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Interview

Wasserversorgung in Deutschland - "Die Situation ist angespannt"

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Dass man sich in Deutschland Gedanken um die Wasserversorgung macht, hätte vor wenigen Jahren niemand gedacht. Prof. Dietrich Borchardt erklärt im Interview, womit zu rechnen ist.

Zwei Drittel der Erde sind mit Wasser bedeckt. Aber nur 0,3 Prozent davon sind Trinkwasser. Durch den Klimawandel wird Trinkwasser in vielen Regionen der Welt immer knapper.

Beitragslänge:
28 min
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makro: Ob Bodenfeuchte oder Grundwasserspeicher - wo stehen wir nach drei Dürresommern in Folge? Und wie gehen wir in den Sommer 2021?

Wir gehen mit einer angespannten Situation in den Sommer 2021.

Die Wasserstände der oberen Grundwasserstockwerke sind in vielen Regionen Deutschlands am Ende des Winters ähnlich niedrig wie 2018, 2019 und 2020. Dies betrifft beispielsweise in Sachsen und Bayern bis zu 75 Prozent der Grundwasser-Messstellen.

Nach einem trockenen Herbst 2020 und einem niederschlagsreichen Winter 2021 ist in Deutschland die klimatische Wasserbilanz für das aktuelle Frühjahr wieder fast flächendeckend negativ.

Es ist deshalb nicht überraschend, dass der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung bereits jetzt südlich des Mains, vor allem in Baden-Württemberg und Bayern nördlich der Donau, für die Pflanzen "Trockenstress" ausweist. Zudem ist der Oberboden bis 25 cm südlich einer Linie Frankfurt bis Leipzig schon jetzt ungewöhnlich trocken bis hin zu ausgeprägten Dürren. Beim Gesamtboden bis zwei Meter ist es noch gravierender.

makro: Immer mehr Rückstände aus Düngemitteln, aber auch andere Mikroschadstoffe wie PFC finden ihren Weg ins Trinkwasser. Wie kann man dem begegnen? Und was kommt da an Kosten auf uns zu?

Borchardt: Wir können dem Problem der überschüssigen Nährstoffe oder der Mikroschadstoffe auf zwei Wegen begegnen. Sie an der Quelle vermeiden, also gar nicht erst in den Wasserkreislauf gelangen lassen. Oder versuchen, sie am Ende ("end-of-pipe") wieder herauszufiltern, etwa durch zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen oder in der Rohwasseraufbereitung des Trinkwasser.

Letzteres ist immer der teurere Weg, wobei die genauen Kosten sehr stark vom Einzelfall abhängig sind und oft vom Verursacher auf den Verbraucher verlagert werden. Zu diesen Kosten addieren sich weitere Umweltwirkungen, etwa beim Energieaufwand für die Filtration oder die Entsorgung der kontaminierten Filterrückstände.

makro: Viel Wasser geht in die Landwirtschaft. Kann man diesen Verbrauch reduzieren oder ist das angesichts des fortschreitenden Klimawandels illusorisch?

Borchardt: Beim Wasserbedarf in der Landwirtschaft muss man differenzieren. Beim Pflanzenbau haben wir in Deutschland eine "Regenwasserlandwirtschaft", weil aktuell nur rund 3,8 Prozent der Ackerfläche in Deutschland künstlich bewässert werden müssen. Dieser Anteil wird aber zukünftig mit dem Klimawandel sicher steigen - es werden in den kommenden Jahrzehnten Zunahmen bis um den Faktor sieben  prognostiziert.

Weil dann neue Nutzungskonkurrenzen drohen, etwa mit der Trinkwassergewinnung, muss die Effizienz der Bewässerung erhöht werden, damit der Flächenbedarf für die Bewässerung und die genutzten Wassermengen entkoppelt werden ("more crop per drop").

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Videolänge
30 min
von Cordula Stadter

makro: Deutschland gilt hinsichtlich der Wasserversorgung noch als relativ "safe". Wie sieht es in anderen Regionen aus, beispielsweise in Südeuropa?

Borchardt: Sehr viel kritischer, obwohl diese Regionen schon seit vielen Jahrhunderten mit weniger Wasser auskommen müssen als wir und eigentlich besser angepasst sein sollten. Dies wird hier besonders durch den Klimawandel verschärft, weil sich Hitzewellen, Dürren, aber auch Starkregen - und damit vor allem die Klimaextreme - in Südeuropa sehr viel stärker verändern werden als bei uns.

Das Interview führte Carsten Meyer.

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