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Internet Society warnt vor Generalschlüssel

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Verschlüsselungssoftware - Internet Society warnt vor Generalschlüssel

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Die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten wollen Hintertüren in die Verschlüsselung einbauen. Messenger-Dienste können so leicht abgehört werden. Internationale Experten üben Kritik.

Verschiedene Messenger-Dienste auf einem Smartphone.
Ein Generalschlüssel für Messenger-Dienste stellt auch eine Sicherheitslücke dar.
Quelle: Wolfram Kastl/dpa/Symbolbild/Archiv

Geht es nach dem Willen des EU-Ministerrates, sollen die Betreiber von Internet-Diensten, die vollständig verschlüsselt werden, eine Art Generalschlüssel bei den Sicherheitsbehörden hinterlegen. Polizei und Inlands-Geheimdienste könnten damit Nachrichten, die per Messenger verschickt werden, oder verschlüsselte Mails, mitlesen.

Kopfschütteln bei Netzexperten

Auf dem heute zu Ende gehenden Internet Governance Forum ist der Vorstoß der EU-Länder auf scharfe Kritik gestoßen. Das Internet Governance Forum wurde auf dem Weltinformationsgipfel der Vereinten Nationen im Jahr 2005 in Tunis beschlossen.

Seitdem findet es jährlich statt und ist eine der wichtigsten Plattformen, auf denen Zivilgesellschaft und Regierungen über Regelungen für das Internet diskutieren. Vom 9. bis 17. November hat das Internet Governance Forum im Netz stattgefunden und in zahlreichen Workshops und Panels über den EU-Generalschlüssel debattiert.

Sichere Verschlüsselung ist die beste Verteidigung unserer persönlichen und kollektiven Sicherheit an vorderster Front.
Victoria Grand

So fasst Victoria Grand, Vizepräsidentin von WhatsApp, die einhellige Meinung der Netzexperten zusammen.

Internet Society fürchtet Vertrauensverlust

Die Internet Society, aber auch die Global Encryption Coalition haben davor gewarnt, Kommunikation im Netz dadurch unsicher zu machen, dass eine Hintertür für Sicherheitsbehörden eingebaut wird. Denn nichts anderes sei dieser geforderte Generalschlüssel.

Einen neuen Höchststand der Cyberkriminalität registrierte das Bundeskriminalität. Die Täter: Hacker. Und die nutzen sogar die Corona-Krise zu ihrem Vorteil.

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Privatheit und ausreichenden Schutz der Privatsphäre könne es ohne sichere Verschlüsselung nicht geben. Der vom EU-Ministerrat vorgelegte Entwurf für einen Generalschlüssel hätte für die Menschen erhebliche Konsequenzen. So könne der verschlüsselte Arztbrief, zum Beispiel mit den Laborwerten eines HIV-Infizierten, mitgelesen werden.

Vor allen Dingen in den Panels zum Thema "Vertrauen in die Digitalisierung" des Internet Governance Forums wurde der Generalschlüssel ausgiebig diskutiert. Und das Ergebnis dieser Debatten war immer das gleiche: Entweder haben wir eine sichere Verschlüsselung, oder wir schaffen sie mit Einführung eines Generalschlüssels ab.

Generalschlüssel ist nichts anderes als eine Sicherheitslücke

Für einen Generalschlüssel müssen in die Verschlüsselungssoftware Hintertüren eingebaut werden. "Solche Hintertüren sind nichts anderes als Sicherheitslücken in der Software", bringt der Informatik-Professor Hartmut Pohl das Problem auf den Punkt.

Sollen Geheimdienste künftig Messenger-Gespräche mithören und -Chats mitlesen dürfen? Das will die GroKo heute offenbar beschließen. Die FDP wittert einen Grundrechtseingriff.

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Wenn einmal eine solche Sicherheitslücke eingebaut ist, kann sie nicht mehr kontrolliert werden. Sie kann von Schwachstellenforschern gefunden werden und von dort an die Organisierte Kriminalität gelangen.

Aber solche Sicherheitslücken gelangen erfahrungsgemäß auch von den Geheimdiensten, die diesen Generalschlüssel ebenfalls nutzen sollen, an die Organisierte Kriminalität. Computerwissenschaftler Pohl hat berechnet, dass solch eine von Behörden genutzte Sicherheitslücke nicht sehr lange geheim gehalten werden kann.

Nach zwei Jahren landet die in aller Regel bei der Organisierten Kriminalität.
Hartmut Pohl
Verschiedene Messenger-Dienste auf einem Handy

Whatsapp, Threema, Telegram -
Union: Messenger sollen entschlüsselt werden dürfen
 

Auf verschlüsselte Nachrichten bei Messengern wie Whatsapp sollen Behörden im Einzelfall zugreifen können. Diese Forderung erneuert die Unionsfraktion nach dem Anschlag in Halle.

von Cornelia Schiemenz, Berlin

EU-Parlament soll sich einschalten

Die Internet Society hat das Europäische Parlament aufgefordert, die Gesetzesinitiative des Ministerrates zu stoppen. Vorschläge, die vom Internet Governance Forum kamen, hat das EU-Parlament in der Vergangenheit immer sehr stark berücksichtigt.

Am 25. November 2020 soll die Vorlage des EU-Ministerrates für einen Generalschlüssel im Rat der ständigen Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten beraten und beschlossen werden. Daraus wird dann ein Auftrag an die EU-Kommission, eine Verordnung auszuarbeiten, durch die die Hintertüren in der Verschlüsselungssoftware EU-Recht werden. Spätestens an dem Punkt kann sich das Europäische Parlament einschalten.

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