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Ein täglicher Kampf ums Überleben

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Tag der indigenen Völker - Ein täglicher Kampf ums Überleben

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Indigene Völker werden unentwegt in ihrer Existenz bedroht, zumeist von wirtschaftlichen Interessen. Sehr deutlich wird das in Amerika - nicht nur wegen der Abholzung in Brasilien.

Teilnehmer des Marsches "black and brown unity" in Los Angeles, Kalifornien
Teilnehmer des Marsches "black and brown unity" protestieren gegen Gewalt an Indigenen in Los Angeles, Kalifornien.
Quelle: epa

Auf dem amerikanischen Kontinent leben besonders viele indigene Völker, genaue Zahlen sind nicht bekannt. Aber ob Nord- Mittel oder Südamerika: Überall müssen sie für ihr Überleben kämpfen. Mal mit Erfolg, oft aber auch ohne. Eine Auswahl.

USA: Indigene feiern Etappensieg bei Pipeline-Projekt

Es wird erst einmal Nichts mit der umstrittenen Erdöl-Pipeline Keystone XL von Kanada in die USA: Das Oberste Gericht der USA stoppte jüngst einen Antrag der US-Regierung den Baustopp aufzuheben. Begründung des Baustopps: Für Bauprojekte nahe Gewässern muss der Artenschutz stärker beachtet werden.

Geklagt hatten unter anderem Vertreter der indigenen Völker der Sioux, Gros Ventre und Assiniboine. Damit ist das ambitionierte Projekt der Trump-Administration erst einmal auf Eis gelegt.

Mexiko: Morde wegen Energiehunger an heiliger Stätte?

San Mateo del Mar gehört zum windreichen Isthmus von Tehuantepec. Und ist damit ein begehrter Platz für Investitionen internationaler Energie-Unternehmen. In der Vergangenheit wehrte sich San Mateo unter anderem 100 große Windräder auf den heiligen indigenen Stätten der Ikoots zuzulassen.

Die Windparks bedrohen die einheimische Tierwelt, provozieren Abholzung und schaffen Konflikte unter den indigenen Völkern.
Bettina Cruz, Menschenrechtlerin

Im Juni erschütterte ein Massaker mit 17 Toten die Öffentlichkeit. Wer dahinter steckt ist bislang ungeklärt, die Tageszeitung "La Jornada" vermutet eine unheilvolle Allianz regionaler Mächte mit Windenergie-Unternehmen.

Guatemala: Massaker an Indios ungestraft

Für viele der Maya-Indigenen war es der erste Besuch in Guatemala-Stadt überhaupt. Sie wollten dabei sein, als 2012 im Gerichtssaal über die Zeit der "Violencia" (1978-1985) geurteilt werden sollte. Damals reagierte der evangelikale Pastor Rios Montt als Diktator und wurde zum "Schlächter der Indios". In den 15 Monaten von Montts Amtszeit begingen Militärs in einer "Politik der verbrannten Erde" etwa 600 Massaker, weil sie die Indigenen auf der Seite der Guerilla vermuteten.

Die Täter wurden zu Bestien; vergewaltigten, enthaupteten, verbrannten oder verstümmelten ihre Opfer bei lebendigem Leib. Efrain Rios Montt starb im Jahr 2018. Ins Gefängnis musste er nie, die Seilschaften der Macht waren stets stärker. Seine Tochter will irgendwann Präsidentin werden.

Gruppe von jungen Indigenen (Archivbild)

Brasilien in der Corona-Pandemie -
Wie Missionare indigene Völker gefährden
 

In Brasilien fliegen evangelikale Missionare offenbar auch ohne Erlaubnis in die Territorien isoliert lebender indigener Völker. In Zeiten der Pandemie ist das lebensgefährlich.

von Tobias Käufer

Kolumbien: Morde an Indigenen an der Tagesordnung

Die Unbekannten ließen Rodrigo Salazar keine Chance. Der indigene Lokalpolitiker der Awa wurde im Juli dieses Jahres in der südkolumbianischen Unruheprovinz Narino ermordet. Für die Medien ist das nur noch eine Randnotiz, nahezu täglich wird irgendwo in Kolumbien ein Indigener ermordet.

Zur Rechenschaft gezogen werden die Täter fast nie. So gut wie immer standen die Opfer wirtschaftlichen Interessen im Weg: Dem Drogenhandel, der Agrar-Industrie, illegalem Bergbau, Staudämmen. Dem Nationalen Indigenen-Verband ONIC bleibt nur, den Mord als ein weiteres Beispiel für die systematische Eliminierung der indigenen Völker zu brandmarken. Bis zum nächsten Mord.

Brasilien: Indigene kämpfen gegen Bolsonaro

Es ist ein bemerkenswerter Sieg für die indigenen Völker in Brasilien. Das Oberster Gericht verpflichtete die Regierung von Präsident Jair Bolsonaro innerhalb von 30 Tagen ein Schutzkonzept für die Corona-Pandemie vorzulegen.

Covid-19 bedroht die indigenen Völkern in Brasilien. Im Amazonas-Gebiet sind die Infektionszahlen besonders hoch. Die Urwaldmetropole Manaus ist zum Epizentrum geworden.

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In dieser Woche starb der über die Grenzen Brasiliens bekannte Kazike Aritana Yawalapiti (71), der sich für die Schaffung eines Schutzgebietes im Xingu-Nationalpark eingesetzt hatte. "Dies ist ein wichtiger Meilenstein, um das Leben Indigener zu schützen", erklärt Juliana Miyazaki von der Gesellschaft für bedrohte Völker.

Chile: Unruhen wegen Hungerstreik

In Chile tritt der Konflikt zwischen Ureinwohnern und den Nachfahren der Europäer wieder einmal offen zu Tage. Auslöser der Unruhen ist ein seit Wochen anhaltender Hungerstreik von Mapuche-Gefangenen. Unter ihnen befindet sich Celestino Cordova, ein indigener Geistlicher (Machi).

Cordova war 2014 wegen der Ermordung eines europäisch-stämmigen Agrarunternehmers und dessen Ehefrau zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Die Urteilsfindung ist wegen der Anwendung des Anti-Terrorgesetzes umstritten. Es stammt noch aus Zeiten der Militärdiktatur (1973-1990). Dagegen wehren sich die Mapuche.

Archiv: Indigene bei Humaita, Brasilien, aufgenommen am 20.08.2019.

Coronavirus in Brasilien -
Die Angst der Indigenen vor Corona
 

Unter den indigenen Völkern Lateinamerikas wächst die Angst vor den Konsequenzen der Coronavirus-Krise. Die ersten Infektionsfälle rufen Erinnerungen an historische Epidemien wach.

von Tobias Käufer
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