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Was passiert wirklich in China?

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"Inside China" - Was passiert wirklich in China?

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Von Wuhan aus hat sich das Coronavirus über die ganze Welt verbreitet. Die chinesische Regierung feiert sich für Erfolge. Doch was passiert wirklich in dem verschlossenen Land?

Von Wuhan aus hat sich das Coronavirus über die ganze Welt verbreitet. Die chinesische Regierung feiert sich für erste Erfolge. Doch was passiert wirklich im verschlossenen Land?

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Vom Norden bis zum Süden sind wir gereist. Abseits der massiven Propaganda haben wir in das Innere des Landes geblickt. Es ist eine Reise, die die chinesische Regierung nicht will. Weil es Geschichten sind, die wir, und nicht die staatliche Autorität erzählen.

Die Chinesen betrachten Ausländer als Virenschleuder

Fluggastkontrolle in China
Ulf Röller wird direkt bei der Ankunft kontrolliert.
Quelle: ZDF

Zhangjiajie, in der Provinz Hunan: Wir sind die einzigen Ausländer im Flugzeug. Wochenlang hat die chinesische Staatspropaganda seinem Volk eingeredet, dass das Virus nur noch von draußen ins Land kommt. Uns Ausländer betrachten die Einheimischen als Virenschleuder.

Wir fürchten, dass uns die örtlichen Behörden 14 Tage in Quarantäne stecken. Wir machen einen Corona-Test, Ergebnis negativ. Unser Gesundheitscode ist auf grün. Wir dürfen weiter.

"Sicherheitscodes" erleichtern digitale Diktatur

Ningbo, in der Provinz Zhejiang: Mit den neu gescannten Gesundheitsapps werden wir für die Behörden komplett durchsichtig. Jeden unserer Schritte sehen sie. Bei zwei Firmen, denen es relativ gut geht, wurden wir trotz offizieller Drehgenehmigung von lokalen Behörden vertrieben. Wir wissen, dass wir als Journalisten überwacht werden. Wie sehr, wird uns hier klar.

Die "Sicherheitscodes" verraten uns. Was dem Schutz der Bürger dienen soll, wird in China zum besten Werkzeug der digitalen Diktatur. Sobald wir die "Sicherheitscodes" aktivieren und jemandem zeigen, um auf ein Gelände zu gelangen, werden die lokalen Behörden alarmiert und wir können nicht mehr weiter drehen. 

Einzelschicksale statt applaudierender Masse

Zhangjiajie, in der Provinz Hunan: Die faszinierende Berglandschaft des Nationalparks zieht normalerweise viele Touristen an. Der Park ist erst seit wenigen Wochen geöffnet, Reisegruppen dürfen noch nicht kommen. Ein schwerer Schlag für die Tourismusindustrie.

Viele Schicksale verbergen sich hinter der Krise. Wie der Reisbauer, der wieder auf dem Feld arbeiten muss, weil sein Hotel geschlossen ist, und er deshalb nicht mehr als Koch arbeiten kann. Wie die Hutverkäuferinnen oder die Reiseleiter, die vergeblich auf Kunden warten.

Die Armen existieren im Staatsfernsehen nicht

Sie alle gehören zu den vielen Millionen Arbeitern in China, die in den letzten Jahren vom wachsenden Wohlstand des Landes profitiert haben und sich nun um ihr kleines Glück und vor dem Rückfall in die Armut fürchten. Corona, das lernen wir schnell auf dieser Reise, infiziert alle, aber vor allem die Schwachen trifft die Seuche hart.

Im chinesischen Staatsfernsehen existieren diese Schicksale nicht, ihre Angst und ihr Leid sind unsichtbar. Wenn Präsident Xi Jinping sein Land besucht, strotzt es immer vor Kraft und Aufbruchslust, die Menschen schmelzen zu einer applaudierenden Masse zusammen. 

Das Coronavirus hat den Alltag im Ursprungsland der Pandemie verändert. Zum ersten Mal seit dem Lockdown hat das ZDF-Studio in Peking Einblicke in das Leben der Menschen dort erhalten.

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Staatspropaganda wirkt bis in die abgelegensten Winkel

Stefanie Schoeneborn Pressefoto China
Stefanie Schoeneborn im chinesischen Hinterland: Das Leben scheint hier stehen geblieben zu sein.
Quelle: ZDF

Direkt an der chinesisch-russischen Grenze liegt Manzhouli. Das Leben scheint hier fast stehen geblieben. Die Grenzen sind geschlossen. Nur noch Güterzüge dürfen auf die chinesische Seite. Die Menschen sind misstrauisch, vor allem uns Ausländern gegenüber. In den Weiten des Graslands treffen wir Ren, den Pferdebesitzer.  Er stellt uns seine Freunde vor. Sie teilen Ihre Überzeugungen mit uns. Das Virus käme nicht aus China. Ein anderer sagt, es käme aus den USA.

Aufgeregtes Sprachgewirr und einer ergreift das Wort. Die Epidemie sei schlecht für alle. Das Ursprungsland sei weder China noch die USA. China werde niemals zugeben woher es komme. Aber es werde zugeben, dass es eine Epidemie gab. So treffen wir die chinesische Staatspropaganda im abgelegensten Winkel des Landes an.

Virusangriff auf Chinas Zukunft

Der Erfolg von Chinas Machthabern beruht nicht nur auf der totalen Überwachung seines Volkes. 1.4 Milliarden kann man nicht nur mit Unterdrückung regieren. Die Mehrheit glaubt wirklich, dass die Mitglieder der kommunistische Partei die einzigen sind, die das Land vor Chaos und Untergang bewahren können.

Viele, denen wir begegnet sind, schauen jetzt nach Peking. Präsident Xis Macht basiert auch auf diesem unerschütterlichen Glauben seines Volkes in die Weisheit der Partei und er weiß, er darf ihn nicht erschüttern. All das macht Corona so gefährlich für China. Denn das Virus ist wie eine unsichtbare Armee, die Chinas Zukunft angreift und das Land schwächt.  

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