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ZDFinfo-Umfrage - Ein Viertel will Abschluss mit NS-Zeit

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Eine ZDFinfo-Umfrage zeigt: Viele Deutsche wollen einen Schlussstrich unter die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus ziehen. Wissenslücken beim Holocaust hat jeder Vierte.

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Die Erinnerungskultur der Deutschen galt lange als vorbildlich, doch scheint sie sich zunehmend zu verändern: Judensterne auf Corona-Demos, Holocaustleugner in sozialen Medien. Das alles beschleunigt eine Entwicklung, bei der die Geschichte des Nationalsozialismus und der Vernichtung der Juden neu gedeutet wird. Wie verändert sich das Gedenken an den Holocaust, tritt die Erinnerung in den Hintergrund?

Eine exklusive Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für ZDFinfo vom Juli dieses Jahres zeigt: Ein nicht unerheblicher Teil der Befragten möchte mit der Vergangenheit am liebsten abschließen. Ganze 28 Prozent stimmen der Aussage zu, die Deutschen sollten einen Schlussstrich unter die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus ziehen.

Bedürfnis nach "kollektiver Unschuld"

Der Sozialwissenschaftler Professor Samuel Salzborn sieht bei vielen Deutschen ein Bedürfnis nach "kollektiver Unschuld" und er stellt fest: "Meines Erachtens stehen wir nicht am Ende der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, sondern eigentlich - in Bezug auf die Gesellschaft, in Bezug auf die Familien - ganz am Anfang."

Brennende Synagoge
Über die Zerstörung jüdischen Lebens weiß ein Viertel der Befragten kaum etwas.
Quelle: picture alliance/CPA Media

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage belegt die Einschätzung des Sozialwissenschaftlers: Das Wissen der Deutschen hat große Lücken.

Zwar wissen 77 Prozent der Befragten, dass der Holocaust die Vernichtung der Juden meint. Doch knapp ein Viertel (23 Prozent) gibt eine falsche Antwort oder weiß nichts mit dem Begriff anzufangen. Jede vierte Person (26 Prozent) gesteht ihre Wissenslücken auch ein und gibt an, wenig oder nichts über den Holocaust zu wissen. Auch ein Viertel der Jungen unter 30 Jahren gibt an, große Wissenslücken zu haben (24 Prozent).

Eine Reise zu den letzten Überlebenden des Holocaust

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Nur wenige kennen Anlass für Holocaust-Gedenktag

Symptomatisch für den schwierigen Umgang mit dem Gedenken und der Gedächtniskultur ist die Antwort auf die Frage, ob bekannt ist, auf welches Ereignis der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar zurückgeht. Nur 20 Prozent der Befragten nennen die Befreiung von Auschwitz als Anlass, elf Prozent geben eine falsche Antwort und 69 Prozent geben an, den Grund nicht zu kennen.

Natürlich lernten Jugendliche in Gedenkstätten und Schulen über den Holocaust, doch die Wirkung dieser Wissensvermittlung sei begrenzt, meint der Sozialpsychologe Andreas Zick von der Universität Bielefeld: "Wir haben einen Rückgang an politischer Bildung. Wir denken immer: Die jüngere Generation erfährt heute so viel, die lernen heute so viel."

Im Bereich der politischen Bildung haben wir unfassbare Defizite.
Prof. Andreas Zick, Sozialpsychologe
Berg aus Schuhen
Ein Berg aus Schuhen ermordeter KZ-Häftlinge.
Quelle: dpa

So denkt knapp die Hälfte der Befragten (47 Prozent), die meisten Deutschen damals hätten "nicht so viel" bis keinerlei Schuld an der Vernichtung der Juden getragen. 81 Prozent der Befragten sagen, vom Holocaust hätten die meisten Deutschen nichts oder nichts Genaues gewusst.

Trotz Corona-Krise sind 40 junge Deutsche in Israel geblieben: Sie kümmern sich um Überlebende des Holocaust in Pflegeheimen. Es sind Freundschaften entstanden zwischen den Enkeln und Urenkeln der Täter und den Opfern und letzten Zeitzeugen der Shoah.

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Wie also gegensteuern? Wie könnte eine nachhaltigere Vermittlung dieses Kapitels deutscher Geschichte künftig aussehen?

Diese Fragen beschäftigt auch die Pädagogik-Professorin Anja Ballis von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Denn mehr als sieben Jahrzehnte nach Kriegsende würden auch die Zeitzeugen immer weniger - Überlebende, die ihre Geschichte erzählen könnten.

So haben sie und ihr Team Holocaust-Überlebenden viele Fragen gestellt und sie mit 3D-Projektionen aufgezeichnet. Als Hologramme sollen ihre Erinnerungen zumindest digital weiterleben.

Wissenschaftler haben die Erinnerungen des Holocaust-Überlebenden Abba Noar in 3-D aufgezeichnet. So soll Geschichte greifbar bleiben.

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"Es gibt Visionen, wie zum Beispiel die Schulbücher der Zukunft aussehen können. Sie sollen begehbar sein und so im besten Fall mit den eigenen Gefühlen verbunden werden. Das wird eine der großen Herausforderungen sein", sagt Ballis.

Und sei gleichsam Auftrag für die Zukunft: Erinnern statt Schlussstrich.  

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