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6. Januar 2021 - Amerikas neues Datum der Schande

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Die Warnungen wurden in die Welt gebrüllt - dennoch kam es zum Sturm aufs Kapitol. Ein persönlicher Blick auf die Ereignisse des 6. Januar in Washington.

Demonstranten auf den Treppen des Kapitols am 06.01.2021
Demonstranten stürmen das Kapitol
Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

"A date which will live in infamy" - "für immer ein Datum von Niedertracht und Schande" - mehr als ein Dreivierteljahrhundert wusste jeder Erwachsene in Amerika, welchen Tag dieses Zitat meint.

So reagierte Franklin D. Roosevelt auf den 7. Dezember 1941, den Überraschungsangriff der japanischen Luftwaffe auf die Pazifische Flotte der USA in Pearl Harbor/Hawaii. Er zog die Vereinigten Staaten mit einer vernichtenden Niederlage in den Zweiten Weltkrieg.

"Die Tat eines Präsidenten der USA"

"Infamy", das sorgfältig gewählte Wort des Präsidenten, zielte damals gegen Japan, auf einen Angriff, der aus heiterem Himmel kam, während Verhandlungen zur Vermeidung dieses Krieges noch liefen.

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Seit Mittwoch muss man dem 6. Januar 2021 einen ähnlichen Rang einräumen. Jüngere Menschen werden mit "Date of Infamy" den Sturm auf das Kapitol in Verbindung bringen. Das nicht nur, weil es zeitlich näher liegt sondern auch, weil die Niederlage für Amerikas Selbstbild noch schlimmer ist.

Denn diesmal waren Niedertracht und Schande nicht das Werk eines äußeren Feindes am fernen Ende der Erde, sondern die Tat des Präsidenten der USA, gewählt und eingeschworen, das Land und seine Verfassung zu schützen.

"Historisches Gewicht misst man nicht mit nackten Zahlen"

Während ich mir das von der Seele schreibe, muss ich mich fragen, ob das zu emotional ist, ob die unfassbaren Bilder mich zu sehr getroffen haben, mich und meine unausrottbare Liebe und Faszination für dieses Land.

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Sorry, aber ich kann das nicht niedriger hängen. Obwohl ich doch weiß, dass in Pearl Harbor zweieinhalbtausend Menschen starben. Historisches Gewicht misst man nicht mit nackten Zahlen.

Die Parallelen gehen ja noch weiter. Wie damals muss nun gefragt werden, wie das geschehen konnte. Wo waren die Kräfte, die das hätten verhindern müssen? 2.000 Männer und Frauen der "Capitol Police", deren einzige Aufgabe es ist, dieses Gebäude zu schützen? Wo die 1.100 Mann der DC National Guard? (Siehe Faktenbox.)

Jetzt, wie damals, hat es Warnungen und Vorzeichen gegeben, aber 1941 waren sie (entgegen mancher Verschwörungstheorie) schleierhaft verborgen. Diesmal offensichtlich, geradezu in die Welt gebrüllt auf Plattformen von @realDonaldTrump bis QAnon und ProudBoys bei Parler.

"Nur noch knapp zwei Wochen: Gottlob und leider"

Endgültig dann in der irrsinnigen Rede des Präsidenten, der die militanten Milizen und ihre fanatischen wie tumben, gut- wie schlechtgläubigen Mitläufer auf den Weg schickte zum Kapitol mit der Mission, den Lauf der Verfassung aufzuhalten.

Mission accomplished. Das haben sie getan. Wenn auch nur für Stunden. Aber sie haben gezeigt, wie verletzlich die Maschinerie einer Demokratie ist. Und sie damit für lange Zeit noch verwundbarer gemacht.

Die "minions and enablers", die Helfer und Marionetten des 45. Präsidenten der USA, der zum brandgefährlichen Geschehen am Mittwoch Nero-haft die Leier schlug, werden auch jetzt nicht mehr den Mumm haben, das Notwendige zu tun: Ihn als "von Sinnen" über den 25. Zusatzartikel der Verfassung des Amtes zu entheben oder ihn in einem Blitz-Impeachment aufgrund der offenkundigen Beweise aus dem Weißen Haus zu jagen.

Es bleiben nur noch knapp zwei Wochen. Gottlob und leider. Die Zeit, dieser Präsidentschaft ein verfassungsgemäßes Ende zu setzen, ist abgelaufen. Auch das gehört zur Infamie dieses unfassbaren Geschehens.

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