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Irans Geisel-Diplomatie - Deutsche als Faustpfand der Mullahs

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Der Iran nimmt immer wieder Ausländer in Geiselhaft - darunter auch vier Deutsche. Dienen sie als politisches Druckmittel, um iranische Agenten auszutauschen?

Unter der Strategie Irans, ausländische Geiseln als Faustpfand in Verhandlungen mit westlichen Staaten zu nutzen, leiden auch gänzlich unbeteiligte Menschen und ihre Angehörigen.

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Mariam Clarens Mutter gehört zu den deutschen Staatsbürgern, die im Iran festgehalten werden. Nahid Taghavi arbeitete als Architektin und pendelte zwischen Deutschland und dem Iran. Politisch hat sie sich nie öffentlich geäußert und so ist ihre Tochter überrascht, als sie im Oktober 2020 plötzlich keine Nachrichten mehr von ihrer Mutter bekommt.

Nahid Taghavi ist in ihrer Wohnung in Teheran verhaftet worden. Monatelang muss die 66-Jährige in Teheran in Isolationshaft verbringen.

Taghavi: "Mein Körper ist total kaputt"

In einem Telefonat vor wenigen Tagen schildert Nahid Taghavi, wie sie außerhalb der Zelle eine Augenbinde tragen muss und ihre Haare ausgefallen sind. "Sie hat gesagt, mein Körper ist total kaputt", so Mariam Claren. Konkrete Anklagepunkte gegen Nahid Taghavi gibt es bisher nicht, sie sei ein Sicherheitsrisiko, heißt es.

Ihre Tochter hat immer wieder versucht, die deutschen Behörden einzuschalten. Aber, so das Auswärtige Amt auch gegenüber dem ZDF:

Der Iran gewährt in aller Regel keinen konsularischen Zugang zu Häftlingen, die auch die iranische Staatsangehörigkeit besitzen.
Auswärtiges Amt

Der Iran behandelt Doppelstaatler als iranische Staatsbürger.

Dem schwedisch-iranischen Wissenschaftler Jalali droht im Iran die Hinrichtung. 2016 wurde er auf einer Vortragsreise verhaftet - er soll für Israel spioniert haben.

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Experte: Teheran benutzt Geiseln als Faustpfand

Nahost-Experte Guido Steinberg weiß: Der Iran benutzt ausländische Geiseln als Faustpfand, um sie gegen iranische Spione im Ausland auszutauschen. Im Februar wird in Belgien der iranische Diplomat Assadollah Assadi zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Er soll der Kopf eines Agenten-Netzwerkes in Europa gewesen sein. Getarnt war er als Diplomat an einer iranischen Botschaft.

Assadi soll einen Anschlag auf eine Großveranstaltung der iranischen Auslandsopposition in Paris 2018 geplant haben. Der Anschlag wird vereitelt, später verhaften deutsche Behörden Assadi und liefern ihn an Belgien aus.

Iranischen Diplomaten freipressen?

Soll mit der Inhaftierung Nahid Taghavis aus Köln Druck ausgeübt werden, um den mutmaßlichen Agenten Assadi auszutauschen? "Es ist eine Tatsache, dass die Iraner versuchen werden, Herrn Assadi freizupressen. Und Herr Assadi hat auch in seinen Vernehmungen gesagt, dass er fest damit rechne, dass entweder der Iran oder iranische Verbündete dafür sorgen werden, dass er freikommt", sagt Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Im Iran ist der Regime-Kritiker und Blogger Ruhollah Sam hingerichtet worden. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, zu gewaltsamen Protesten gegen die Regierung aufgerufen zu haben.

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Iran entführt Oppositionellen in Dubai

Dass der Iran auch nicht vor Entführungen zurückschreckt, zeigt das Beispiel der Familie Scharmahd. Djamschid Scharmahd war auf einer Reise, als er in Dubai entführt und nach Teheran verschleppt wurde. Schon lange war er den Mullahs ein Dorn im Auge. Er soll der Oppositionsgruppe Tondar angehören und wird von Teheran für einen Anschlag auf eine Moschee in Shiraz verantwortlich gemacht. Ihm droht die Todesstrafe.

"Wir sind verzweifelt", sagt seine Tochter Ghazale. Nach der Entführung hätten sie lange nicht gewusst, ob ihr Vater noch am Leben sei. Auf Youtube hätten sie und ihr Bruder erstmals ihren Vater mit verbundenen Augen gesehen. Sie befürchten, dass das Regime in Teheran ihren Vater hinrichten wird.

Gefangenenaustausch auch als Chance

Für die Sharmahds wäre ein Gefangenenaustausch die Chance, ihren kranken Vater noch einmal lebend wiederzusehen. Mariam in Köln wiederum ist wütend:

Es kotzt mich an, das meine 66-jährige Mutter Spielball und Verhandlungsmasse für den Iran ist.
Mariam Claren

Sie fordert die Bundesregierung auf, diplomatischen Druck auszuüben. "Denn jeder Tag, der ins Land geht, bedeutet, dass es meiner Mutter mental und körperlich schlechter geht."

Kamran Safiarian ist Mitarbeiter in der Redaktion des ZDF heute journals.

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