Oberst a.D. Richter: "Schnelles Kriegsende nicht absehbar"

    Oberst a.D. Richter:"Schnelles Kriegsende nicht absehbar"

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    Auch wenn die Verluste für die russische Armee erheblich sind, ein schnelles Kriegsende ist laut Oberst a.D. Wolfgang Richter nicht absehbar. Das betont er im ZDFheute live.

    Der Militärexperte Wolfgang Richter hält ein schnelles Kriegsende in der Ukraine für unwahrscheinlich. Das sagte der Bundeswehr-General a.D. bei ZDFheute live. Denn trotz großer Verluste stocke Russland seine Truppen jetzt nochmal auf, die Ukraine zeige weiterhin hohe Kampfmoral.
    Allerdings gebe es an der russischen Kriegsführung schon länger interne Kritik, so Richter. Bisher habe sich diese in erster Linie auf die militärische Führung konzentriert.

    Es ist frappierend, dass die politische Führung noch nicht in der Kritik steht - oder, dass man sich nicht traut, das zu tun.

    Wolfgang Richter, Oberst a.D.

    Offensichtliche Fehler

    Die Fehler, die in der russischen Armee gemacht werden, sind für Richter ganz offensichtlich: Heutzutage sei es schließlich ein Leichtes, Handys zu erkennen und zu orten und darauf unmittelbar mit Langstreckenartillerie zu reagieren.

    Ich frage mich, warum man hier nicht lernfähig ist, dass man immer noch konzentriert statt aufzulockern.

    Wolfgang Richter, Oberst a.D.

    Richter weiter: "Darin sind die Ukrainer übrigens Meister und das müssten die Russen eigentlich mittlerweile erkannt haben." Dass das am Neujahrstag wieder passiert ist, sei "schon erstaunlich".

    Russland: Verantwortliche werden bestraft

    Die ungenehmigte Nutzung von Mobiltelefonen seitens russischer Soldaten hatte nach Militärangaben aus Moskau in der Neujahrsnacht zu dem ukrainischen Raketenangriff auf eine Unterkunft russischer Soldaten in der Region Donezk geführt. Telefonsignale hätten es den ukrainischen Streitkräften erlaubt, "die Koordinaten des Standorts von Militärpersonal" auszumachen und anzugreifen, erklärte der russische Generalleutnant Sergej Sewrjukow.
    Verantwortliche würden bestraft. Der Angriff, einer der schwersten für die Truppen des Kreml seit Beginn des russischen Kriegs in der Ukraine, habe sich eine Minute nach dem Jahreswechsel ereignet. Nach aktuellen Angaben des russischen Militärs waren dabei 89 Menschen getötet worden.

    Demoralisierung als Ziel

    Das Ziel hinter diesem Angriff in der Stadt Makijiwka ist nach Meinung von Richter klar: "Ich glaube insgesamt, geht es aber nur darum, dass man die Moral der eigenen Truppe fördern will, dass man die Moral des Gegners beschädigen will und dass man das am Neujahrstag macht, hat natürlich auch symbolischen Charakter."

    Das läutet ein neues Jahr ein, wo man signalisieren will: Wir sind bereit und wir sind in der Lage Euch weitere, erhebliche Verluste beizubringen.

    Wolfgang Richter, Oberst a.D.

    In den Augen von Richter ist dabei eines ganz wichtig: "Dass die Ukrainer natürlich nicht sagen, welche eigenen Verluste sie inzwischen erlitten haben." Beobachter gingen davon aus, dass sich die Verluste auf beiden Seiten inzwischen auf etwa 100.000 belaufen. Damit seien aber "Kriegsverluste" gemeint, also auch Verwundete. Man gehe davon aus, dass die Zahl der Toten etwa bei 30 Prozent dieser 100.000 liege.

    Zeichen für Fortsetzung

    Um diese Verluste auszugleichen, versuche Russland jetzt seine Streitkräfte von rund einer Million auf etwa 1,15 Millionen Soldaten auszuweiten. Richter sieht das als ein Zeichen dafür, dass Russland gewillt und auch politisch motiviert ist, den Krieg fortzuführen.

    Das gilt in Russland allerdings nur für die Führung. Wie die Moral bei der Truppe aussieht, das können wir nur schätzen.

    Wolfgang Richter, Oberst a.D.

    Für Beobachter stelle sich die Frage, wie viele materielle Ressourcen den beiden Seiten eigentlich zur Verfügung stünden. Und wieviel Personal die beiden gegnerischen Parteien noch mobilisieren können. Sicher sei jedenfalls:

    Die Kampfmoral der Ukrainer ist sehr hoch, sie wissen auch, wofür sie kämpfen: nämlich für die Souveränität und Unabhängigkeit ihres Landes.

    Wolfgang Richter, Oberst a.D.

    Die Bilanz Richters aus diesen Überlegungen sieht so aus:

    Dass ein schnelles Kriegsende nicht absehbar ist. Dass beide Seiten gewillt sind und in der Lage, diesen Krieg noch eine ganze Weile fortzusetzen.

    Wolfgang Richter, Oberst a.D.

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    Quelle: ZDF, mit Material von AP
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