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Flugschreiber wird ausgewertet

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Flugzeugunglück bei Teheran - Flugschreiber wird ausgewertet

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Die Untersuchung zur Ursache des Flugzeugabsturzes nahe Teheran hat begonnen. Dabei werden die USA den Iran unterstützen. Unterdessen streicht Lufthansa alle Iran-Flüge.

Die ukrainische Passagiermaschine, die am Mittwoch bei Teheran abgestürzt ist, wurde vermutlich versehentlich von einer iranischen Rakete abgeschossen. Die Führung in Teheran dementiert dies.

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Die Ermittlung zur Ursache des Absturzes einer ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran hat begonnen. Iranische und ukrainische Experten hätten ihre Arbeit in einem Labor am Flughafen Mehrabad in der Hauptstadt Teheran aufgenommen, gab der Leiter der iranischen Luftfahrtbehörde, Ali Abedsadeh, am Freitag im iranischen Fernsehen bekannt. Ihr Ziel sei die Auswertung der beiden schwer beschädigten Flugschreiber - des Flugdatenschreibers und des Aufzeichners der Geräusche in der Pilotenkanzel. Dabei geht es auch um die letzten Worte des Kapitäns. Die Auswertung könnte nach Angaben der Behörden ein oder zwei Monate dauern.

Der Iran will das Ausland umfassend in die Untersuchung des Absturzes einer ukrainischen Passagiermaschine mit 176 Toten einbeziehen - darunter auch den Erzfeind USA. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB teilte mit, sie werde mit einem Repräsentanten an der vom Iran geleiteten Untersuchung teilnehmen. Das könnte möglicherweise ein weiterer Faktor der Deeskalation im aktuellen Konflikt zwischen Teheran und Washington sein.

Bundesaußenminister Maas: "Ein gutes Signal"

Außerdem erklärte sich die französische Regierung dazu bereit, an der Untersuchung mitzuwirken. Frankreich könne zur erforderlichen technischen Expertise beitragen, sagte Außenminister Jean-Yves Le Drian dem Rundfunksender RTL. Allerdings liege ihm bislang keine entsprechende Bitte der iranischen Regierung vor. Frankreich ist insofern involviert, da die Triebwerke des Flugzeugs von einem französischen Hersteller stammen.

Rettungskräfte am Absturzstelle, wo ein ukrainisches Flugzeug in Shahedshahr, südwestlich der Hauptstadt Teheran (iran) abstürzte, aufgenommen am 08.01.2020
Rettungskräfte an der Absturzstelle.
Quelle: AP

Bundesaußenminister Heiko Maas begrüßte die Initiative Irans, andere Staaten in die Ermittlungen einzubeziehen. Er bezeichnete sie auf Twitter als "gutes Signal". "Alle Seiten haben hoffentlich erkannt, dass Schluss sein muss mit Eskalation", so Maas. Auch deutsche Experten stünden bereit, bei der Aufklärung des Absturzes zu helfen, kündigte Regierungssprecher Steffen Seibert an.

Menschen aus Deutschland unter den Todesopfern

Bei dem Absturz mit 176 Todesopfern sind auch vier in Deutschland lebende Menschen ums Leben gekommen, darunter eine im Iran geborene Doktorandin aus Mainz, wie am Freitag bekannt wurde. Man trauere um eine 29 Jahre alte Kollegin, die "bei einem tragischen Zwischenfall in der Nähe ihrer Heimatstadt Teheran verstorben ist", erklärte das Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung auf seiner Homepage am Freitag. Die Frau habe die iranische Staatsangehörigkeit gehabt, sagte ein Institutssprecher.

Außerdem ist eine in Nordrhein-Westfalen lebende Frau aus Afghanistan mit ihren beiden Kindern bei dem Absturz gestorben. Es handelte sich um eine anerkannte Asylbewerberin (30) sowie ihre Tochter (8) und ihren Sohn (5), die seit mehreren Jahren in Werl bei Soest lebten. Dies sagte der Bürgermeister der Stadt, Michael Grossmann (CDU). Er berief sich auf den in Werl lebenden Bruder der Frau.

Die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen die vier Betroffenen offenbar nicht. Das Auswärtige Amt teilte am Donnerstag mit, dass es keine Erkenntnisse über deutsche Staatsangehörige unter den Absturzopfern habe - auch auf Nachfrage zu den vier Betroffenen.

Hinweise auf Raketenabschuss verdichten sich

Unterdessen verdichteten sich Hinweise, dass das Flugzeug möglicherweise von einer iranischen Rakete abgeschossen worden war. Teheran wehrte sich allerdings vehement gegen den Verdacht, eine iranische Rakete könnte den Absturz der Boeing 737 verursacht haben. Von konkreten Hinweisen auf einen Raketenbeschuss sprachen vor allem Kanadas Regierungschef Justin Trudeau und der britische Premierminister Boris Johnson, während sich Trump zurückhaltender zu dem Verdacht äußerte.

Trudeau sagte, "verschiedene" Geheimdienstinformationen deuteten darauf hin, dass die Maschine "von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde". Dies könnte nach seinen Worten "unabsichtlich" geschehen sein. Johnson wiederum erklärte, es gebe zunehmende Indizien dafür, dass eine iranische Rakete den Absturz verursacht haben könnte. Der mutmaßliche Raketenbeschuss "könnte wohl unabsichtlich gewesen sein".

"Jemand auf der anderen Seite könnte einen Fehler gemacht haben."
US-Präsident Donald Trump

Trump äußerte lediglich einen Verdacht: "Jemand auf der anderen Seite könnte einen Fehler gemacht haben." Der US-Präsident betonte gleichzeitig, dass er ein technisches Problem am Flugzeug als Absturzursache für ausgeschlossen halte.

Verifiziertes Video soll Abschuss zeigen

Auch ein in den Onlinenetzwerken verbreitetes Video, das die US-Zeitung "New York Times" als echt verifizierte, scheint den Verdacht eines Raketenabschusses des Flugzeugs zu stützen. Die Bilder zeigen ein schnell und schräg in den Himmel aufsteigendes Objekt, bevor ein heller Blitz zu sehen ist. Einige Sekunden später ist eine Explosion zu hören.

Die "New York Times" hat ein Video veröffentlicht, das den Abschuss des Flugzeugs im Iran zeigt. Die Echtheit des Videos wurde bestätigt. Teheran wehrte sich aber vehement gegen den Verdacht, eine iranische Rakete könnte den Absturz der Boeing 737 …

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Die US-Behörde NTSB wollte sich zu den möglichen Absturzursachen nicht äußern. Wie bei allen Untersuchungen zu Flugzeugabstürzen, an denen die NTSB beteiligt sei, mache sie "keine Spekulationen" über die Ursachen, teilte die Behörde mit.

Lufthansa streicht Flüge

Das iranische Außenministerium forderte die kanadische Regierung auf, die von Trudeau angeführten Geheimdienstformationen zu teilen. Ferner kündigte das Ministerium eine umfassende Beteiligung des Auslands an der Untersuchung an. So erging diesen Angaben zufolge eine Einladung auch an den US-Flugzeughersteller Boeing.

Der Iran will nach Angaben des Außenministeriums zudem Behörden aus allen Ländern in die Untersuchung einbeziehen, aus denen Staatsbürger bei dem Absturz ums Leben kamen. An Bord waren unter anderen 63 Kanadier und elf Ukrainer sowie Afghanen, Briten und Schweden. An den Ermittlungen vor Ort beteiligten sich laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bereits 45 ukrainische Behördenvertreter und Experten.

Lufthansa streicht Flüge nach Teheran

Die Lufthansa und ihre Konzerntöchter fliegen bis einschließlich 20. Januar nicht in die iranische Hauptstadt Teheran. Dies sei "aufgrund der unklaren Sicherheitslage für den Luftraum rund um den Flughafen in Teheran" so entschieden worden, teilte Deutschlands größte Fluggesellschaft am Freitag in Frankfurt mit.

Gemeinsam mit nationalen und internationalen Behörden werde die Sicherheitslage für den Flughafen Teheran sowie den gesamten iranischen Luftraum weiterhin bewertet. "Sobald uns Detailinformationen vorliegen, werden wir entscheiden, ob bzw. ab wann unsere Iran-Flüge wieder durchgeführt werden können." Ihren für Freitag geplanten Flug von Frankfurt nach Teheran hatte die Lufthansa gestrichen. Am Donnerstag hatte die Lufthansa eine Maschine, die bereits unterwegs nach Teheran war, umkehren lassen.

Der Flug LH 600 sei nach rund einer Stunde Flugzeit vorsorglich nach Frankfurt zurückkehrt, erklärte eine Sprecherin. Eigentlich wollte die Lufthansa am Donnerstag nach eintägiger Unterbrechung wegen der Zuspitzung des Iran-Konflikts ihre Flüge in die iranische Hauptstadt wieder aufnehmen.

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