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Trauriges Neujahrsfest - Iraner begrüßen ein neues Krisenjahr

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Die Iraner feiern Nooruz zwischen Corona-Pandemie, US-Sanktionen und den Präsidentschaftswahlen. Die Hoffnungen auf die neue US-Regierung haben sich bislang noch nicht erfüllt.

Iranerinnen in lokaler Tracht am 15.03.2021 in Teheran
Iranerinnen in lokaler Tracht feiern das bevorstehende iranische Neujahrsfest.
Quelle: dpa

"Ich schäme mich vor meiner Frau und meinen Kindern, dass ich ihnen keine Geschenke zum Neujahrsfest kaufen kann," meint der Taxifahrer Beedorz Goodarzi in Teheran. Er habe kein Geld, und kurz vor dem Neujahrsfest seien die ohnehin hohen Preise nochmal angezogen.

So wie ihm geht es vielen Iraner*innen. Die Verkaufsstände auf dem Basar im Norden der Stadt sind gefüllt mit den traditionellen Gaben zum iranischen Neujahr, das nach dem persischen Sonnenkalender diesmal am 20. März gefeiert wird. Goldfische, Frühlingsblumen, Obst, Münzen, es ist ein Familienfest, das diesmal aus verschiedenen Gründen anders ausfällt als früher.

Präsidentschaftswahlen werfen Schatten voraus

Da ist zum einen die Corona-Pandemie, die auch Iran hart getroffen hat. Aus Angst vor Neuinfektionen empfahl die Regierung, auf Reisen während der Neujahrsferien zu verzichten. Ein generelles Reiseverbot aber soll es nicht geben, genauso wenig wie härtere Beschränkungen aus Angst vor weiterem Schaden für die iranischen Wirtschaft.

Die leidet seit Jahren unter den US-Wirtschaftssanktionen, und alle Hoffnungen darauf, dass es nach dem Wahlsieg Joe Bidens in den USA zu einer raschen Einigung im Atomstreit kommen könnte, haben sich bislang nicht erfüllt.

Und dann sind da noch die Präsidentschaftswahlen im Juni, die bereits ihre unseligen Schatten voraus werfen und nichts Gutes versprechen für das neue Jahr 1400. Das neue Jahrhundert nach iranischer Zeitrechnung beginnt mit einem handfesten Streit zwischen den politischen Machtblöcken, wie ihn das Land lange nicht mehr gesehen hat.

US-Präsident Joe Biden sieht Chancen für das Atomabkommen, das den Iran vom Bau atomarer Waffen abhalten soll. Noch ist aber unklar, wie der Dialog wieder in Gang kommen kann.

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Atomabkommen bleibt Streitthema

Der amtierende Präsident Hassan Rohani und seine Regierung kämpfen um ihr politisches Erbe, und das ist eng verknüpft mit dem Atomabkommen von 2015. "Wenn wir uns der Wahl nähern, wird unsere Regierung eine lahme Ente sein, die keine ernsthaften Entscheidungen mehr treffen kann," warnte am Montag der iranische Außenminister Mohammad Zarif. Es sei daher wichtig, dass sich die USA bald bewegten und zum Atomabkommen zurückkehrten, das US-Präsident Trump 2018 einseitig aufgekündigt hatte. Die neue US-Administration aber hat keine Eile.

Auch Joe Biden will ein erweitertes Atomabkommen, so wie bereits sein Vorgänger Donald Trump. Irans Unterstützung schiitischer Milizen im Libanon, in Irak und im Jemen soll ebenso auf den Verhandlungstisch wie das ballistische Raketenprogramm. Die religiös-konservativen Hardliner in Teheran aber lehnen Verhandlungen über diese Punkte strikt ab und zeigen auch sonst kein Interesse daran, dass es vor der Wahl im Juni substantielle Fortschritte und Erleichterungen durch eine Aufhebung der US-Wirtschaftssanktionen gibt.

Im Atomstreit mit Iran gibt es etwas Hoffnung für die Diplomatie. Denn US-Präsident Biden sieht wohl noch Chancen für das Atomabkommen, das Iran vom Bau atomarer Waffen abhalten soll. Unter Vorgänger Trump waren die USA aus dem Abkommen ausgeschieden.

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Präsident Rohani darf nicht mehr antreten

Ganz im Gegenteil: Ebenfalls am Montag präsentierte die Marineabteilung der Revolutionsgarden ein riesiges unterirdisches Lager ballistischer Raketen. Das sei nur ein kleiner Teil der Feuerkraft, über die Iran tatsächlich verfüge, meinte der Oberkommandeur der iranischen Elitetruppen, General Hossein Salami.

Wütend wie selten erklärte Präsident Rohani daraufhin am Donnerstag, "jede Verzögerung der Aufhebung der Sanktionen ist hinterhältig. Jeder Flügel, Einzelpersonen oder Gruppen, die die Aufhebung der Sanktionen auch nur eine Stunde verzögern, begehen Verrat am iranischen Volk." Einziger Grund, so Rohani, sei die Präsidentschaftswahl.

Nach zwei Amtszeiten darf Rohani nicht mehr antreten. Es wird erwartet, dass seine moderate Regierung durch Vertreter der Hardliner-Fraktion ersetzt werden wird. Keine gute Botschaft für viele Iraner*nnen, von denen viele aus Frust die Wahl boykottieren werden. Das neue Jahr werde gerade für die jungen Menschen in Iran sehr hart, meint der 23jährige Arbeiter Ali Motreb. "Dabei wünsche ich mir nur ein etwas angenehmeres Leben." Viel Hoffnung aber, dass sich dieser Wunsch erfüllt, hat er nicht.

Jörg Brase ist Leiter des ZDF-Studios in Istanbul.

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