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Artensterben weltweit - Insekten auf dem Rückzug

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Forscher beklagen weltweit ein allumfassendes Artensterben. Inzwischen ist ein Viertel der 33.000 beschriebenen Insektenarten in Deutschland vom Aussterben bedroht.

Eichenprozessionsspinner
Der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner setzt auch nützlichen Insekten zu.
Quelle: dpa

Die Bundesregierung hat zum Ende ihrer Amtszeit noch das Insektenschutz-Gesetz verabschiedet. Das Landwirtschaftsministerium konnte sich mit dem Umweltministerium darauf einigen. Unter anderem sollen Biotope und Biotopverbünde ausgebaut, die sogenannte Lichtverschmutzung in den Städten reduziert und vor allem Insektizide und Pestizide in der Landwirtschaft stärker beschränkt werden.

Nach Ansicht führender Insektenforscher dringende Schritte in die richtige Richtung. "Noch können wir den Negativtrend umkehren", ist Prof. Lars Krogmann optimistisch. Er leitet als Interimsdirektor das Naturkundemuseum in Stuttgart mit einer großen Insektensammlung.

Viele Insektenarten nur noch im Museum

In den Archiven des Museums mit 5,5 Millionen Präparaten kann man sehen, wie dramatisch das Artensterben vorangeschritten ist. Viele Käfer, wie den grün glänzenden Großen Puppenräuber, gibt es fast nur noch im Museum. Er wurde vor allem durch jahrzehntelange Pestizid- und Insektizideinsätze in der Landwirtschaft ausgerottet.

"Dabei ist gerade der Große Puppenräuber ein natürlicher Feind des Eichenprozessionsspinners", erklärt Krogmann. Lästige Falter wollte man durch die Insektizide minimieren, hat aber auch die nützlichen Insekten wie den Großen Puppenräuber getroffen. "Die Folge: Es wurde immer mehr gegen die angeblichen Schädlinge gespritzt, aber auch die sogenannten Nützlinge wurden dadurch dezimiert." Ein Teufelskreis.

Borkenkäfer fressen sich durch die Wälder. Die Brennhaare Tausender Eichenprozessionsspinner verbreiten Schrecken. Gleichzeitig sterben unzählige Insekten. Wie passt das zusammen?

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Eichenprozessionsspinner als Plagen

Die Folgen kann man auch in diesem Sommer wieder in ganz Deutschland sehen: Warnschilder, die die Bevölkerung vor dem Eichenprozessionsspinner warnen. Die Raupen sitzen zu Tausenden in Eichen und verlieren Brennhaare, die beim Menschen schwere allergische Reaktionen auslösen können. Sie haben kaum noch natürliche Feinde - also werden auch sie mit Spritzmitteln bekämpft.

Im Landkreis Gifhorn setzt man im dritten Jahr in Folge Hubschrauber ein, die ein Biozid gegen den Eichenprozessionsspinner auf Alleen, Spielplätzen und in Parks verteilen. Zum Einsatz kommt ein Produkt auf natürlicher Basis, mit dem Bacillus Thuringiensis. Bakterien, die die Raupen töten.

Biozide töten auch natürliche Fressfeinde

An der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Göttingen untersucht der Biologe Prof. Wolfgang Rohe erstmals, ob es beim Einsatz des Biozids auch Kollateralschäden gibt. Er hat mit Studenten Folien unter Eichen ausgelegt, die mit dem Mittel behandelt wurden. Am nächsten Tag wurden alle getöteten Insekten in einer Stichprobe eingesammelt.

Und tatsächlich fanden sich neben 200 toten Eichenprozessionsspinnern auch 100 andere Insekten, darunter auch natürliche Feinde des Eichenprozessionsspinners wie Schlupfwespen oder Ameisen. "Ich warne deshalb vor dem flächendeckenden Einsatz des Biozids", schlussfolgert Rohe:

Wir wiederholen die Fehler der Vergangenheit wie beim DDT und beim Glyhposat. Die Kollateralschäden im Ökosystem sind einfach zu groß.
Wolfgang Rohe, Biologe

Sogenannte Beetle Banks, 40 bis 70 Zentimeter hohe, mit Blumen bepflanzte Erdaufschüttungen, lassen ein besonderes Mikroklima entstehen, in dem sich Insekten wohl fühlen.

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Insektenmonitorings laufen

Um mehr über die Zusammenhänge zwischen industriell geprägter Landwirtschaft und dem Artensterben zu erfahren, laufen eine ganze Reihe von Forschungsprojekten. Lars Krogmann leitet ein Insektenmonitoring von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. Dabei werden Insektenfallen in Landwirtschaftsflächen genauso wie in Naturschutzgebieten aufgestellt.

Das Insektenmonitoring soll statistisch belastbare und repräsentative Daten zu den in Baden-Württemberg lebenden Insekten liefern und auch Populationsentwicklungen abbilden, um das Artensterben vielleicht doch noch aufhalten zu können.

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