USA kämpfen gegen Hunger im eigenen Land

    Millionen Menschen unterernährt:Kampf gegen den Hunger in den USA

    von Antonia Meyer, Washington
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    2021 hatten über 34 Millionen Menschen in den USA zu wenig Geld für Lebensmittel, darunter viele Kinder. Gemeinnützige Projekte helfen, auch weil die Regierung noch zu wenig tut.

    Freiwillige packen in Washington, D.C. Lunchpakete für Schüler*innen.
    Freiwillige packen in Washington, D.C. Lunchpakete für Schüler*innen.
    Quelle: ZDF

    Lucie Leblois und andere freiwillige Helfer*innen packen in der Kelly Miller Middle School Lunchpakete. Obst, Kekse, Müsliriegel, Zahnbürsten und Zahnpasta finden ihren Weg in braune Papiertüten. Seit 2018 versorgt die gemeinnützige Organisation "DC Food Project" Schüler*innen und ihre Familien mit Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln.
    Das Team besteht aus einer Gruppe von Müttern, deren Kinder die örtlichen Schulen in Washington, D.C. besuchen. "Wir wurden zum Handeln inspiriert, als wir erfuhren, dass ein örtlicher Lehrer von seinem eigenen Geld Lebensmittel für einen Schüler kaufte" erzählt Leblois, die das Projekt mitbegründet hat.

    "DC Food Project" versorgt Kinder in Washington

    In den vergangenen zwei Jahren hat die Organisation nach eigenen Angaben Lebensmittel für über 2,5 Millionen Mahlzeiten bereitgestellt. Zu Beginn wurden 14 Familien im Großraum Washington D.C. versorgt, mittlerweile sind es über 700.
    Die Nahrungsmittel erhält die Organisation von lokalen Lebensmittelhändlern, Supermärkten und landwirtschaftlichen Betrieben. "Wir möchten nicht nur irgendwelche Lebensmittel verteilen", erklärt Leblois. Die Qualität und die Auswahl der Lebensmittel stehen für sie im Vordergrund.

    Wir wollen, dass das Essen durchdacht ist.

    Lucie Leblois, Mitbegründerin von "DC Food Project"

    Zusätzlich zu den Lunchpaketen befüllt "DC Food Project” Lebensmittelschränke in 18 örtlichen Schulen. Wenn Eltern ihre Kinder von der Schule abholen, können sie die benötigten Güter direkt aus den Lebensmittelschränken entnehmen. So können sich Schüler*innen und Familienangehörige diskret haltbare Lebensmittel wie Nudeln oder Reis abholen. "Wir bemühen uns wirklich, auch die Familien zu ernähren", sagt Leblois.
    Einmal im Monat werden Lebensmittelschränke wie diese in 18 Schulen in Washington D.C. von der Organisation aufgefüllt.
    Einmal im Monat werden Lebensmittelschränke wie diese in 18 Schulen in Washington D.C. von der Organisation aufgefüllt.
    Quelle: ZDF

    34 Millionen Menschen in den USA unterernährt

    Im Jahr 2021 stand 34 Millionen Menschen in den USA, darunter 9 Millionen Kindern, so wenig Geld zur Verfügung, dass sie sich nicht ausreichend ernähren konnten. Die hohe Inflation verschärft das Problem aktuell noch.
    Eine ausreichende Energiezufuhr für einen Erwachsenen liegt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei 2.100 Kilokalorien pro Tag. Nimmt eine erwachsene Person regelmäßig weniger als 1.400 Kilokalorien pro Tag zu sich, spricht die WHO von extremer Unterernährung. Betroffene Personen reduzieren die Qualität ihres Essens und verzichten auf Lebensmittel wie Fleisch, Obst und Gemüse oder lassen Mahlzeiten komplett ausfallen.
    Kinder und Jugendliche leiden besonders unter Ernährungsunsicherheit. Unausgewogene oder fehlende Mahlzeiten können sich negativ auf die körperliche Entwicklung auswirken.

    Biden: Acht Milliarden Dollar für Kampf gegen Hunger

    Im Kampf gegen Hunger und unausgewogene Ernährung hat US-Präsident Joe Biden eine nationale Strategie vorgestellt. Er kündigt Zusagen von insgesamt acht Milliarden Dollar aus dem öffentlichen Sektor und dem Privatsektor an. Bis zum Jahr 2030 will Biden den Hunger und ernährungsbedingte Krankheiten, wie Fettleibigkeit, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, in den USA reduzieren.

    Ich weiß, dass wir es schaffen können.

    Joe Biden, US-Präsident

    Zusätzlich werden die Regierung Biden und das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) Mittel in Höhe von fast zwei Milliarden Dollar für die Nahrungsmittel-Soforthilfe bereitstellen.
    Joe Biden am 28.09.2022 in Washington (USA)
    Joe Biden bei einer Konferenz über Hunger, Ernährung und Gesundheit im Weißen Haus
    Quelle: epa

    Das Ziel sei, "mehr Amerikanern den Zugang zu den Lebensmitteln zu ermöglichen, die ihre Familien ernähren und gesund halten", erklärte Biden. Gerade Schüler*innen soll ein unkomplizierter und kostenloser Zugang zu Schulessen ermöglicht werden.

    Finanzhilfen der US-Regierung reichen nicht aus

    Viele US-Haushalte, die von Ernährungsunsicherheit betroffen sind, haben aber laut Lucie Leblois keinen Anspruch auf staatliche Ernährungsprogramme. Deshalb suchen sie örtliche Lebensmittelbanken und Lebensmittelprogramme wie das "DC Food Project” auf.
    Lucie Leblois sieht die angekündigte Hilfe als wichtiges Signal, aber sie reiche nicht aus. "Solange es keine nationale Dachorganisation gibt, bleibt die Arbeit vor Ort weiter mühsam”, sagt sie. Wir müssen die vielen regionalen Programme zusammenbringen, dann können wir viel mehr bewirken." Bis es so weit ist, werden Lucie und die anderen Ehrenamtlichen noch viele weitere Lunchpakete packen.