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KZ-Überlebende Bejarano ist tot - Die unbeirrte Kämpferin

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Sie überlebte den Holocaust und setzte sich mit aller Kraft gegen Antisemitismus ein. Esther Bejarano war ein Geschenk. Für alle, die sie kennenlernen durften. Ein Nachruf.

Esther Bejarano überlebte den Holocaust und widmete danach ihr Leben dem Kampf gegen das Vergessen, gegen Rassismus und Antisemitismus. Heute ist sie im Alter von 96 Jahren gestorben.

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Sie überlebte Auschwitz, den Holocaust, die dunkelsten Zeiten in Deutschland. Als jüdisches Mädchen, junge Frau, deren Eltern und Schwester ermordet wurden von den Nazis. Esther Bejarano hatte das Glück, im Mädchenorchester in Auschwitz das Akkordeon zu spielen und schließlich von Amerikanern und Russen am 3. Mai 1945 im mecklenburgischen Lübz befreit worden zu sein.

An jenem Tag spielte sie wieder Akkordeon auf dem Marktplatz in der Kleinstadt, Umarmungen zwischen Amerikanern, sowjetischen Soldaten und sechs den Gaskammern entkommenen jungen Mädchen. Alle tanzend rund um ein verbrennendes Bild des deutschen Diktators, das jemand aus einem der umliegenden Häuser geholt hatte.

"Wir dürfen nicht schweigen"

Am 8. Mai 2020 erzählte Esther Bejarano diese ihre Befreiungsgeschichte für eine ZDF-Sendung live aus ihrem kleinen gemütlichen Wohnzimmer in Hamburg, wo sie seit Jahrzehnten als Witwe und Mutter zweier Kinder bis zu ihrem Tod lebte. Damals trieb Corona schon sein Unwesen, aber Esther Bejarano sagte: "Kommen Sie, wir machen das." Sie hatte, sie konnte vor nichts mehr so richtig Angst haben, nach allem, was sie erlebt hatte.

Im ZDF-Interview warnte Esther Bejarano eindringlich vor dem Erstarken rechter Parteien in Deutschland.

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Ihre größte Sorge war, dass Deutschland wieder in alte Zeiten zurückfallen könnte. Wie könne es sein, dass nach dem Dritten Reich und dem Hitler-Faschismus wieder rechte Horden durch deutsche Straßen ziehen dürfen. Sie konnte das nicht fassen. Aber sprachlos machte es sie nicht. Im Gegenteil. "Wir dürfen nicht schweigen und niemals wieder Vergleichbares geschehen lassen, wie damals: Nie wieder!" Worte, die man niemals vergessen wird, wenn man sie aus ihrem Mund einmal gehört hat. [Esther Bejarano: Auschwitz darf nie wieder passieren, im ZDF-Gespräch.]

Zarte alte Dame mit eisernem Willen

Bei all ihrem Erleben war Esther Bejarano immer eine fröhliche, lebensbejahende Frau geblieben. Gerade nach Auschwitz müsse man, müsse sie weiter Musik machen. Keinen Millimeter den Mördern und Hetzern des Nationalsozialismus und nun auch den Neo-Nazis nachzugeben, gerade die jungen Menschen darüber aufzuklären, das machte sie sich zur Aufgabe. So zog sie durch Schulen, hielt Vorträge und gab Konzerte. Zuletzt mit der Mikrofon-Mafia, einer Rapper Truppe, mit der sie vor allem die Jugend erreichen wollte.

Esther Bejarano mit Ralf Zimmermann von Siefart
Esther Bejarano mit ZDF-Korrespondent Ralf Zimmermann v. Siefart in Hamburg (Archivbild).
Quelle: Ute Kerstingjohänner

Sie mischte sich ein, diese kleine zarte alte Dame, bis zuletzt. Stellte in Frage, ob es unbedingt des Wiederaufbaus der Hamburger Synagoge bedürfe, um etwas gegen den Antisemitismus unserer Tage zu tun. Sie setzte sich für einen Tag in den Hamburger Prozess gegen einen KZ-Wächter und konnte nicht fassen, dass der Angeklagte bei seinem Dienst auf dem Wachturm im Konzentrationslager Stutthof nicht gesehen haben wollte, was dort geschah. Und sie forderte vehement, gar mit einer Petition und 200.000 Unterschriften, den 8. Mai zu einem deutschen Feiertag zu machen. Der Tag der Befreiung müsse gefeiert werden.

Esther Bejaranos Vermächtnis bleibt - und mahnt

Sie selbst hatte sich sehnlichst gewünscht, diesen Tag noch einmal in Lübz zu begehen, zwei Autostunden von Hamburg entfernt. Aber Corona machte es unmöglich. Im letzten und dann auch in diesem Jahr. Stattdessen "feierte" sie den letzten 3. Mai auf dem Hamburger Gänsemarkt mit einigen Freund*innen und Weggefährt*nnen. Es war einer ihrer letzten Auftritte in der Öffentlichkeit.

In der Nacht zum 10. Juli 2021 ist Esther Bejarano nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Sie wird fehlen. Aber ihr Vermächtnis wird bleiben. Und mahnen.      

75 Jahre nach Auschwitz werden Juden in Deutschland wieder offen bedroht. Und es gibt immer weniger Holocaust-Überlebende, die über die Gräueltaten der Nationalsozialisten berichten können.

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