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Trauerfeier für Anschlagsopfer - "Hanau ist stiller geworden"

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Vor zwei Wochen starben elf Menschen in Hanau bei einem rassistischen Anschlag. Die Stadt steht immer noch unter Schock. Heute wird bei einer Trauerfeier der Opfer gedacht.

Zwei Wochen nach dem rassistischen Anschlag von Hanau mit elf Toten wird heute bei einer Trauerfeier der Opfer gedacht. "Die Botschaft lautet: Hanau steht zusammen und wir lassen uns nicht auseinander bringen", so ZDF-Reporter Stefan Schlösser.

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Ein Meer aus Blumen und Kerzen säumt den Eingang des Kiosks  mit dem Namen "Arena Bar&Cafe". Dazwischen liegen Fotos der Opfer, die am 19. Februar hier ermordet wurden. "Tot sind wir erst, wenn man uns vergisst", steht auf einem Plakat. Die Kerzen sind teilweise schon lange abgebrannt, die Blumen sind frisch. Auch zwei Wochen nach dem Anschlag bekunden viele Hanauer hier ihre Trauer und Anteilnahme.

Auf der Tür des Kiosks klebt noch das Siegel der Polizei. "Ob der Besitzer den Kiosk wohl jemals wieder aufmachen wird?", fragen sich Trauernde. Zur Normalität sind die Anwohner jedenfalls noch nicht zurückgekehrt. "Es ist als würde man jemanden aus der Familie verlieren", erzählt Roswitha Russo. Sie kann sich nicht vorstellen, dass man diese Tat hier jemals vergessen wird.

"Hanau ist stiller geworden"

Vor dem Anschlag war Hanau als "Brüder-Grimm-Stadt" bekannt, nun ist sie es als Schauplatz eines weiteren rassistischen Mordanschlags. Vor dem Grimm-Denkmal liegen zwischen den Fotos und Blumen auch Plakate mit Aussagen wie "Aufstehen gegen Rassismus". Den Anschlag begreifen viele Hanauer als Angriff auf ihre gesamte Stadt. "Hanau ist stiller geworden", sagt eine Frau vor dem Denkmal unter Tränen. Alle seien irgendwie betroffen und in sich gekehrt.

Vor dem Rathaus hängt ein riesiges Plakat mit der Aufschrift "Die Opfer waren keine Fremden!". Auch in den Schaufenstern der umliegenden Geschäfte und auf Bussen ist diese Botschaft zu sehen, darunter der Hashtag "Hanau steht zusammen".

"Hanau ist wie ein Dorf, hier kennt jeder jeden. Deswegen ist es auch für alle ein Schock", sagt Cetin Gültekin. Er hat bei dem Anschlag vor zwei Wochen seinen Bruder Gökan verloren. Das Gefühl der Trauer sei für seine Familie unerträglich. Noch immer ist er fassungslos über das rassistische Motiv des Täters.

"Wir sind davon ausgegangen, dass wir in einem Land leben, in dem solche Menschen keine Chance haben."
Cetin Gültekin, Bruder eines Anschlagsoopfers

Cetin Gültekin sieht vor allem rechte Politiker in der Verantwortung, denn sie hätten dem Täter gewissermaßen "Rückendeckung" gegeben.

Trauer um Opfer in Hanau: "Die ganze Stadt hat sie geliebt"

Damit die Namen der Opfer nicht in Vergessenheit geraten, sind sie gut sichtbar in weißer Schrift auf eine schwarze Graffiti-Wand gesprüht. Vor dieser Wand steht Piter Minnemann. Auf seinem Handy zeigt der 18-Jährige Fotos seiner verstorbenen Freunde. "Ich kann immer noch nicht glauben, dass sie tot sind. Die ganze Stadt hat sie gekannt, die ganze Stadt hat sie geliebt", sagt er.

Auch Piter war am Abend der Tat am Kiosk. Wie sonst auch hatte er sich mit seinen Freunden nach dem Boxtraining dort getroffen. Als der Täter zu schießen begann, flüchtete er hinter die Theke. Seine Freunde warfen sich auf ihn und schützten ihn so vor den Kugeln. Er musste mitansehen, wie sie starben. Mit dem, was er erlebt hat, fühlt Piter sich allein gelassen.  

An der Gedenkmauer trifft er auf Robert Erkan, den Opferbeauftragten der Stadt. "Warum hat sich denn niemand bei mir gemeldet?", fragt er ihn verzweifelt. Erkan ruft sofort seine Kollegen an, sichert Piter psychologische Hilfe zu und nimmt den jungen Mann in den Arm.

Hanauer erleiden kollektives Trauma

Robert Erkan und sein Team kümmern sich um die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer. Er spricht von einem "kollektiven Trauma". Der rassistisch motivierte Anschlag sei ein Angriff gegen die gesellschaftliche Vielfalt gewesen:

Viele Hanauer haben das Gefühl, das hätte auch mich treffen können.
Robert Erkan, Opferbeauftragter der Stadt Hanau

Die Stadt werde sich nun noch intensiver mit dem Thema Rassismus auseinandersetzen. "Wir dürfen jetzt nicht still sein", sagt Erkan. Die eigentliche Arbeit fängt erst nach der Trauerfeier an.

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