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Rassismus, Verschwörungen und Verfolgungswahn

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Was über Täter und Opfer bekannt ist - Rassismus, Verschwörungen und Verfolgungswahn

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Der mutmaßliche Täter von Hanau lebte in einer eigenen Welt. In einem kruden Schreiben äußerte er rassistische Ansichten, glaubte an Gedankenüberwachung durch Geheimdienste.

Screenshot: Tobias R., aufgenommen am 20.02.2020
Tobias R. verbreitet in einem seiner Videos krude Verschwörungstheorien.
Quelle: Website des mutmaßlichen Täters

Stunden nach den Todesschüssen in Hanau wird immer klarer: Der Täter Tobias R. lebte in seiner eigenen Wahnwelt. Auf seiner Webseite, die mittlerweile gelöscht ist, bekommt man einen Einblick in R.s Leben und seine Ideologie. Der 43-Jährige, der nie polizeilich in Erscheinung getreten und auch dem Hessischen Verfassungsschutz unbekannt war, führte nach eigenen Angaben ein unauffälliges Leben.

Geboren und aufgewachsen in Hanau, nach Abitur und Zivildienst Ausbildung zum Bankkaufmann in Frankfurt, danach BWL-Studium in Bayreuth. Nach Aussage des Hessischen Innenministers Peter Beuth soll er Sportschütze gewesen sein und einen Waffenschein besessen haben. Eine Frau oder Freundin hatte R. nach eigenen Angaben nie.

Aus den Worten des Täters von Hanau spreche eine Verquickung aus Wahnwelt und rassistischer Gesinnung, so Felix Zimmermann von der ZDF-Rechtsredaktion. Es wird weiter ermittelt.

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"Geheimdienst" sei Schuld daran, dass R. nie eine Freundin hatte

Die Schuld dafür gibt R. einem ominösen "Geheimdienst", der ihn nach seiner festen Überzeugung "bereits ein Leben lang beobachte". Das schreibt Tobias R. in einem von insgesamt drei Anhängen, die er auf seiner Website veröffentlichte und die dem ZDF vorliegen.

Diese Äußerung lässt auf eine Nähe zu der "Incel"-Bewegung schließen. Als "Incel" bezeichnen sich im Internet vorwiegend weiße Männer, die unfreiwillig keine Partnerin haben. Als solcher hatte sich unter anderem jener Mann bezeichnet, der 2018 mit einem Wagen in Toronto in eine Menschenmenge raste.

In Hanau versammeln sich am Tag nach dem Anschlag Menschen zu einer Mahnwache, auch Bundespräsident Steinmeier ist vor Ort. Die Stimmung schildert ZDF-Reporter Stefan Schlösser.

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In dem ausführlichsten der drei Textdateien richtet Tobias R. sich "an das gesamte deutsche Volk". Darin offenbart er auf 24 Seiten seine krude Weltsicht und ideologischen Überzeugungen. Er ist Anhänger verschiedener, vor allem im amerikanischen Raum verbreiteter Verschwörungstheorien.

R. führte Unterhaltung mit "unsichtbaren Menschen"

Tobias R. fühlte sich nach eigenen Angaben ständig überwacht von "Geheimdiensten", die in der Lage seien, "die Gedanken eines anderen Menschen lesen zu können und sich in diese manipulativ einklinken zu können". Er schreibt, er hätte bereits in seiner "Studentenwohnung mit den unsichtbaren Menschen" gesprochen.

Desweiteren schreibt R. von einer "Schattenregierung" - also einem Geheimdienst, der heimlich im Untergrund die Geschicke des Staats lenkt, ist also Anhänger der Theorie eines sogenannten "Deep State". Auf seiner Seite verwies er auf Youtube-Videos verschiedener US-Verschwörungstheoretiker.

Ein Mann hat neun Menschen erschossen, anschließend tötete er seine Mutter und sich selbst. Der Generalbundesanwalt spricht von einer "zutiefst rassistischen Gesinnung".

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Zugleich äußert er in seinem Schreiben rassistische Beweggründe – schreibt über Taten von "Ausländern" und richtet sich in seinen Gedankengängen vor allem gegen Menschen aus muslimischen Ländern, aber auch gegen Israel.

Mehrere Opfer in Hanau kurdischer Abstammung

In einer Liste hält er die Länder fest, deren Völker "komplett vernichtet" werden sollen – darunter alle Länder Nordafrikas oder des Nahen Ostens. Laut Generalbundesanwalt Peter Frank weist R.s Schreiben neben "wirren Gedanken und abstrusen Verschwörungstheorien eine zutiefst rassistische Gesinnung" auf.

Das könnte ein Hinweis darauf sein, warum er ausgerechnet die Shisha-Bar "Midnight" und einen Kiosk als Tatorte wählte: Die neun dort getöteten Opfern haben alle einen Migrationshintergrund. Fünf waren nach Angaben der türkischen Botschaft in Berlin türkische Staatsbürger.

Alle Entwicklungen zum Thema Schüsse in Hanau lesen Sie hier:

Ein Demonstrationszug zieht durch die Hanauer Innenstadt, auf einem Banner steht "Rechter Terror - Null Toleranz", 22.02.20
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Nach dem Anschlag - Tausende demonstrieren in Hanau

Hanau setzt ein Zeichen gegen rechts: Drei Tage nach dem Anschlag haben Tausende in der Stadt demonstriert. In emotionalen Reden wurde an die Toten erinnert. Mehr im Blog.

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