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Schlafende Senatoren und einsame Demonstranten

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Hinter den Kulissen des Impeachments - Schlafende Senatoren und einsame Demonstranten

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Lustlose Senatoren, die schlafen oder sich mit Fidget Spinnern ablenken: Was in der TV-Übertragung des Amtsenthebungsverfahrens gegen US-Präsident Donald Trump nicht gezeigt wird.

Gerichtssaalzeichnung: Senator mit Fidgetspinner
William Hennessy hält auf der Gerichtssaalzeichnung fest, wie ein Senator mit einem Fidget Spinner spielt.
Quelle: William Hennessy

Kreuzworträtsel lösen, Nickerchen machen oder sich mit Spielzeugen ablenken - so verhalten sich nicht nur Schulkinder, sondern derzeit auch die Senatoren während Trumps Impeachment-Prozesses. Dabei passiert im Senat gerade Historisches: die Entscheidung über eine mögliche Amtsenthebung des US-Präsidenten rückt immer näher, der Senat übernimmt dann praktisch die Rolle des Gerichts.

Die Öffentlichkeit bekommt von den abgelenkten Senatoren nur wenig mit, denn obwohl der Prozess live übertragen wird, filmen die einzigen zugelassenen Kameras ausschließlich das Rednerpult und diejenigen, die dort ihre Plädoyers vortragen. Interessant ist aber auch häufig, was die Kameras nicht einfangen: die übrigen Senatoren, die eigentlich aufmerksam zuhören sollten – und dabei oft mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind.

Gerichtssaalzeichner fangen mit Papier und Stift historische Ereignisse ein

Einer, der festhält, was im Senat passiert, ist William Hennessy. Seine Werkzeuge sind dabei weder Kamera noch Mikrofon, sondern Stifte und Papier. Denn: Hennessy ist Gerichtssaalzeichner. Seine Aufgabe ist es, Gerichtsprozesse in Skizzen zu dokumentieren. Die Auftragslage ist gut, große Medien wie CNN oder NBC wenden sich an den studierten Künstler, um ihre Berichtserstattung mit Bildern unterlegen zu können, die nur er liefern kann. Besonders gefragt ist Hennessy, seit am 21. Januar das Impeachment-Verfahren gegen Trump eröffnet wurde.

Sobald die Senatoren im Kapitol eintreffen, um sich auf die Verhandlung einzustimmen, ist Hennessy dabei. Routiniert passiert er die Sicherheitskontrollen und geht zielstrebig die langen Gänge des Kapitols entlang. Unter seinem Arm klemmt eine Zeichenmappe, mit festem Griff trägt er einen Koffer aus Aluminium. Darin ist alles, was er braucht, um die Ereignisse festzuhalten: Stifte und Spitzer, Kreide und Kohle.

Gerichtssaalzeichner William Hennessy
Gerichtssaalzeichner William Hennessy bei der Arbeit
Quelle: Julia Kanning

Damit hat Hennessy schon unzählige Gerichtsverhandlungen verewigt, auch das Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton. Er vergleicht das damalige Impeachment mit dem gegen Trump: "Die Atmosphäre im Senat ist dieses Mal angespannter und frustrierter. Das spiegelt sich auch in dem Verhalten der Senatoren wieder - das will ich in meinem Bildern zeigen." Wenn ihm im Gerichtssaal etwas Ungewöhnliches auffällt, zückt er blitzschnell seine Utensilien, setzt manchmal mit beiden Händen gleichzeitig Striche aufs Papier.

Oft muss innerhalb von Sekunden der erste Entwurf stehen, seine Skizzen sind Momentaufnahmen des Impeachments. Die gezeichneten Schnappschüsse zeigen zum Beispiel, wie die Senatoren dösen, miteinander tuscheln, und Rätsel lösen oder wie die Republikaner untereinander Stressbälle und Fidgetspinner verteilen, die sie dann während der Redezeit der Demokraten betont gelangweilt zwischen ihren Fingern zwirbeln.

Elektronikverbot und das erlaubte Glas Milch

Hennessys Bilder zeigen auch: Einige Senatoren werden sogar zu Regelbrechern. So schmuggeln sie Snacks in den Saal oder umgehen das Elektronikverbot. Kommunikationsgeräte wie Handys oder Laptops sind eigentlich streng verboten. Und doch wurden an den Handgelenken von gleich acht Senatoren Apple-Watches gesehen, jene elektronischen Armbanduhren, mit denen man im Internet surfen und Nachrichten senden kann. Konsequenzen: noch unklar.

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Während das Elektronikverbot einigermaßen nachvollziehbar ist, rufen andere Regeln in den sozialen Medien spöttische Kommentare hervor: Zum Beispiel ist es den Senatoren verboten, während des Prozesses etwas anderes zu trinken als Wasser. Und - in Ausnahmefällen - etwas Milch. Diese Zusatzklausel ist einem mutigen Senator zu verdanken, der sich 1966 während eines Prozesses tatsächlich traute, zu fragen, ob es einer Verletzung der Regeln gleichkäme, um einen Schluck Milch zu bitten. Nach kurzer Diskussion wurde seinem Wunsch stattgegeben - und die "Milchregel" in das offizielle Senatsregelwerk aufgenommen.

Verhalten des Senats "lächerlich"

Für Stephen Parlato sind solche Regeln Ausdruck dessen, was im Impeachment-Verfahren schief läuft. Parlato ist Rentner, Kinderbuchautor und Demonstrant. Er findet, der Senat beschäftige sich mehr mit seinen selbstauferlegten Regularien, als mit dem eigentlichen Verfahren. Lächerlich sei das. "Ich mache mir große Sorgen um unsere Demokratie", sagt Parlato, "der Präsident ist ein Krimineller!" Wenn er sich den Verlauf des Impeachments ansehe, glaube er nicht, dass sich das bald ändern könnte. Deshalb steht er jeden Tag bis Sonnenuntergang mit seinen Plakaten vor dem Kapitol, teilweise bei Minusgraden und oft als einziger Demonstrant.

Demonstrant Stephen Parlato
Extra aus Colorado angereist: Demonstrant Stephen Parlato vor dem Kapitol
Quelle: Julia Kanning

Er habe mit mehr Mitstreitern gerechnet, sagt er, gleichzeitig wachse auch seine Entschlossenheit. Die Zeit vertreibt sich Parlato damit, neue Ideen für sein nächstes Kinderbuch zu sammeln. Müsste er das Impeachment in eine Geschichte für Kinder verwandeln, sagt er:

Es wäre in jedem Fall eine Geschichte darüber, wie wichtig es ist, die Wahrheit zu sagen und zu seinem Wort zu stehen. Und welche fatalen Folgen es haben kann, wenn man es nicht tut.
Stephen Parlat, Demonstrant
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