:03 Uhr sei der erste Einsatzwagen am ersten Tatort gewesen, hieß es. An der Bar Midnight sei ein Mensch gestorben, berichteten die Abgeordneten. Als er weiterfuhr, tötete der Mann demnach einen weiteren Menschen. Im Vorraum eines Kiosks habe er noch vier Menschen getötet. In der benachbarten Arena Bar gab es demnach einen Toten und mehrere Verletzte.
  • Um 22:10 Uhr sei der Todesschütze mit dem Auto zur Wohnung seiner Eltern gefahren.
  • Dort soll sein Auto - nach Auswertung einer Video-Aufnahme und Kennzeichen-Abfrage - um 23:10 Uhr festgestellt worden sein. Wie ein Abgeordneter berichtete, klingelte die Polizei erst vergeblich an der Tür. Dann sei eine Drohne losgeschickt worden, um durch das Fenster schauen zu können.
  • Das Spezialeinsatzkommando sei um 3:03 Uhr in die Wohnung eingedrungen, berichteten mehrere Teilnehmer der Sitzung übereinstimmend.

Ihren Angaben zufolge lag die Mutter tot im Wohnzimmer. Die Leiche von Tobias R. sei am Kellerabgang gefunden worden. Die Grünen fragten, warum es so lange gedauert habe, bis die Polizei zugriff. "Offen bleibt derzeit die Frage, warum die hessische Polizei nicht sofort die zuständigen Anti-Terror-Einheiten des Bundes gerufen hat", sagte der CDU-Innenpolitiker Marian Wendt.

Der Innenausschuss wurde von den Chefs der Sicherheitsbehörden über den Stand der Ermittlungen informiert.

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Trägt die AfD eine Mitverantwortung?

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg (CDU), sagte, er sehe "eine ganz klare Mitverantwortung" der AfD für die rechtsextremistisch motivierten Anschläge der vergangenen Monate. Sie habe zu einer Radikalisierung in der Gesellschaft beigetragen und solle sich jetzt "nicht herausreden".

Die Abgeordnete Martina Renner (Die Linke) gab der AfD und der islamfeindlichen Pegida-Bewegung aus Dresden eine Mitverantwortung. Sie hätten "die Opfer markiert", die dann von Neonazis und bewaffneten Rassisten ermordet worden seien.

Diskussion um schärfere Waffengesetze

Der 43-jährige Tobias R. besaß eine Waffenerlaubnis. Abgeordnete der Union regten an herauszufinden, ob die Vorschriften zur Überprüfung von Waffenbesitzern in den Ländern richtig umgesetzt werden. Vorher sei es nicht sinnvoll, über eine Verschärfung des Waffenrechts zu sprechen, sagte die Ausschussvorsitzende Andrea Lindholz (CSU).

Archiv: Handfeuerwaffe vom Typ Sig Sauer P226, Kaliber 9mm.

Hanau-Attentäter -
Die Waffen des Tobias R.
 

Der mutmaßliche Täter von Hanau, Tobias R., hat legal zwei Waffen besessen. Erst im August wurde dies überprüft. Seine psychische Gesundheit wurde dabei nicht kontrolliert.

von Julia Klaus

Der Täter gab 52 Schuss ab

Die Polizei fand nach Angaben von Teilnehmern der Sitzung drei Schusswaffen: eine lag im Auto, eine bei der Leiche von Tobias R., eine weitere an einem anderen Ort in der Wohnung. Die Abgeordneten erfuhren, der Todesschütze habe insgesamt 52 Schuss abgegeben. Im Wagen lagen noch 18 weitere Patronen. In einem Rucksack in seinem Zimmer fanden Ermittler demnach später noch 350 Patronen.

Tobias R. litt offensichtlich unter Wahnvorstellungen. Er hatte im November 2019 ein Schreiben an den Generalbundesanwalt geschickt, in dem er erklärte, er werde illegal überwacht.

Seehofer als Anti-Rassismus-Beauftragter

Die Sondersitzung des Innenausschusses begann mit einer Gedenkminute für die Opfer des Anschlags. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, es gebe aktuell eine "hohe Bedrohungslage" durch Rechtsextremismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Er sei jetzt im Gespräch mit islamischen Gemeinden dazu, wie Moscheen am besten geschützt werden könnten.

Helge Lindh (SPD) schlug die Benennung eines Anti-Rassismus-Beauftragten der Bundesregierung vor. Seehofer sagte nach Angaben von Petra Pau (Linke), er selbst sei der oberste Anti-Rassismus-Beauftragte.

Bundestagsgremien tagen zu Hanau -
Horst Seehofer: "Blutspur" des Rechtsterrors
 

Der rassistische Anschlag in Hanau ist heute Thema im Innenausschuss. Seehofer spricht von einer "Blutspur" des Rechtsterrorismus seit den Morden des rechtsextremen NSU.

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